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22. November 2009
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Europäische Universitäten für Wettbewerbsfähigkeit ‚zu homogen’ [DE][en][fr

Erschienen: Montag 25. Februar 2008   

Ein Mangel an Autonomie und Vielfalt im europäischen Hochschulsystem behindere die Wettbewerbsfähigkeit und Qualität europäischer Universitäten und verleite Industrie und Wirtschaft in der EU dazu, Investitionen eher in Forschung und Entwicklung außerhalb der EU zu tätigen, als in der Union. Davor warnen Unternehmen und Universitäten.

Hintergrund:

Im Mai 2006 legte die Kommission eine MitteilungPdf external vor, die detaillierte Empfehlungen enthielt, wie das Hochschulsystem in Europa modernisiert werden könnte. Mit dem umstrittensten Vorschlag fordert der Bericht die Mitgliedstaaten auf, den Universitäten mehr Autonomie und Verantwortlichkeit zu verleihen. Darüber hinaus wurden die Regierungen angespornt, ihre Universitäten gegenüber der Wirtschaft zu öffnen.

Im Juli 2007 rief die Kommission für den Entwurf von Empfehlungen zum Thema auch eine weitreichende Konsultationexternal ins Leben. Sie betraf die Frage, wie die Schulbildung in den Mitgliedstaaten modernisiert werden könnte. Die Themen reichten von der Modernisierung der Lehrpläne über die Förderung des lebenslangen Lernens bis hin zur Rolle von Lehrern in einer sich schnell verändernden Unterrichtsumgebung.

Bisher haben französische Pläne, die EU-Vorschläge zur Hochschulreform umzusetzen – vor allem zur größeren Unabhängigkeit von Universitäten in Fragen der Lehre und der externen Finanzierung – vor allem Widerstand aus Reihen der Studenten, des Universitätspersonals und der französischen Forschervereinigung auf sich gezogen. Sie alle befürchten, dass der Rückzug des Staates zu einem übermäßigen Einfluss des Privatsektors auf die Lehrpläne an Hochschulen und zur ungleichen Entwicklung von Universitäten führen könnte (siehe EurActiv vom 8.November 2007).

Weitere Nachrichten:

Beim europäischen Wirtschaftsgipfel 2008 waren sich am 22. Februar 2008 die Vertreter von Hochschulen und der Wirtschaft einig, dass das europäische Hochschulsystem eine schnelle, weitreichende Veränderung benötige, um am weltweiten Wettbewerb um die klügsten Köpfe, um Gelder und um Reputation teilhaben zu können.

Laut den Gipfelteilnehmern schlössen weitere Gründe für die geringe europäische Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf die weltweiten Hochschulsysteme die chronische Unterfinanzierung, die übermäßige Regulierung von Führungsstrukturen der Universitäten, die mangelnde Autonomie und eine isolationistische Einstellung ein, die eine Zusammenarbeit zwischen Universitäten und anderen gesellschaftlichen Akteuren wie Industrie und Wirtschaft verhindere.

Die Schaffung zukunftsfähiger Partnerschaften zwischen Universitäten und Unternehmen sei einer der Wege nach vorn, der zur Überwindung der Probleme bestimmt wurde. Dafür ist jedoch eine größere Autonomie der Universitäten notwendig, um sowohl externe Finanzierungsquellen und deren Verwaltung anzustreben, als auch über die Lehre und äußere Partnerschaften zu entscheiden.  

Die Redner waren sich auch einig, dass es nicht nur um Partnerschaften zwischen Unternehmern und den Universitäten gehe, sondern auch um die Notwendigkeit, eine Schnittstelle zwischen Industrie, Unternehmen sowie Primär- und Sekundärbildung herzustellen.

Sie fügten hinzu, dass der Einbezug von Unternehmen zu einem früheren Zeitpunkt in das Bildungssystem die besorgniserregend hohen Zahlen früher Bildungsabbrecher reduzieren sowie das Interesse an wissenschaftlicher Bildung steigern könne, indem Schüler und Studenten in Kontakt mit dem ‚echten Leben’ kämen und sehen könnten, wozu ihnen beispielsweise Mathematik im weiteren Leben dienen könne.

Unterdessen erhielt Kommissionspräsident José Manuel Barroso während einer Begleitveranstaltung des Europäischen Wirtschaftsgipfels ein Buch, das ein Beispiel für eine erfolgreiche gemeinsame Unternehmungexternal - eine Zusammenarbeit zwischen 30 Unternehmen und 147 Vorschulen in den Niederlanden - enthält (EurActiv vom 17. März 2006).

Das Projekt namens Jugend- und Technologienetzwerk Niederlande (Jet-Net) unterstützt seit fünf Jahre Schulen dabei, ihre naturwissenschaftlichen Stundenpläne attraktiver zu gestalten, indem eine Bandbreite an Aktivitäten genutzt wird. Durch das Projekt können Schüler ein besseres Verständnis von ihren künftigen Karrierechancen in den Bereichen Industrie und Technologie gewinnen.

Positionen:

Ján Figel’, Kommissar für Bildung, sagte: „Unternehmen müssen an Bildung Interesse finden – von Grundschulbildung bis hin zu lebenslangem Lernen. Schulen und Universitäten müssen sich hingegen für das Wissen und den Einfluss von Unternehmen öffnen.“ Er fügte hinzu, dass „die klassische Isolation von Hochschuleinrichtungen nicht die Antwort auf die heutigen Herausforderungen im Bereich Innovationen ist“.

Dr. Craig Barrett, Vorstandsvorsitzender bei Intel, sagte, er wolle mehrere europäische Institute für Innovation und Technologie in Europa sehen. Europa benötige „stärkeren Wettbewerb zwischen Hochschuleinrichtungen, Studenten und Ländern sowie enge Verbindungen mit Wirtschaftszweigen“. Der Mangel an Wettbewerb zwischen europäischen Universitäten sei im Allgemeinen der Qualität der Hochschulbildung abträglich.

Professor Frans van Vught, Vorstandsmitglied des Europäischen Universitätsverbands (EUA), sagte, dass der Wettbewerb zwischen Universitäten um die klügsten Köpfe, Finanzierung und Reputation heutzutage auf weltweiter Ebene stattfinde. Europäische Universitäten hätten nicht die finanziellen Mittel, um diesen Wettbewerb zu gewinnen.

Laut Professor van Vught gebe es vier Gründe für die geringe Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Universitäten. „Zunächst gibt es ein historisches Problem der Unterfinanzierung. Die USA geben 100% mehr für Hochschulbildung aus. Zudem sind etwa 4 000 US-amerikanische Hochschulen um einiges vielfältiger als 4 000 europäische Einrichtungen, die sehr homogen sind.“ Zu den weiteren Gründen, die van Vught nannte, zählen stark regulierte Führungsstrukturen, welche die Autonomie der Hochschuleinrichtungen begrenzten, ebenso wie ein altmodische Einstellung, laut der Universitäten vor Kirche, Staat und gesellschaftlichen Einfluss geschützt werden müssten.

„Universitäten brauchen zukunftsfähige Partnerschaften mit der Wirtschaft, um diese Probleme lösen zu können“, sagte van Vught. Er gestand jedoch ein, um diese Partnerschaften zu realisieren, müssten die Universitäten den Unternehmen zeigen, dass sie etwas hätten, das für die Firmen von Interesse sei. Wenn sich Universitäten gegenüber Unternehmen gut verkaufen wollten, „muss das, wir verkaufen, von Nutzen für unsere Kunden sein“, sagte van Vught. Er bemerkte ebenfalls, dass die Unternehmen und Industrien in der EU stärker in Forschung und Entwicklung außerhalb der EU investierten, als innerhalb der Union.

„Unternehmen sollen an die Universitäten kommen dürfen. Dann gibt es keinen Grund mehr, warum die EU nicht wettbewerbsfähig sein sollte“, sagte Professor Jan-Eric Sundgren, Vizepräsident bei Volvo. Er betonte jedoch, dass diese Einstellung nicht über Nacht geändert werden könne. „Dies wird  einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Sundgren betonte weiter, dass es nicht nur Sache der Universitäten sei, mit Unternehmen zu kooperieren. Auch die Grundschul- und Sekundarausbildung benötigten eine Schnittstelle für eine Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schulen. „Der European Roundtable of Industrialists hat sich stark bemüht, eine Schnittstelle zwischen Schulen und Unternehmen zu schaffen – auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene“, sagte er. Er fügte hinzu, Lehrer spielten eine besonders wichtige Rolle, um diese Schnittstelle zu schaffen.

„Kinder in Schulen brauchen den Kontakt mit der echten Welt. Unternehmen können uns dabei helfen“, stimmte Signhild Arnegård Hansen, Präsidentin der Vereinigung schwedischer Unternehmen, zu. „Das Bildungssystem ist der Hauptlieferant von Arbeitnehmern für Unternehmen und dies sollte im System betont werden“, sagte sie. Sie forderte auch eine Verlagerung von einer einfachen Bildung der Massen hin zur Investition in Menschen selbst durch die Erziehung von hohen Fähigkeiten und wettbewerbsfähigen Individuen. „Der Fokus muss von der Quantität zur Qualität verlagert werden“, unterstrich sie. 

„Wir müssen sowohl Talente in Europa halten als auch hoch qualifizierte Menschen anziehen, die vielleicht Arbeitsplätze schaffen werden“, sagte Sergio Giacoletto, der geschäftsführende Vizepräsident von Oracle EMEA. Wenn in der Vergangenheit Arbeitsplätze in der Computerbranche nach Indien und China verlagert worden seien, weil es dort günstigere Arbeitskräfte gegeben habe, befänden sich dort diese Arbeitsplätze mittlerweile aufgrund der „Quantität und Qualität der Qualifikationen“, sagte er.

Um den Kommentar von Sergio Giacoletto über die Modernisierung der Universitäten und die Zukunft des Wissens- und Technologietransfers zwischen der wirtschaftlichen und der akademischen Welt zu lesen, klicken Sie bitte hierexternal

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