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Bringt das Energie-Grünbuch neue Impulse? [DE][en][fr

Erschienen: Montag 6. März 2006   

Am 8. März wird EU-Kommissar Piebalgs das neue Grünbuch über die EU-Energiepolitik vorstellen. In ihm wird es vor allem um die Frage gehen, wie die EU angesichts der Herausforderungen in Sachen Versorgungssicherheit und Klimaschutz einen gemeinsamen Ansatz entwickeln kann.

Hintergrund:

Hohe Ölpreise, Europas Abhängigkeit von den OPEC-Ländern und Russland, neue Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe und die Notwendigkeit neuer Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen haben die Debatte über eine gemeinsame EU-Energiepolitik neu aufleben lassen.  

Bereits im November 2000 stellte die Kommission ein Grünbuch über die Sicherheit der Energieversorgung vor. Im Mittelpunkt stand die Diversifizierung der Energiequellen angesichts der großen Abhängigkeit von russischem Erdgas und von Erdöl aus dem Nahen Osten. Das Grünbuch hat zu neuen Gesetzesinitiativen zum Einsatz erneuerbarer Energien und zur Energieeffizienz geführt. Die Kommission hat ihre Bemühungen zur Verbesserung der Funktionsweise des Energiebinnenmarkts durch eine Liberalisierung der Elektrizitäts- und Gassektoren fortgesetzt.

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Mit dem Grünbuch über eine „sichere, wettbewerbsfähige und nachhaltige Energiepolitik für Europa“ soll die Integration und Zusammenarbeit im Energiebereich vorangetrieben werden. 

In einem Entwurf, den EurActiv eingesehen hat, werden fünf Hauptziele identifiziert: 

  • In strategischen Energiefragen soll die EU künftig „mit einer Stimme“ sprechen;
  • der Mix aus primären Energieressourcen soll diversifiziert werden;
  • die EU soll die energieeffizienteste Region der Welt werden;
  • die EU soll in den Bereichen Forschung zu Technologien mit niedrigem CO2-Ausstoß und Entwicklung Spitzenreiter werden;
  • Vollendung des Energiebinnenmarkts bis 2007.

Das Dokument schlägt sechs Schwerpunktbereiche vor, die der europäischen Energiepolitik neue Impulse geben sollen: 

  • Eine gemeinsame europäische Politik gegenüber Drittstaaten im Bereich Versorgungssicherheit, Einrichtung einer hochrangigen strategischen Gruppe zur Energiepolitik, und Verbesserung des EU-Energiedialogs (unter anderem mit OPEC und Russland); das Grünbuch schlägt außerdem eine jährliche Mitteilung der Kommission über die Versorgungssicherheit und die Schaffung einer Energiegemeinschaft vor, die eine größere Zahl europäischer Länder umfassen soll;
  • eine gemeinsame Innenpolitik zur Versorgungssicherheit, wozu auch die Einrichtung eines Europäischen Energieversorgungsobservatoriums (zur Identifizierung von Engpässen bei Infrastruktur und Versorgung) und eines Europäischen Zentrums für Energienetze (zur Koordinierung und Verbesserung der Übertragungssysteme) gehören sollen;
  • stärkere Nutzung sauberer und inneneuropäischer Energiequellen und neue Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energieträger;
  • ein Strategie-Plan für saubere Energietechnologien;
  • Vollendung der europäischen Energie- und Gasbinnenmärkte bis 2007 und Ausarbeitung einer Strategie für den Energiebinnenmarkt und Ideen zur Entwicklung eines einheitlichen europäischen Energienetzes. 

Fraglich ist jedoch, inwieweit die Mitgliedstaaten bereit sein werden, ihre Energiepolitik zu ‚europäisieren’. Wie kürzlich an den Übernahmeversuchen und Fusionsplänen von Gaz de France/Suez und Endesa/E-ON deutlich wurde, sind viele Regierungen protektionistisch eingestellt und geben Teile ihrer Souveränität nur widerwillig – wenn überhaupt – an die EU ab. 

Parallel zum Grünbuch arbeitet eine für Energiefragen zuständige Arbeitsgruppe des Rates derzeit an einem eigenen Beitrag zum Thema Energiepolitik ("New Energy PolicyPdf external "), in dem es vorrangig um die Versorgungssicherheit geht, aber nur wenige neue Maßnahmen vorgeschlagen werden.

 

Positionen:

In einer am 3. März veröffentlichten Pressemitteilung äußert sich Greenpeace enttäuscht über das neue Grünbuch, das der Umweltorganisation nicht "grün" genug ist: „Der Kommission ist es nicht gelungen, wesentliche und fundamentale Fragen bezüglich der Zukunft der EU-Energiepolitik vorzubringen“. So werde beispielsweise nicht infragegestellt, wie vernünftig es sei, dass es in der EU-25 riesige Kraftwerke für Atomkraft und fossile Brennstoffe gebe. Außerdem beinhalte das Grünbuch nichts dazu, wie der Einsatz erneuerbarer Energieträger und die Förderung der Energieeffizienz bindend gemacht werden können. 

Darüber hinaus äußert sich die Umweltorganisation zu dem Vorschlag der Kommission, die Debatte über die Zukunft der Atomkraft neu aufzunehmen. Greenpeace ist der Meinung, dass diese Debatte längst hätte beendet werden müssen, und verweist auf eine Eurobarometer-UmfragePdf external , aus der hervorging, dass lediglich 12 % der Europäer die Kernkraft befürworten. 

Das von Greenpeace entwickelte 'Szenario einer Energierevolution' zeige, dass Europa aus der Atomkraft aussteigen und  die CO2-Emissionen bis 2020 gleichzeitig um 30 % verringern könne. Bis 2050 könnte die Hälfte des Energiebedarfs Europas aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden und die CO2-Emissionen könnten um knapp 75 % sinken.

Nächste Schritte:

  • Die Kommission wird das neue Grünbuch über die Energiepolitik am 8. März 2006 annehmen. 
  • Am 14. März wird sich der Rat als Teil seiner Vorbereitungen auf den EU-Frühjahrsgipfel mit dem Grünbuch befassen
  • 23. und 24. März 2006: EU-Frühjahrsgipfel, auf dem die Staats- und Regierungschefs über das Grünbuch und die Zukunft der EU-Energiepolitik beraten werden
  • Das Grünbuch wird einen Konsultationsprozess  anstoßen, auf dessen Grundlage ein Weißbuch mit konkreten Gesetzesinitiativen ausgearbeitet werden könnte.

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