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Die deutschen Energieriesen RWE, E.ON und Vattenfall versuchen die Politiker in Berlin davon zu überzeugen, von der geplanten Abschaltung der bestehenden Atomreaktoren in Deutschland im Laufe der nächsten 15 Jahre Abstand zu nehmen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.
Die Unternehmen schlagen ein Modell vor, in dem die Gewinne aus dem Verkauf von Atomenergie in Forschung für saubere Energie fließen oder die steigenden Energiekosten für die deutschen Haushalte abmildern würden, berichtete die Financial Times am 25. August.
Da die meisten deutschen Atomkraftwerke bereits abgeschrieben oder abbezahlt seien, sei die Erzeugung von Elektrizität in Atomkraftwerken vor allem mit Blick auf die derzeit hohen Ölpreise relativ günstig. Würde die Betriebsdauer der bestehenden Kraftwerke um 25 Jahre verlängert, könnten Gewinne von umgerechnet 3.000 Euro pro Bürger in Deutschland erwirtschaftet werden, erklärte RWE in einer Pressemitteilung vom 30. Juni.
Bürger und Politiker hätten fortlaufend gefragt, was man mit den zusätzlichen Gewinnen vorhabe, erzählte Gerd Jäger, der im Vorstand für den Bereich Atomenergie zuständig ist, der Financial Times. Man könne nun sagen, dass einiges davon an die Bürger und Politiker zurückgegeben werde, so Jäger.
Die Energiekonzerne hoffen, dass die Aussicht auf niedrige Energiekosten bei deutschen Politikern und der allgemeinen Öffentlichkeit zu einer positiveren Haltung gegenüber der Atomenergie führen wird. Energiegewinnung aus Atomstrom hatte zuletzt wieder mehr Aufmerksamkeit für sich gewinnen können, da das Verfahren als potenziell nutzbringende CO2-arme Energie-Technologie gilt.
Im letzten Jahr hatte die Internationale Energie-Agentur (IEA) die deutsche Regierung gewarnt, dass ein Atomausstieg die Möglichkeiten Deutschlands für eine Senkung der Treibhausgasemissionen einschränken würde (EurActiv 29/07/07). Auch die Kommission sieht die Verwendung von Atomenergie für den Aufbau eines CO2-armen Energiesystems für die EU vor (EurActiv 15/10/07).
Es sei dennoch wahrscheinlich, dass die derzeitige deutsche Regierungskoalition an dem Atomausstieg festhalten werde, meint Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland.
Die Partei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die konservative Christlich Demokratische Union (CDU), hatte 2005 das Abkommen zum Atomausstieg als Teil des Regierungsvertrages mit dem sozialdemokratischen Koalitionspartner SPD unterzeichnet. Änderungen der Pläne zu einem Atomausstieg seien nur dann zu erwarten, wenn nach den Bundestagswahlen im September 2009 eine Regierung an die Macht käme, die die Nutzung von Atomenergie unterstütze, so Breuer.
Die Nutzung von Atomenergie bleibt nicht nur in Deutschland ein vieldiskutiertes Thema, sondern auch in anderen Ländern der EU gehen die Expertenmeinungen zu den Vorzügen und Risiken dieser Technologie weit auseinander (EurActiv 04/07/08).