EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Osteuropa politisch instabil [DE]

Veröffentlicht 17. Februar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Die globale Wirtschaftskrise und tief greifende interne Probleme, wie z.B. Korruption, bedingen eine wachsende politische Instabilität in Lettland, der Ukraine und Georgien. Probleme mit Moskau könnten einen weitereren Störfaktor in einer bereits schlechten Situation darstellen, erfuhr EurActiv von einem führenden Experten.

Dadurch, dass sie immer stärker von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise betroffen sind, verlieren die Ukraine, Georgien und Litauen immer mehr an politischer Stabilität, weil sie immer weiter in die Wirtschaftskrise absinken.

Am 13. Februar 2009, hat die ukrainische Regierung, unter der Premierministerin Yulia Tymoshenko, ein Misstrauensvotum im Parlament nur kanpp abwenden können. Ihre Situation wurde durch einen Machtkampf mit dem Präsidenten Viktor Yushenko, der einst ein starker Verbündeter war, weiter erschwert.

Eine Delegation des internationalen Währungsfonds, verließ Kiew letzte Woche ohne klare Aussagen zu machen, ob der ukrainischen Wirtschaft weitere Finanzhilfen gewährt werden. Der IWF revidiert momentan das Abkommen, das er mit der Ukraine getroffen hatte und ließ Kiew damit im Unklaren ob weitere Finanzhilfen, zur Rettung ihrer Wirtschaft gewährt werden. Wie AP berichtet, hat der ukrainische Finanzminister sein Amt am Donnerstag, nach Streitigkeiten mit der Premierministerin Tymoshenko, niedergelegt.

Außerdem wurde berichtet, dass der ukrainische Außenminister Vladimir Ohryzko die Botschaften des Landes dazu aufgefordert hatte, so intensiv wie möglich über die skrupelloseund unangemessene Vorgehensweise der Premierministerin zu berichten.

In Georgien machen viele Oppositionsmitglieder den Präsidenten Mikhail Saakashvili für die Probleme des Landes verantwortlich und rufen ihn zum Rücktritt (EurActiv vom 2. Februar 2009) auf.  In Lettland haben kürzlich Unruhen deutlich gemacht, wie schwer der Ostseestaat von der Wirtschaftskrise getroffen wurde. Die lettische Wirtschaft stehe vor einem Abgrund, sagte Neil Shearing von der Londoner Beratungsfirma Economic Capital der deutschen Welle.

Während die politische Instabilität in der Ukraine, Georgien und Lettland wächst, befragte EurActiv Experten über den Hintergrund der Entwicklungen und die  mögliche Rolle des Kremls in der aktuellen instabilen Situation.

Die Experten stimmten größtenteils in ihren Aussagen überein, dass die hauptsächliche Ursache der Hauptgrund für die große Instabilität die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Umstände der Länder seien. Hierzu gehöre das hohe Maß an Korruption und unkompetente Regierungen. Feindselige Einmischungen durch Russland seien nur ein sekundärer Faktor.

Zudem wurden die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage in Russland selbst und die Instabilität der russischen Gesellschaft, als ein Nachteil Moskaus angesprochen. Kürzlich warnte Thierry de Montbrial, Präsident des IFRI, dem französischen Institut für Internationale Beziehungen vor einem Szenario, bei dem fallende Ölpreise die russische Wirtschaft lahm legen würden (EurActiv vom 6. Februar 2009). 

Stellungnahmen: 

Nach Meinung von Fraser Cameron, dem  Vorsitzenden des EU-Russland Zentrums  in Brüssel, seien die Wirtschaftskrise, sowie die „massive Korruption“ in der Ukraine und Georgien die Hauptursachen für die sich verschlechternde Situation in diesen Länden.

Es sei keine Frage, dass Russland Einfluss auf die beiden Länder haben wolle, das  einzige  Druckmittel des Landes  sei allerdings die Energieversorgung. Diese könne aber nicht ungestraftals  Waffe eingesetzt werden, da es international gültige Regeln gebe, die dies verbieten,  sagte Cameron.

Der Vorsitzende des EU-Russland Zentrums gibt zu, dass Russland zwar sein Netzwerk aus der Sowjetzeit nutze, um seine Nachbarn zu beeinflussen, warnte aber vor der Annahme, dies sei  der einzige Faktor.

Es sei offensichtlich, dass Moskau Politiker einiger Länder bestochen habe, um Einfluss auf das  politische  Geschehen zu nehmen, sagte Cameron. Es sei allerdings schwierig, zu erkennen, wie viel Erfolg Russland damit gehabt habe.  Russlands Nachbarländer seien schwach, aber Russland habe selbst Probleme.

Die Wirtschaftskrise habe Russland hart getroffen und da die russische Gesellschaft sehr instabil sei, halte er die Möglichkeiten der Einflussnahme für beschränkt, sagte Cameron. Selbst Gazprom, versuche momentan verzweifelt Geld in London, Paris, New York und Frankfurt aufzutreiben, das es für Investitionen nutzen möchte.

Thomas Valasek, Vorsitzender der Bereiche Außen- und Verteidigungspolitik des Centre for European Reform in London, erklärte EurActiv gegenüber, dass man zuerst die Lage in Russland untersuchen  müsse, bevor man die Lage seiner Nachbarn zu verstehen versuche.

Er sehe kaum verdeckte russische Aktionen in Lettland. Die politische Szene in Lettland habe sich seit sechs bis sieben Jahren nicht verändert, obwohl es alle zwei Jahre Neuwahlen gebe. Die Bevölkerung sei frustriert, was neben der Wirtschaftskrise und dem dadurch bedingten Abfall des Lebensstandards, die Instabilität erkläre.  Damit habe Russland nichts zu tun.

In der Ukraine, betonte er, sei vor allem die schlechte Regierung und die Korruption Grund für die Situation.

Und wieder habe das nichts mit Russland zu tun. Russland sei eindeutig ein Faktor, so habe Juschtschenko, seine Rivalin Tymoschenko als russische Agentin beschuldigt und Janukowitsch habe sowohl Juschtschenkos, als auch Tymoschenkos unverantwortliche Russlandpolitik beklagt. Russland sei also eher ein politisches Mittel für die politischen Rivalen und weniger ein eigenständiger Akteur.

Georgien sei ein ganz anderer Fall, gab Valasek zu. Russland habe sich entschieden, an dem Land im Kaukasus ein Exempel zu statuieren, um zu demonstrieren, was geschehe, wenn man sich offen gegen Russland auflehne.

Der Krieg in Georgien habe Investoren vertrieben und viel zerstört. Außerdem habe der Krieg es für Georgien unmöglich gemacht, Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Russlands Handlungen seien also untrennbar mit der wirtschaftlichen Schieflage Georgiens verbunden, betonte Valasek.

Der Experte kam ebenso auf die Probleme zu sprechen, denen Russland im Rahmen der aktuellen Wirtschaftskrise gegenüberstehe. Einige Länder seien stärker als andere betroffen, fügte er hinzu, was daran gemessen werden könne, wie stark der nationale Börsenindex falle und wie stark die nationale Währung an Wert verliere. Beide Werte seien in Russland massiv eingebrochen.

Amanda Akcakoca, eine politische Expertin beim European Policy Centre, sagte EurActiv, dass sie es nicht als fair ansehe, Russland für all die Dinge zu beschuldigen, die in der Ukraine und Georgien falsch liefen.   „Klar, im Falle der Ukraine muss viel in Bezug auf die politische Situation getan werden“ erklärte Akcakoca und fügte hinzu, dass der interne politische Kampf zwischen Juschtschenko, Tymoschenko und Janukowytsch dem Interesse Russlands zu Gute komme.   „So präsentiert die Ukraine Russland die Möglichkeit zum Mitwirken auf der politischen Bühne auf einem Silbertablett“, stellte sie fest.  Im Falle von Georgien, merkte sie an, dass Saakaschwilli trotz der anders lautenden Medienberichte beliebter sei, als die Opposition, weil diese zersplittert sei.

Hintergrund : 

Unruhen, zu denen es im Januar in Lettland gekommen war, zeigten, wie schwer das Land von der Weltwirtschaftskrise betroffen ist (EurActiv vom 14. Januar 2009)

Jedoch kommt zu den Rezessionsängsten der Nachbarländer Russlands, die Sorge um politische Spannungen mit Moskau hinzu.

Moskaus Ablehnung des georgischen Präsident Micheil Saakaschwili ist weithin bekannt. In einer Unterhaltung zwischen Vladimir Putin und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, ging der russische Premierminister sogar so weit, zu sagen, er wolle Saakaschwilli hängen sehen. Ein Referent des französischen Präsidenten hatte das Gespräch mitgehört und es an die Presse weitergegeben.

Eine ähnliche Einstellung gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko wurde während der kürzlich erfolgten Gaskrise deutlich (EurActiv 14. Januar 2009).

Im Bezug auf Lettland, kritisierte Putin bei seinem letzten Treffen mit dem Präsidenten der europäische Kommission José Manuel Barroso das Land indirekt für sein Versagen, so genannten ‚Nicht-Bürgern’ (ethnisch russische Bewohner Lettlands), das Recht bei Kommunalwahlen zu wählen zu gewähren (EurActiv vom 9. Februar 2009). 

More in this section

Advertising