Bulgarien würde bei direkten Gesprächen, die auf die Schaffung eines palästinensischen Staates und die Erreichung nachhaltigen Friedens in der Region abzielten, zwischen den beiden gerne Gastgeberland sein, wie Diplomaten nach dem Besuch des israelischen Präsidenten in Sofia letzten Mittwoch bestätigten. Jedoch würde das EU-Land nicht als Mittler agieren, hieß es.
In Sofia erklärte Peres, Bulgarien stelle einen guten Standort für Gespräche mit den Palästinensern dar, die seit der Operation „Gegossenes Blei“ im Dezember 2008-Januar 2009 abgebrochen wurden (siehe EurActiv 19.01.09).
Bulgarien sei ein guter, ja sehr guter Standort, damit man sich mit den Palästinensern treffen könne. Er könne an keinen besseren Standort denken, so romantisch, dass er schon an sich eine Einladung darstelle, wird Peres auf der Webseite des bulgarischen Präsidenten, Georgi Parwanow, zitiert.
Letzten Monat besuchte Sofia der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas. Von der Presse gefragt, ob die kurze Zeitspanne zwischen beiden Besuchen einen Zufall oder das Zeichen für Bulgariens aktiveren Einsatz in den Nahostfriedensprozess darstelle, scherzte Peres, es sei kein Zufall sondern ein Fehler, dass beide Besuche nicht gleichzeitig stattgefunden hatten.
Bulgarien genießt hervorragende Beziehungen sowohl mit den Palästinensern als auch mit Israel. Während des zweiten Weltkrieges war das neue EU-Land der einzige Alliierte Deutschlands, dem es gelang, seine ganze 48.000-köpfige jüdische Bevölkerung vor der Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager zu schützen. Trotz Druck von Hitler setzten sich das Parlament, die orthodoxe Kirche, Intellektuelle und Bürger den Deportationen entgegen.
Später, in den Sechzigern, wurden tausende Asylbewerber aus Palästina in Bulgarien aufgenommen, gingen zur Schule und zur Universität und heirateten im Lande. Daraus folgt, dass ein wesentlicher Anteil der palästinensischen Elite bulgarisch spricht.
Peres, der den „Stara Planina“-Orden, die höchste Staatsauszeichnung, von seinem bulgarischen Gastgeber, Pawanow, erhielt, erklärte, Israel sei es nicht gewohnt, Auszeichnungen zu verleihen, aber eine solche Auszeichnung habe die ganze bulgarische Nation verdient.
Bulgaren hätten sich unter Lebensgefahr dem Nazi-Druck nicht gebeugt und verdienten daher die höchste Ehrenauszeichnung, die die Menschheit gewähren könnte, erklärte Peres angeblich.
Presseagenturen berichteten am Freitag, dass der palästinensische Präsident, Mahmud Abbas, einem Brief von der Hohen Vertreterin der EU, Catherine Ashton, zufolge kurz davor stünde, direkte Gespräche mit Israel zu akzeptieren.
Abbas habe ein paar weitere Tage verlangt für abschließende Beratungen mit seinen arabischen Partnern, mit der Fatah und den PLO-Exekutivbehörden, erklärte Ashton, und sollte in der Lage sein, am Sonntag oder am Anfang nächster Woche eine endgültige Antwort zu geben.
Laut arabischer Zeitungen könnte Abbas seine Antwort heute (16. August) bekannt geben. Ein weiterer Bericht von der palästinensischen Presseagentur Ma’an erklärt, Abbas warte auf eine erwartete Stellungnahme des Quartetts, die voraussichtlich am Anfang nächster Woche veröffentlicht wird, bevor er eine Entscheidung über Gespräche ankündigt.




