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Energieprognosen bieten Voraussagen zur weltweiten Energiesituation der Zukunft, besonders im Hinblick auf Nachfrage, Energie-Mix und Versorgungssicherheit. Dieser Artikel vergleicht einige der unterschiedlichen Szenarien, die die verschiedenen Prognosen liefern. Im Mittelpunkt werden hierbei die geschätzten Auswirkungen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimaveränderung auf die Entwicklung der weltweiten Energiesituation und der CO2-Emissionen im ersten Drittel dieses Jahrhunderts stehen.
Energieprognosen bieten Voraussagen zur weltweiten Energiesituation der Zukunft, besonders im Hinblick auf Nachfrage, Energie-Mix und Versorgungssicherheit. Eine Reihe von Organisationen veröffentlichen regelmäßig Prognosen, die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Zwecken dienen, unterschiedliche Schwerpunkte setzen und unterschiedliche Methodologien anwenden. Unter Anlegung klarer Parameter können jedoch aussagekräftige Vergleiche gezogen werden.
In dieser Einführung werden drei verschiedene Prognosen zur Energiesituation in den nächsten 30-50 Jahren verglichen: der ‚europäische’ Ansatz der EU-Kommission, der ‚internationale’ Ansatz der Internationalen Energieagentur und der Ansatz von Royal Dutch Shell und ExxonMobil aus Perspektive der Industrie.
Im Jahr 2003 hat die Kommission ihre „Weltweite Perspektiven in der Energie-, Technologie und Klimapolitik für das Jahr 2030“ veröffentlicht. Sie vergleicht zwei Szenarien: Ein Referenzszenario (‚business as usual’) und ein Szenario für die Verringerung der Kohlendioxidemissionen, in denen die Wirksamkeit klimapolitischer Maßnahmen untersucht wird. Diese Untersuchung soll dazu beitragen, Schwerpunkte für eine Politik zu formulieren, die eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorantreiben kann.
1. Referenzszenario: Annahmen
Referenzszenario: Ergebnisse
CO2-Eindämmungszenario: Annahmen
Ziel: Bewertung der Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen im Energiesektor.
CO2-Eindämmungszenario: Ergebnisse
|
Referenzszenario |
CO2-Eindämmungs- szenario |
Unterschied |
|
|
Weltenergiebedarf (Gtoe) |
17.1 (+1.8 % per year) |
15.2 |
-11% |
|
Energiebedarf der EU (Gtoe) |
2.0 (+0.4 % per year) |
1.7 |
-12 % |
|
Fossile Treibstoffe - Gesamtmenge weltweit (Gtoe) |
14.9 |
12.4 |
-17% |
|
- Erdöl (Gtoe) |
5.9 |
5.4 |
-8% |
|
- Kohle (Gtoe) |
4.7 |
2.7 |
-42% |
|
- Gas (Gtoe) |
4.3 |
4.3 |
0% |
|
Kernenergie (Gtoe) |
0.9 |
1.2 |
+36% |
|
Erneuerbare Energie (Gtoe) |
1.4 |
1.8 |
+35% |
|
Fossile Treibstoffe - Gesamtmenge EU (Gtoe) |
1.66 |
1.31 |
-24% |
|
- Erdöl (Gtoe) |
0.73 |
0.64 |
-13% |
|
- Kohle (Gtoe) |
0.39 |
0.15 |
-61% |
|
- Gas (Gtoe) |
0.55 |
0.53 |
-3% |
|
Kernenergie (Gtoe) |
0.24 |
0.32 |
+35% |
|
Erneuerbare Energie (Gtoe) |
0.12 |
0.19 |
+56% |
|
Weltweiter CO2-Ausstoß (GtCO2) |
44.5 |
35.3 |
-21% |
|
CO2-Ausstoß in der EU (GtCO2) |
4.7 |
3.5 |
-26% |
Gtoe: Gigatonnen Öläquivalent (= 42.7 Gigajoule)
Quelle: Europäische Kommission, WETO-Bericht
GtCO2: Gigatonnen CO2
Die Internationale Perspektive
In ihrem Bericht „World Energy Outlook", der im Jahr 2002 veröffentlich wurde, stellte die Internationale Energieagentur der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die jüngsten Energie-Prognosen dar. Wieder vergleicht sie ein Referenzszenario mit einem politischen Alternativszenario. Einige der Schwerpunkte bilden die Sorgen über die Sicherheit der Energieversorgung, Infrastruktur-Investitionen, Umweltverschmutzung durch Energieerzeugung und –nutzung sowie der ungleiche Zugang der Weltbevölkerung zu modernen Energieformen.
Referenzszenario:
Alternativszenario:
Sowohl die Kommission als auch die Prognosen der IEA ziehen ähnliche Schlussfolgerungen: neue politische Maßnahmen und saubere Technologien würden zu Energieeinsparungen führen und weniger CO2-intensiven Treibstoffen zugute kommen. Der OECD-Bericht sagt voraus, dass dies bis 2030 letztendlich zu einer Stabilisierung der Treibhausgasemissionen der OECD-Länder führen könnte.
Die Perspektive der Industrie
Die Shell-Studie „Energy Needs, Choices and Possibilities – Scenarios to 2050", die im Jahr 2001 veröffentlicht wurde, untersucht ebenfalls zwei unterschiedliche Szenarien, indes stehen gesellschaftliche Einstellungen statt politische Entscheidungen im Mittelpunkt. Das erste Szenario – „Dynamics as Usual“ – beruht auf der Annahme, dass saubere, sichere und nachhaltige Energie gesellschaftliche Priorität eingeräumt wird und die Politik maßgeblich bestimmt. In dem zweiten Szenario – „The Spirit of the Coming Age“ – werden neuartige Möglichkeiten der Befriedigung des Energiebedarfs entwickelt, die Verbraucherwünsche hinsichtlich von Mobilität, Flexibilität und Bequemlichkeit berücksichtigen.
In beiden Szenarien sagt Shell eine wichtige Rolle für Naturgas voraus, und zwar als „Übergangstreibstoff“ für mindestens zwei Jahrzehnte. Die Studie prognostiziert ebenfalls ein hohes Wachstum für erneuerbare Energien und sieht das Potential, dass erneuerbare Energieträger auf lange Sicht die wichtigsten Energiequellen werden.
Die Szenarien von Shell befassen sich mit „möglichen Wegen hin zu einem bezahlbaren, nachhaltigen Energiesystem, das Lösungen für ökologische Problematiken gefunden hat“. Die konkreten Wirkungen politischer Maßnahmen werden jedoch nicht beurteilt. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass beide Szenarien eine Stabilisierung der CO2-Konzentration unter 550 ppmv bedeuten würden. CO2-Emissionen werden von der Studie nicht angesprochen.
ExxonMobil hat ebenfalls eine Studie verfasst – „The Outlook for Energy – a 2030 view“. Ihre Ergebnisse zur weltweiten Energiesituation bis 2030 sind die folgenden:
Um den höheren Energiebedarf zu decken, müssten laut ExxonMobil vor allem neue Technologien entwickelt und eingeführt werden. Hierzu müsse die Ressourcengrundlage wachsen und entwickelt werden und auch die Energieeffizienz müsse erhöht und Emissionen verringert werden. Der Konzern sieht wachsende Möglichkeiten für neuartige Formen der Kohle- und Kernenergien sowie für Biokraftstoffe.