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EU-China Gipfel: Klimawandel und Handel Topthemen auf der Tagesordnung [DE]

Veröffentlicht 20. Mai 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Es wird erwartet, dass es eine energische Debatte geben wird, wenn sich europäische und chinesische Politiker heute (20. Mai 2009) zu einem wichtigen Gipfel in Prag treffen. Protektionismus und das klaffende Handelsdefizit der EU mit China sollen auch weit oben auf der Agenda zu stehen. 

Verschiedene Ansichten, wie man Chinas rapides Industriewachstum mit dem Ziel der Reduzierung des Energieverbrauchs vereinbaren kann, wird wahrscheinlich im Zentrum der Spannungen zwischen den Politikern auf dem Gipfel stehen, obwohl chinesische Diplomaten Brüssel ihren Willen kundgetan haben, beim Ziel die CO2-Emissionen zu senken enger zusammen zu arbeiten. 

Gestern (19. Mai 2009) auf einer Konferenz über die Rolle Chinas in einer neuen Weltordnung sprechend sagte der Botschafter Song Zhe, der die Vertretung der Volksrepublik China bei der EU leitet, er fordere eine engere Zusammenarbeit, um die Finanz- und Energiekrise zu bekämpfen. 

Trotzdem sagte er, dass China auf der Basis von „gemeinsamen aber differenzierten Verantwortlichkeiten“ für die Reduzierung der Treibhausgase kämpfe. 

Das Prinzip, das Teil des Kyoto-Protokolls ist, gibt Industriestaaten wie den USA und der EU mehr Verantwortung, während es Ländern wie China und Indien, auf der Basis, dass diese sich noch entwickeln, mehr Freiräume gestattet. 

Ein Botschafter sagte, dass die Industriestaaten für die Mehrheit der historischen Treibhausgasemissionen verantwortlich seien und dass Chinas derzeitige pro Kopf-Emissionen einem Fünftel deren der USA entsprächen. Trotzdem sagte er, dass China seine nationale Wirtschaft aktiv umstrukturiere und seine Produktionsmethoden restrukturiere, um den Energieverbrauch zu senken. 

Zhe fügte hinzu, dass Chinas Antwort auf die Krise zeige, dass es eine Nation sei, die sich ihrer Verantwortung bewusst sei. 

Auf die Frage hin, was für eine Art von Weltmacht China in einer neuen Weltordnung darstellen würde, sagte der Botschafter, das Beijing keine Gefahr für andere Nationen darstelle. 

China wurde bereits von fremden Mächten bedrängt und weiß daher genau um die Erniedrigung der Ungleichheit. China werde Anderen derartigen Schmerz nie zufügen. Genauso wenig werde es auf die Kosten anderer seine eigene Entwicklung vorantreiben. 

Die europäische Kommissarin für Auswärtige Beziehungen, Benita Ferrero-Waldner sagte, dass die Beziehungen zwischen der EU und China ein wichtiger Bereich seien, der auf Kommissionsebene diskutiert werde. 

Historisch habe der Aufstieg von Staaten zu Weltmächten zu Spannungen und Konflikten geführt. Trotzdem dürfe sich die Geschichte nicht wiederholen.  Sie sagte, dass die derzeitigen gemeinsamen Herausforderungen, die die EU und China beträfen, die Wirtschaftskrise und die Umwelt seien und rief zu einer besser koordinierten Antwort auf. Sie sagte das Europa sein Wissen über saubere Kohle sowie über CO2-Abscheidung und Speicherung teilen sollte und China dabei helfen müsse, den CO2-Austoß zu senken. 

Ferrero-Waldner fügte hinzu, dass die EU und China ein gemeinsames Interesse daran hätten dem Protektionismus zu widerstehen.  Der Gipfel findet in einer Woche statt in der neue Zahlen  zeigen, dass es zwischen der EU und China ein Handelsdefizit von 170 Milliarden Euro gibt. Zwischen 2000 und 2008 verdreifachte sich der Warenhandel zwischen den beiden Weltmächten. Alle EU-Länder haben China gegenüber ein Handelsdefizit was bedeutet, dass sie mehr importieren als sie exportieren, wobei die Niederlande (41 Milliarden Euro), Großbritannien (33 Milliarden Euro) und Italien (24 Milliarden Euro) die höchsten Handelsunterschiede zu verzeichnen haben. 

Stellungnahmen: 

Bei einer Rede auf der Konferenz Strategischer Dialog in Brüssel, die vom Think-Tank Friends of the Earth veranstaltet wurde sagte Dirk Sterckx MdEP, der der Delegation des Europäischen Parlamentes für die Beziehungen mit der Volksrepublik China vorsitzt, dass eine neue Weltordnung im Verlauf des nächsten Jahrzehnts aufkommen werde.

In der Vergangenheit seien Reformen des Finanzsystems von erheblichen Konflikten, bzw. von Kriegen begleitet worden. Man wolle die neue Weltordnung in einer ordentlichen und friedlichen Weise erreichen sagte er. Er fuhr fort, dass die EU und China weitgehend auf der gleichen Ebene denken würden und es nur zu bestimmten Fragen verschiedene Meinungen gebe.  

Bates Gill, Direktor des Internationalen Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI) sagte, dass mehr Arbeit in Europa getan werden müsse, um das moderne China zu verstehen. Er warnte vor einer ‚Erwartungslücke’ die von einem überschwänglichen Optimismus über wie schnell der Wandel in China erreicht werden könne, geschaffen worden sei. Er sagte, dass die wachsende Einkommenskluft, Umweltprobleme und soziale Unruhen die Regierung in Beijing vor erhebliche lokale Herausforderungen stelle. Gill merkte auch an, dass China Europas Sicht des Multilateralismus auf der internationalen Bühne nicht teile. 

Jian Yuan, Vizepräsident des Chinesischen Instituts für Internationale Studien (CIIS) sagte, dass eine strenge Überprüfung der Reformen zu internationalen Institutionen die von China hervorgebracht wurden, das Potential zum Konsens über den Aufbau einer neuen Weltordnung zeige. 

James Moran, Direktor für Asien der Abteilung für Außenbeziehungen bei der Europäischen Kommission sagte, dass die Beziehungen zwischen der EU und China in den letzten fünf Jahren, durch die Steigerung des Tourismus, des Handels und des Studentenaustauschs ‚expandiert und vertieft’ worden seien.

Er beschrieb die Verschiebung des 11. EU-China Gipfels letztes Jahr als ‚Rückschlag’ merkte aber an, dass der Rhythmus des Gipfels, aufgrund der Unabhängigkeit zwischen den beiden Parteien schnell wiederhergestellt war. Moran sagte, er hoffe, dass die Beziehungen bis zum Zeitpunkt wo sich die Führer in Beijing Ende des Jahres treffen werden, wiederhergestellt sein werde. 

Fraser Cameron, ein hochrangiger Berater des Europäischen Institus für Asienstudien (EIAS) sagte, dass Europa die Führung darin übernehmen solle, die G8 abzuschaffen und die Art wie die IWF und Weltbank-Chefs ausgewählt werden, ändern müsse. 

Wang Yiwei von der Fujian Universität sagte, dass China und die EU eher in Zusammenarbeit als im Wettbewerb arbeiteten und China viel von Europas Wohlfahrtssystem lernen könne. Es gebe viele geteilte Werte zwischen China und der EU darin, wie man eine neu Weltordnung schaffen wolle, sagte er. 

In einer Erklärung, die vor dem Gipfel herausgegeben wurde, sagte der Kommissionspräsident José Manuel Barroso, dass man fortfahren werde den konstruktiven Dialog zu öffnen, was auf dem erfolgreichen Besuch des  Premier Wen in Brüssel Ende Januar aufbaue. Sowohl die EU, als auch China seien ihrer umfangreichen strategischen Partnerschaft verpflichtet. Zur gleichen Zeit sei China ein essentieller Partner wenn es um die Bestreben zum Kampf gegen den Klimawandel und die globale Wirtschafts- und Finanzkrise gehe.  

Die EU-Handelkommissarin Catherine Ashton sagte, dass eine offene und faire Umwelt für den Handel und Investitionen unerlässlich sei, wenn es darum gehe sich wieder von dieser Wirtschaftskrise zu erholen. Die Europäische Union und China betonten beim gemeinsamen hochrangigen Wirtschafts- und Handelsdialog vor weniger als zwei Wochen, dass man gemeinsam daran arbeite die Märkte offen zu halten und rasch einen Beschluss für die Doha Runde zu finden.

Die Brüsseler Lobbyorganisation BusinessEurope sagte, dass der Gipfel die Gelegenheit sein würde, den Marktzugang für europäische Unternehmen weiter zu verbessern und so dem weiter wachsenden und unnachhaltigen Handelsausgleich zwischen den beiden Märkten entgegenzuwirken.  Eine kritische Handelsbarriere bleibt der unzureichende Schutz der Rechte des geistigen Eigentums, so die Gruppe in einer Erklärung. 

Hintergrund : 

Der heutige (20. Mai 2009) EU-China Gipfel in Prag ist der erste, seit einem Gipfel der für den 1.Dezember 2008 geplant war und kurzfristig abfesagt wurde, nachdem sich der franzosische Präsident Nicolas Sarkozy sich auf einer Versammlung von Friedensnobelpreisträgern im polnischen Danzig mit dem Dalai Lama getroffen hatte (EurActiv vom 27. November 2008). 

Der chinesische Premierminister Wen Jiabao reiste Anfang des Jahres zu einer vertrauensbildenden Treffen nach Brüssel (EurActiv vom 2. Februar 2009) auf dem beschlossen wurde, dass der Gipfel wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden sollte. 

Chinas Rolle in der Weltpolitik ist in den letzten Jahren bedeutend gewachsen, wie auf dem Gipfeltreffen der G20 im April in London klar wurde, bei der die Entwicklung einer neuen globalen Finanzinfrastruktur die Tagesordnung dominierte. 

Eine der schwierigen Aufgaben für China ist es, seine wirtschaftliche Entwicklung mit der Senkung von CO2-Emissionen zu vereinbaren. Der chinesische EU-Botschafter Song Zhe sagte, dass China bereit sei, mit der EU zur Reduzierung der CO2-Ausgaben zusammen zu arbeiten (EurActiv vom 20. April 2009), aber das komplexe Thema bleibt weiterhin kontrovers. 

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