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3. Dezember 2008
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Bulgarien baut zweites Kernkraftwerk [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 3. September 2008   

Der Baubeginn eines zweiten bulgarischen Kernkraftwerkes in Belene könnte dem Land helfen, seine strategische Stellung als Energielieferant für die Länder in Südosteuropa wiederzuerlangen, schreibt der bulgarische EurActiv-Partner Dnevnik.   

Hintergrund:

Zurzeit gibt es weltweit über 400 Atomkraftwerke, die etwa 17% des weltweiten Energiebedarfs produzieren, 197 davon stehen in Europa. 2005 wurden 35% des Energiebedarfs in der EU durch Atomstrom gedeckt. Angeführt wird die Liste von Frankreich mit einem Anteil von 78,5%, gefolgt von Litauen mit 70%, Belgien und der Slowakei mit jeweils 56% und Schweden mit 46,7%.

Die Entwicklung von Atomkraft in den fünfziger Jahren sah zunächst viel versprechend aus. Doch die Begeisterung ebbte im Laufe der Jahre ab und nach den Unglücken in den Kraftwerken Three Mile Island (1979) und Tschernobyl (1986) kamen erste Gegenstimmen auf, die die Technologie ablehnten.

In letzter Zeit hat die atomare Stromgewinnung jedoch wieder an Popularität gewonnen. Sie wird als Möglichkeit gesehen, die CO2-Emissionen zu mindern, unabhängiger von Öl und Gas zu werden und die Kosten für die Energiegewinnung zu senken. Die Kommission hat außerdem ihre Bereitschaft signalisiert, von ihrem traditionellen agnostischen Standpunkt zu diesem Thema abrücken zu wollen und eine pro-nukleare Position einzunehmen.

Bulgarien ist seit den 80er Jahren in hohem Maße auf Atomstrom angewiesen. Zu der Zeit war das von der Sowjet-Regierung gebaute Atomkraftwerk Kosloduj in Betrieb genommen worden. Auf Druck der EU während der Beitrittsverhandlungen hatte das Land sich allerdings bereit erklärt, vier Reaktoren des Kraftwerks zu schließen – eine Verpflichtung, der Bulgarien noch nachzukommen hat und für die es nach wie vor eine Entschädigung von der EU verlangt ( EurActiv vom 22/04/08 ). Vor der Schließung der Reaktoren vier und fünf produzierte Kosloduj 44% der bulgarischen Elektrizität, wovon 20% exportiert wurden. Bulgarien konnte dadurch eine strategische Stellung in der Region einnehmen, die das Land nun verloren hat.

Vor diesem Hintergrund wurde das Belene-Projekt zur Priorität erklärt.

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Weitere Nachrichten:

Nach jahrelangen Rückschlägen tat der bulgarische Ministerpräsident Sergej Stanischew am 3. September 2008 den ersten Spatenstich zum 2000 Megawatt-Kraftwerk Belene.

Der bulgarische Energieminister Peter Dimitrov bezeichnete die zukünftige Anlage als eins der wichtigsten Projekte in der gesamten Europäischen Union.

Das neue Kraftwerk, das erst das zweite in Bulgarien ist und mit dessen Bau 20 Jahre nach dem Bau des ersten in Kosloduj begonnen wird, wird voraussichtlich 2013-2014 in Betrieb genommen werden und etwa 4 Mrd. Euro kosten. Man geht allerdings davon aus, dass mit Inbetriebnahme des Kraftwerks die Strompreise sinken werden, da die Kosten für die Produktion von 1 KW Strom im Belene-Kraftwerk gerade einmal 0,037 Euro betragen werden.

Das Projekt wurde lange Zeit von der Europäischen Kommission unterstützt. Sie sieht die atomare Stromgewinnung als Schlüsseltechnologie in ihren Bemühungen, ein EU-Energiesystem mit niedrigem Kohlenstoffausstoß zu entwickeln (EurActiv vom 15/10/07). 

Das neue bulgarische Atomkraftwerk wird zwei VVER-1000/V-446B Reaktoren der dritten Generation nach russischer Bauart umfassen. Hauptauftragnehmer (51%) wird die russische Atomstroyexport sein und mit der französischen Areva SA und der deutschen Siemens AG als Subunternehmer zusammenarbeiten. 

Für die restlichen 49% sucht die staatseigene National Electric Company (NEC) einen europäischen Partner. In der engeren Wahl sind der deutsche Energiegroßkonzern RWE AG und der belgische Energieversorger Electrabel, das ebenfalls zusammen mit einem Konsortium den Zuschlag erhalten könnte. Darüber hinaus hat NEC die französische Bank BNP Paribas als primären Geldgeber und Leiter des Projektes bestimmt.

Obgleich Minister Dimitrov vor kurzem angab, seine Regierung bevorzuge eine Finanzierung des Projektes durch europäische Banken, fügte er hinzu, dass er nicht ausschließe, auf das Angebot Russlands zurückzugreifen, die sich bereit erklärt hatten, ein Darlehen aus dem Staatshaushalt für das Belene-Projekt zur Verfügung zu stellen.

Kritiker des Projektes meinen, es verstärke die Abhängigkeit des Landes im Energiebereich von Russland. Die bulgarische Regierung sagt hingegen, die weltweite Energiefrage mache das Projekt zu einer Notwendigkeit. Bulgarien hofft außerdem, wieder einer der Hauptexporteure für Energie auf dem Balkan zu werden. Nach der Abschaltung der Reaktoren vier und fünf des Kosloduj-Kraftwerkes am 31. Dezember 2006 war es zu erheblichen Engpässen bei der Energieversorgung gekommen.

Als Reaktion auf Kritik von Umweltaktivisten, die behaupten, Belene befinde sich in einem Erdbebengebiet, erklärte die Bulgarian Academy of Sciences (Bulgarische Akademie der Wissenschaften), der Standort des Kraftwerkes und die Zone von 30km um das Kraftwerk herum gehörten zu den seismologisch sichersten Gegenden des Landes.

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