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E-Health ist einer der Schwerpunkte des EU-Programms i2010 zur Förderung von Innovation und Arbeitsplätzen. Es zielt darauf ab, Patienten und Gesundheitsexperten überall in Europa nutzerfreundliche und dialogfähige Informationssysteme bereit zu stellen.
E-Health
steht für die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der gesamten Bandbreite der Funktionen, die den Gesundheitssektor betreffen – vom Arzt bis hin zum Krankenhausleiter und von Datenverarbeitung bis hin zu Sozialversicherungsbeauftragten und Patienten. Ziel ist es, die Qualität, den Zugang und die Wirksamkeit des Gesundheitswesens für alle zu verbessern.
In der EU spielt E-Health eine große Rolle für die Strategie „
eEurope
“ der Union, eine Initiative, die 1999 ins Leben gerufen wurde und der seither die Aktionspläne „eEurope 2002
“, „eEuropa 2005
“ und „i2010
“ folgten.
Regionale Gesundheitsnetzwerke, elektronische Krankenakten zur Erstbehandlung und die Entwicklung von Krankenkarten haben zu der Entstehung einer „E-Health-Industrie“ beigetragen, die laut der Kommission das Potential habe, die drittgrößte Industrie des Gesundheitssektors zu werden, nach der Pharmaindustrie und der Medizinprodukte- und Fotoindustrie.
Der erste
E-Health-Aktionsplan
der EU, der im April 2004 angenommen wurde, zielt darauf ab, die Schaffung nationaler E-Health-Infrastruktursysteme, elektronischer Krankenakten und Patientendossiers und deren Interoperabilität zu fördern.
Der Aktionsplan für den Zeitraum von 2004 bis 2010 konzentriert sich auf drei Aktionsbereiche:
Im Juni 2006 hat die Einheit der Kommission „IKT im Gesundheitswesen“ eine neue
Strategie
angenommen, um die Umgestaltung des Systems des europäischen Gesundheitswesens zu fördern. In der Strategie heißt es, um sich den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und weiteren Herausforderungen des Gesundheitswesens zu stellen, benötige Europa ein neues Model zur Gesundheitsversorgung, das auf präventiven und individuellen Gesundheitssystemen basiere. Dies könne nur durch eine angemessene Nutzung der IKT erreicht werden.
Der Ansatz soll auf dem E-Health-Aktionsplan aufbauen und auf die Zukunft gerichtete Forschung unter dem Siebten Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) einschließen. Die Strategie geht ebenfalls mit dem neuen politischen Handlungsrahmen der Kommission „ i2010 “ zur Förderung der Anwendung von IKT zur Verbesserung der sozialen Integration, der öffentlichen Dienste und der Lebensqualität einher.
Ein Bericht
über die Prioritäten und Strategien der europäischen Staaten
im Bereich E-Health (April 2007) erklärt, dass Mitgliedstaaten gute Fortschritte bei der Umsetzung der E-Health-Strategie der EU gemacht hätten, dass es ihnen jedoch nicht gelungen sei, Probleme der Bildung und sozioökonomische Fragen anzusprechen, die untere ihre Zuständigkeit fielen (EurActiv vom 12. April 2007).
Pilotprojekte
In der E-Health-Konferenz von 2007 haben die Staaten der EU-27 und die Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums am 19. April 2007 eine gemeinsame Erklärung angenommen, die ihre Verpflichtung, die strukturierte Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden elektronischen Gesundheitsdiensten überall in Europa fortzusetzen, beinhaltet.
Die Erklärung schlägt die Einführung großangelegter Pilotprojekte vor, um die europäische Zusammenarbeit in diesem Bereich zu prüfen und empfiehlt, dass die Mitgliedstaaten gemeinsam mit der IT-Industrie des Gesundheitswesens an gemeinsamen europäischen Standards arbeiten sollten, um die Interoperabilität sicherzustellen, aber auch um neue Marktmöglichkeiten in der Branche zu eröffnen.
Der Kommissar für Gesundheit, Markos Kyprianou, sagte: „Die Gesundheitstelematik kann die Handlungskompetenz der Patienten stärken und die gesundheitliche Versorgung verbessern. Was noch wichtiger ist, sie kann das Risiko ärztlicher Kunstfehler senken und dadurch Leben retten. Wir benötigen eine Partnerschaft zwischen den Gesundheitsministern, Technologieanbietern, Patientenverbänden und Nichtregierungsorganisationen im Gesundheitsbereich, um die Möglichkeiten der Gesundheitstelematik in Europa voll auszuschöpfen.”
Die Kommissarin für die Informationsgesellschaft, Viviane Reding, sagte: „Bei einem europäischen Konzept für das Gesundheitswesen sollte es darum gehen, Euros für Patienten statt für Bürokratie aufzuwenden. (…) So können beispielsweise elektronische Patientenakten Ärzten bei der Diagnose von Krankheiten und der gezielteren Verordnung von Behandlungen helfen und damit das Risiko ärztlicher Kunstfehler senken. Auch lassen sich auf diese Weise der bürokratische Aufwand verringern und die Effizienz steigern. Die Einführung elektronischer Patientenüberweisungen in Dänemark spart € 1 Million pro Jahr. Diese Einsparungen könnten bis zu € 3,5 Millionen pro Jahr betragen, wenn alle Überweisungen elektronisch verschickt würden.”
Der Generaldirektor der GD Informationsgesellschaft der Kommission, Fabio Colasanti, sagte, die Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA im Bereich E-Health sei wichtig, da es sich bei beiden um große Wirtschaftsräume mit den gleichen Charakteristika handele (beispielsweise eine alternde Bevölkerung). Man müsse die Entwicklung von Standards und Interoperabilität in diesem Bereich koordinieren.
Frans de Bruïne, Direktor der GD Informationsgesellschaft, sagte, es sei auch klar, dass Technologie allein nicht ausreiche. Sie müsse von einem angemessenen Rechtsrahmen und der Ausbildung von Fachkräften des Gesundheitswesens begleitet werden.
E-Health solle nicht mehr Gegenstand spezieller Konferenzen sein, sondern in normaler Art und Weise wie das Gesundheitswesen im allgemeinen behandelt werden, sagte Petra Wilson, Direktorin für das öffentliche Gesundheitswesen der Internet Business Solutions Gruppe Cisco. Sie fügte hinzu, man müsse den Ärzten finanzielle Anreize bieten, wie höhere Zahlungen pro Patientenbesuch, um sie zu ermutigen, Technologien einzuführen und zu verwenden.
Peter Langkafel von SAP stimmt zu, dass Anreize für Ärzte wichtig seien, sagte aber auch, dies reiche nicht aus. Man müsse den Wert und das Geschäftsszenario für E-Health aufzeigen – verbesserte qualitative Pflege und Patientensicherheit sowie verbesserte Verwendung von Ressourcen im Gesundheitswesen (Arbeitskräfte, Verfahren). Das Geschäftsszenario müsse durch Kosten-Nutzen-Studien gezeigt werden.
Baldur Johnsen, Direktor der Abteilung Marktentwicklung des Gesundheitswesens bei Hewlett Packard, stellte die Frage, warum Patienten nicht die gleiche Art von Servicemöglichkeiten im Bereich Gesundheitswesen haben sollten, wie sie dies beispielsweise im Finanzbereich genössen. Es sei notwendig, die Patienten darüber zu unterrichten, was erreicht werden könne. Die Patienten sollten sich an ihre Anbieter von Gesundheitsdiensten wenden und Druck auf sie ausüben, damit sie mehr Technologien verwendeten.
Charles Scatchard, Vizepräsident für Gesundheitswissenschaften bei Oracle, sagte, das Gesundheitswesen sei der Sektor des Unternehmens, der am schnellsten wachse. Es sei ein ernsthaftes Geschäft. Er fügte hinzu, man wisse, dass alle neuen Technologien des Gesundheitswesens 17 Jahre benötigten, bis sie schließlich einsetzbar seien.
Agneta Granström, Mitglied des Regionalrates von Norrbotten sagte während einer Konferenz der Versammlung der Regionen Europas, E-Health ermögliche es den Regionen, Distanzbarrieren zu überwinden, wenn sie Gesundheitsdienste organisierten und lieferten. Es sei daher ein wichtiges Instrument sowohl für ländliche als auch für städtische Regionen. Die Entwicklung solch innovativer Technologien trüge auch zur gesamten wirtschaftlichen Entwicklung einer Region bei, da dies Unternehmen anziehe, die in der Branche spezialisiert seien, und neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffe.
Granström fügte hinzu, man müsse mit der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und zwischen Anbietern von Gesundheitsdiensten überall in Europa beginnen. Man benötige kein gemeinsames System, das für jeden gleich sei, sondern interoperable Systeme. Sowohl Universitäten als auch die Wirtschaft sollten das enorme Potential des E-Health-Sektors anerkennen; gemeinsam mit den Regionen sollten sie sich zur Entwicklung von E-Health-Instrumenten verpflichten.
Der Zusammenschluss der Apotheker der EU (PGEU) fordert die nationalen und europäischen Behörden dazu auf, Apothekern und anderen Anbietern von Gesundheitsdiensten, dabei zu helfen, die Vorteile und Möglichkeiten auszuschöpfen, welche die zunehmende Internetnutzung und die Entwicklung der elektronischen Gesundheitsdienste biete. PGEU fügt hinzu, dass „die Entwicklung europäischer Normen und die gegenseitig anerkannte Bescheinigung von P2P-Anträgen, einschließlich der notwendigen Normen für die Übertragung elektronischer Rezepte und verwandter Gesundheitsdaten, allen Interessenvertretern dabei helfen sollten, ihre gegenwärtigen Dienstleistungen und gesundheitlichen Bestimmungen Schritt für Schritt und auf sichere Weise auf das Internet auszuweiten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Apotheken Zugang zu allen relevanten Informationen haben.“