In den nächsten zehn Jahren werde sich die aus erneuerbaren Energiequellen produzierte Strommenge verdreifachen, so eine Studie, die Zukunftsprognosen für die Branche aufstellt und gestern (28. Januar 2009) vom Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) und der Agentur für Erneuerbare Energien vorgelegt wurde.
Vertreter der Branche sagen, dass erneuerbare Energien die Stromversorgung selbst zur Zeit der höchsten Nachfrage sicherstellen könnten. Dadurch könnte Deutschland auf den Import zusätzlichen Erdgases verzichten und den Erdgasverbrauch für die Stromerzeugung sogar um bis zu zwölf Prozent senken. So könnte das Land allein im Jahr 2020 22,6 Milliarden Euro einsparen, geht aus der Studie hervor.
Darüber hinaus werde die Förderung der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energiequellen positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, heißt es in der Studie. Es wird geschätzt, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland bis 2020 auf 500 000 verdoppeln werde. Gleichzeitig könne das Land mehrere Millionen Euro bei den Ausgaben für die Beseitigung von Klimaschäden einsparen. Die gesamten Einsparungen, die durch eine umfassendere Nutzung erneuerbarer Energien erzielt werden könnten, würden so die Investitionen, die notwendig seien, um die zusätzlichen Produktionskapazitäten zu schaffen, bei Weitem übersteigen, wird in dem Bericht geschlussfolgert.
Nichtsdestotrotz seien weitere Fortschritte von grundlegender Bedeutung, damit Deutschland sein 18%-Ziel für erneuerbare Energien erreichen könne. Dieses Ziel hat die EU im Rahmen einer gemeinsamen Verpflichtung, den Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix der Union bis 2020 auf 20% zu steigern, festgelegt (siehe EurActivs LinksDossier).
Die Branche für erneuerbare Energien stellt sich außerdem als Alternative zur Atomenergie dar und meint, die Ausweitung der Produktionskapazitäten werde die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken überflüssig machen. BBE-Präsident Dietmar Schütz warnte deshalb, dass Deutschland automatisch seine rechtsverbindlichen Verpflichtungen im Bereich der erneuerbaren Energien verletzen und die Investitionssicherheit in der Branche gefährden werde, wenn es von seiner Entscheidung, auf Atomenergie zu verzichten, abweichen werde.
Die deutschen Energieunternehmen haben versucht, die Politiker davon zu überzeugen, die geplante 15-jährige Auslaufphase für bestehende Atomkraftwerke auszusetzen (EurActiv vom 27. August 2008). Diese Forderungen scheinen angesichts des jüngsten Gaskonflikts zwischen der Ukraine und Russland, der Europa die Gefahr von Lieferunterbrechungen vor Augen führte, sollte es bei seiner Stromerzeugung weiterhin auf russisches Gas angewiesen sein, in der gesamten Bevölkerung Anklang zu finden.
Die konservativen Christdemokraten (CDU), die Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sind für die Beibehaltung der Atomenergie-Kapazitäten Deutschlands. Sollten sie bei den Bundestagswahlen im September 2009 mit einer ausreichend großen Mehrheit gewinnen, könnte das Land entscheiden, die Stilllegung einiger Atomkraftwerke zu stoppen.



