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Geteilte EU fordert Palästinenser zur Einigung auf [DE]

Veröffentlicht 26. Januar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die EU-Außenminister konnten sich gestern (25. Januar 2009) nicht darüber einig werden, ob sie Israel für übermäßigen Gewalteinsatz bei seinem letzten Einmarsch in den Gazastreifen verurteilen und welche Politik sie gegenüber der Hamas annehmen sollten.

Bei Diskussionen während eines Abendessens im Vorfeld eines zweitägigen Treffens forderten die Außenminister der 27 EU-Länder die Splittergruppen Palästinas dazu auf, sich zusammenzuschließen und dafür zu sorgen, dass der kürzlich ausgehandelte Waffenstillstand (EurActiv vom 19. Januar 2009) auf Dauer bestehen könne. Außerdem sollten sie die Vergabe humanitärer Hilfsgüter an die zivilen Opfer im Gazastreifen erleichtern.

Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, dessen Land derzeit die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft innehat, hob hervor, dass die EU der Ansicht sei, eine geeinte palästinensische Regierung unter Führung von Präsident Mahmoud Abbas sei für Fortschritte von grundlegender Bedeutung, und forderte, dass die Grenzübergänge in den Gazastreifen regelmäßig und vorhersehbar offen gehalten werden müssten.

Die Minister luden ihre Amtskollegen aus Ägypten, Jordanien, der Türkei und der Palästinensischen Autonomiebehörde dazu ein, an ihrem Treffen teilzunehmen. Ägypten spiele eine besonders wichtige Rolle, da es Druck auf die militanten Hamasanhänger ausüben könne, die im Gazastreifen vorherrschten, meinte ein Diplomat zu EurActiv.

Hamas ist bei der EU als terroristische Organisation gelistet, doch der schwedische Außenminister Carl Bildt, sein finnischer Kollege Alexander Stubb und selbst ihr französischer Amtskollege Bernard Kouchner seien der Meinung, dass die Hamas in Gespräche mit eingebunden werden müsse, wolle man Fortschritte erreichen, so ein Diplomat zu EurActiv, der hinzufügte, sein Land nehme diesbezüglich eine „neutralere“ Position ein.

Je mehr man unternehme, desto mehr müsse man mit der Hamas-Regierung im Gazastreifen zusammenarbeiten, meinte der Diplomat weiter.

Zudem ist sich die Union uneinig, ob sie Israel für seine Operation im Gazastreifen verurteilen soll, bei der 1 300 Menschen ums Leben kamen, die meisten von ihnen Zivilisten. Israel setzte Phosphorbomben ein, deren Einsatz in dicht besiedelten Gebieten verboten ist und bombardierte das Hauptquartier des UNO-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) in Gaza Stadt.

Irland, Belgien, Zypern, Griechenland und Schweden fordern eine internationale Untersuchung der angeblichen Verstöße gegen internationales Recht sowohl von Seiten Israels als auch der Terroristengruppe Hamas. Deutschland, Italien, die Niederlande und Rumänien zögerten jedoch, Israel unter Druck zu setzen, da sie befürchteten, dass damit die Bemühungen der EU, Tel Aviv zur Öffnung der Grenzübergänge in den Gazastreifen zu öffnen, sabotiert werden könnten, so Quellen aus Diplomatenkreisen, die in der israelischen Presse zitiert wurden. 

(Mit Informationen von Presseagenturen.)

Stellungnahmen: 

Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit sagte Reuters zufolge nach Gesprächen in Brüssel, er hoffe, dass am 28. Februar 2009 eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau in Palästina veranstaltet werden könne. Er fügte hinzu, dass der Ausrichtung der Konferenz eine Begutachtung der Schäden und eine Unterstützungserklärung der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und anderer vorausgehen müssten.

Abul Gheit sagte außerdem, er hoffe, dass eine geeinte palästinensische Regierung eingesetzt werden könne, um das zusammengebrachte Geld zu verwalten. 

Man müsse die Israelis zu Verhandlungen zwingen und von ihnen die Öffnung der Grenzen verlangen. Außerdem solle den Palästinensern die Möglichkeit, ein normales Leben führen zu können, gegeben werden, sagte er zu Journalisten. 

Oxfam, eine Vereinigung von NGO aus drei verschiedenen Kontinenten, die weltweit agiert, um gegen Armut und Ungerechtigkeit zu kämpfen, forderte die europäischen Außenminister auf, bei ihrem heutigen Treffen mit der israelischen Außenministerin Tzipi Livni auf die vollständige Öffnung der Grenzen des Gazastreifen zu bestehen, damit die von den 1,5 Millionen Menschen benötigten Hilfsgüter in den Gazastreifen gebracht werden könnten und die 19-monatige Blockade beendet werde. 

Hilfsorganisationen würden davon abgehalten, den Menschen im Gazastreifen die dringend benötigten Hilfsgüter in ausreichendem Maße zukommen zu lassen. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen würden an den Grenzen aufgehalten und am Weiterkommen gehindert, geht aus der Erklärung hervor.

Es würden sehr viele Hilfsgüter benötigt, diese müssten jedoch durch eine schmale Grenzöffnung gebracht werden. Der Wiederaufbau eines Gebietes mit der Einwohnerzahl Barcelonas müsste mit 120 Lkw-Hilfslieferungen pro Tag auskommen. Man benötige eine Autobahn für die Hilfslieferungen, keine Nebenstraße, mahnt Oxfam.

Die Organisation fügte hinzu, dass die EU-Minister alle Verhandlungspartner dazu drängen sollten, den Waffenstillstand einzuhalten und eine Rückkehr zur Gewalt zu vermeiden. 

Hintergrund : 

Im Juni letzten Jahres einigten sich Israel und die Hamas auf einen sechsmonatigen Waffenstillstand. Die unbeständige Ruhe wurde immer wieder von bewaffneten Gruppen im Gaza-Streifen, die Raketen auf die israelischen Siedlungen nahe der Grenze abfeuerten, unterbrochen. Israel reagierte darauf mit der regelmäßigen Unterbrechung von Lieferungen in den Gaza-Streifen und mit der Schließung aller Grenzübergänge. Im November und Anfang Dezember vermehrte die Hamas ihre Raketenangriffe und erklärte schließlich offiziell unilateral den Waffenstillstand für beendet. Daraufhin gaben die israelische Öffentlichkeit und die Regierung Verteidigungsminister Ehud Barak freie Hand, darauf zu reagieren.

Am Samstag (3. Januar 2009) startete Israel im Rahmen seiner Operation „Gegossenes Blei“, mit der am 27. Dezember 2008 begonnen wurde, einen Bodenangriff im Gazastreifen. Ziel war dabei die Zerstörung der Infrastruktur der Hamas, damit den Raketenangriffen palästinensischer Militanter auf israelische Grenzstädte ein Ende gesetzt werden konnte.

Bei der Militäroperation wurden mehr als 1 300 Palästinenser getötet, die meisten unter ihnen waren Zivilisten. Man geht davon aus, dass auch gut 300 Hamas-Kämpfer ums Leben kamen und dass die meisten Tunnel entlang der Grenze mit Ägypten zerstört wurden. Dreizehn Israelis, von denen zehn zum Militär gehörten, ließen ihr Leben bei den Kämpfen.

Der Zeitpunkt, zu dem Israel seine Operation durchführte, spricht für sich: Israel begann mit seinem Angriff in den letzten Tagen der Amtszeit George W. Bushs und beendete ihn kurz vor der Einführung Barack Obamas in sein neues Amt als US-Präsident.

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