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Kann der Aktionsplan für mehr Energieeffizienz den Verbrauch senken? [DE]

Veröffentlicht 19. Oktober 2006 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Der Aktionsplan für mehr Energieeffizienz, der am 19. Oktober 2006 angenommen werden soll, sieht über 75 unterschiedliche Maßnahmen vor, die den Energieverbrauch in der EU bis 2020 um 20% reduzieren sollen. Mehrere Energieexperten geben jedoch zu bedenken, dass größere Effizienz nicht automatisch zu geringerem Verbrauch führt.

Obwohl Energieeffizienz in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde, bestehen weiterhin Zweifel an der Effektivität bestimmter Politiken.

Einige Energieökonomen stellen in Frage, ob Maßnahmen zur gesteigerten Energieeffizienz im makroökonomischen Maßstab zu Energieeinsparungen führen. Aufbauend auf der Theorie von Stanley Jevons, der im 19. Jahrhundert ein anerkannter Ökonom war, blicken sie auf den „Rebound-Effekt“ (Rückschlag-Effekt) von effizienzsteigernden Energiepolitiken. Dieser Effekt tritt ein, wenn die Einsparungen durch höheren Konsum der Verbraucher zunichte gemacht werden. Ein Beispiel: Eine Familie, die im Laufe eines Jahres große Einsparungen durch die gesteigerte Energieeffizienz gemacht hat, entscheidet sich am Ende des Jahres dafür, ein neues Auto zu kaufen. Aus einer makroökonomischen Perspektive ist daher fraglich, ob diese Maßnahmen dazu beigetragen haben, den Energieverbrauch zu senken.

Ein Bericht  des Wissenschafts- und Technologieausschusses des britischen House of Lords aus dem Jahr 2005, der als Folge des Grünbuches in Auftrag gegeben wurde, weist auf diesen Effekt hin. In akademischen Kreisen nennt man dieses Phänomen auch das „Khazzoom-Brookes-Postulat“.

Stellungnahmen: 

Eine Studie  der Internationalen Energieagentur aus dem Jahr 2005 analysiert die Kritik und kommt zu dem Schluss, dass „Analysten, die die Befürchtung haben, dass der „Rebound-Effekt“ einen Teil der Einsparungen durch Effizienzverbesserungen zunichte machen könnte, ein Argument haben. Einige Verbraucher und Unternehmen werden im Takt mit den sinkenden Kosten ihren Energieverbrauch steigern. Jedoch scheinen empirische Erkenntnisse darauf hinzuweisen, dass die Auswirkungen des „Rebound-Effekts“ nur gering sein werden. Das genaue Ausmaß hängt vom Standort, der Branche und dem Endverbrauch ab.“

Obgleich die meisten Experten die Existenz des „Rebound-Effekts“ nicht bestreiten, wird die Debatte über die Bedeutung des Effektes fortgesetzt. Das britische Energy Research Centre (UKERC) führt derzeit eine Studie über das Ausmaß und die Bedeutung des „Rebound-Effekts“ für Energieeffizienz-Maßnahmen durch. 

Kommissionsbeamte, die mit den Vorbereitungen des Aktionsplans befasst sind, haben EurActiv gegenüber geäußert, dass sie das mögliche Ausmaß des „Rebound-Effekts“ auf ungefähr 20% schätzen.

Nächste Schritte: 
  • Energiekommissar Piebalgs legt am 19. Oktober 2006 den Aktionsplan für mehr Energieeffizienz vor.

  • EurActiv begrüßt seine Leser mit Kommentaren und Positionspapieren zu der Diskussion beizutragen und wird noch diese Woche über den Aktionsplan und die ersten Reaktionen berichten.

Hintergrund : 

Der für Energiefragen zuständige Kommissar Andris Piebalgs wird am 19. Oktober den lang erwarteten Aktionsplan für mehr Energieeffizienz vorlegen. Der Plan umfasst unter anderem einen Katalog mit EU-weit geltenden Maßnahmen, um den Energieverbrauch in den Mitgliedstaaten effizienter zu machen. Der Aktionsplan folgt dem Grünbuch von 2005, das eine Anhörung unter Stakeholdern eingeleitet hat über Politikinitiativen, um das Ziel, bis 2020 den Energieverbrauch in der EU um 20% zu senken, zu erreichen.

Energieeffizienz ist eine der Lösungsansätze der Kommission (und der Mitgliedstaaten), um die zweifache Herausforderung der Klimaerwärmung und der zunehmenden Abhängigkeit von Erdöl und –gas aus dem Mittleren Osten und Russland anzugehen. In den USA steht Energieeffizienz nicht auf der Tagesordnung, da die US-Bürger Unwillens scheinen, ihren „Energiehunger“ zu begrenzen.

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