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Am 8. März wird EU-Kommissar Piebalgs das neue Grünbuch über die EU-Energiepolitik vorstellen. In ihm wird es vor allem um die Frage gehen, wie die EU angesichts der Herausforderungen in Sachen Versorgungssicherheit und Klimaschutz einen gemeinsamen Ansatz entwickeln kann.
Hohe Ölpreise, Europas Abhängigkeit von den OPEC-Ländern und Russland, neue Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe und die Notwendigkeit neuer Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen haben die Debatte über eine gemeinsame EU-Energiepolitik neu aufleben lassen.
Bereits im November 2000 stellte die Kommission ein Grünbuch über die Sicherheit der Energieversorgung vor. Im Mittelpunkt stand die Diversifizierung der Energiequellen angesichts der großen Abhängigkeit von russischem Erdgas und von Erdöl aus dem Nahen Osten. Das Grünbuch hat zu neuen Gesetzesinitiativen zum Einsatz erneuerbarer Energien und zur Energieeffizienz geführt. Die Kommission hat ihre Bemühungen zur Verbesserung der Funktionsweise des Energiebinnenmarkts durch eine Liberalisierung der Elektrizitäts- und Gassektoren fortgesetzt.
Mit dem Grünbuch über eine „sichere, wettbewerbsfähige und nachhaltige Energiepolitik für Europa“ soll die Integration und Zusammenarbeit im Energiebereich vorangetrieben werden.
In einem Entwurf, den EurActiv eingesehen hat, werden fünf Hauptziele identifiziert:
Das Dokument schlägt sechs Schwerpunktbereiche vor, die der europäischen Energiepolitik neue Impulse geben sollen:
Fraglich ist jedoch, inwieweit die Mitgliedstaaten bereit sein werden, ihre Energiepolitik zu ‚europäisieren’. Wie kürzlich an den Übernahmeversuchen und Fusionsplänen von Gaz de France/Suez und Endesa/E-ON deutlich wurde, sind viele Regierungen protektionistisch eingestellt und geben Teile ihrer Souveränität nur widerwillig – wenn überhaupt – an die EU ab.
Parallel zum Grünbuch arbeitet eine für Energiefragen zuständige Arbeitsgruppe des Rates derzeit an einem eigenen Beitrag zum Thema Energiepolitik ("New Energy Policy
"), in dem es vorrangig um die Versorgungssicherheit geht, aber nur wenige neue Maßnahmen vorgeschlagen werden.
In einer am 3. März veröffentlichten Pressemitteilung äußert sich Greenpeace enttäuscht über das neue Grünbuch, das der Umweltorganisation nicht "grün" genug ist: „Der Kommission ist es nicht gelungen, wesentliche und fundamentale Fragen bezüglich der Zukunft der EU-Energiepolitik vorzubringen“. So werde beispielsweise nicht infragegestellt, wie vernünftig es sei, dass es in der EU-25 riesige Kraftwerke für Atomkraft und fossile Brennstoffe gebe. Außerdem beinhalte das Grünbuch nichts dazu, wie der Einsatz erneuerbarer Energieträger und die Förderung der Energieeffizienz bindend gemacht werden können.
Darüber hinaus äußert sich die Umweltorganisation zu dem Vorschlag der Kommission, die Debatte über die Zukunft der Atomkraft neu aufzunehmen. Greenpeace ist der Meinung, dass diese Debatte längst hätte beendet werden müssen, und verweist auf eine Eurobarometer-Umfrage
, aus der hervorging, dass lediglich 12 % der Europäer die Kernkraft befürworten.
Das von Greenpeace entwickelte 'Szenario einer Energierevolution' zeige, dass Europa aus der Atomkraft aussteigen und die CO2-Emissionen bis 2020 gleichzeitig um 30 % verringern könne. Bis 2050 könnte die Hälfte des Energiebedarfs Europas aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden und die CO2-Emissionen könnten um knapp 75 % sinken.