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Eine Gruppe hochrangiger Regulatoren und Industrievertreter ist auf EU-Ebene tätig und soll die Kommission über Initiativen in den Bereichen Energie, Wettbewerbsfäigkeit und Umwelt beraten. Zu den Themen, mit denen sich die Gruppe auseinandersetzen wird, zählen: die Notwendigkeit umfassender Neuinvestitionen in Energieinfrastruktur sowie die Beseitigung der Schwachstellen der europäischen Gas- und Elektrizitätsmärkte. Das EU-Emissionshandelssystem wird ebenfalls überarbeitet werden, um sicherzustellen, dass europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt sind.
Auf ihrem Frühjahrstreffen im März 2006 haben die Staatsoberhäupter neben der Bewältigung der Importabhängigkeit und der globalen Erwärmung die hohen und unberechenbaren Energiepreise als eines der Hauptprobleme für den Energiesektor der EU benannt. In Folge dessen hat die Kommission neue Pläne vorgelegt, die während des Europäischen Rats im März 2007 gebilligt wurden. Sie wurden als eine ehrgeizige, neue EU-Klima- und Energiepolitik vorgestellt (siehe unser LinksDossier).
Um die im März 2007 bestimmten Verpflichtungen zu realisieren, versucht die EU, ein Gleichgewicht zwischen den miteinander in Konflikt stehenden Zielen herzustellen: Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit im Umweltbereich.
Bereits im Feburau 2006 hat die Kommission eine Expertengruppe bestehend aus Behördenvertretern, Geschäftsführern und zivilgesellschaftlichen Organisationen eingesetzt. Diese soll der Kommission beratend zur Seite stehen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Ihr wichtigstes Ziel ist, eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik- und Gesetzesinitiativen zu unterstützen, sowie die Entwicklung eines integrierten Ansatzes. Sie soll zudem zur Schaffung eines stabileren Rechtsrahmens beitragen.
In einem ersten am 2. Juni 2006 veröffentlichten Bericht hat die Expertengruppe die folgenden Empfehlungen dazu ausgesprochen:
1. Das Funktionieren eines liberalisierten EU Strom- und Gasmarktes (siehe das entsprechende LinksDossier)
2. Zugang zu bezahlbarer Energie für stark Energie verbrauchende Industrien
3. Energieeffizienz und -erhaltung (siehe dazu das entsprechende LinksDossier)
4. Überprüfung des Emissionshandelssystems der EU (EU-ETS) (siehe dazu das entsprechende LinksDossier)
Die großen industriellen Elektrizitätsverbraucher, die vom Verband Energieintensiver Industrien vertreten werden, haben vor der großen Gefahr einer De-Industrialisierung in Europa als Folge der hohen Energiepreise gewarnt. Energie sei einer sehr wichtige Komponente ihrer Kostenstruktur, so der Verband, der auch die Industrie in den Bereichen Metalllegierung, Zement, Keramik, Chlor-Alkali, Glas, Eisen und Stahl, Kalk, nichteisenhaltige Metalle und Papier vertritt.
Nach Auffassung des Verbandes habe aber die aktuelle Energie- und Umweltpolitik die Energiekosten alles übertroffen, was bisher durch gestiegene Gas- und Ölpreise weltweit verursacht wurde. Der Verband ist der Ansicht, dass Fehler bei der Liberalisierung des europäischen Gas- und Energiemarktes und die unerwarteten Folgen des CO2-Handels dafür verantwortlich sei. Beide Entwicklungen seien ausschließlich europäisch und müssten daher einer kritischen Überprüfung unterliegen.
Die europäische Chemieindustrie - die behauptet, der größte Energieverbraucher des produzierenden Sektors innerhalb der EU zu sein – verlangt, dass alles getan wird, damit das Emissionshandelssystem europäische Unternehmen nicht gegenüber der internationalen Konkurrenz benachteiligt. Dazu führte Theo Walthie vom Europäischen Rat der Chemieindustrie (CEFIC) aus, dass die Komplexität des Systems, beispielsweise durch den Ausschluss kleinerer und mittlerer Unternehmen, und der Einfluss der Energiepreise beschränkt werden müssen. Walthie rief zu schnellen Maßnahmen im Rahmen der zweiten Phase des Systems, die von 2008 bis 2012 laufen wird, auf. Es sei unmöglich, bis 2013 zu warten. Nach Auffassung von CEFIC sollten Projekte außerhalb der EU (JI / CDM in der UN-Sprache) der EU helfen, ihre Verpflichtungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu erfüllen.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat Bedenken bezüglich der Folgen für die Arbeitswelt in Industrien geäußert, die aufgrund der Entwicklung der Energiepreise mit Standortverlagerung drohen. EGB-Generalsekretär John Monk hat vor einem vollständig liberalen Ansatz in der Energiepolitik gewarnt. Die Verpflichtung zur staatlichen Dienstleistung müsse zugunsten der Bürger weiter gewahrt werden.
Der EGB spricht auch die Bedrohung durch steigende Energiepreise für Haushalte an. Insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten sei eine zunehmende „Kraftstoffarmut“ zu befürchten.
Umwelt-NGOs, kritisierten die Zusammensetzung der Expertengruppe, die zum Vorteil energieintensiver Industrien und großer Energieversorgungsunternehmen ausgefallen und daher unausgeglichen sei. Die NGOs sagten in einer Erklärung an die Expertengruppe, dass führende mit Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien, Verbraucher- und Gesundheitsorganisationen sowie wissenschaftliche Einrichtungen nicht vertreten seien.
Die Umweltstiftung WWF äußerte scharfe Kritik an den „Missinformationen“ zu den vermeintlich negativen Effekten des Emissionshandelssystems auf die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Industrien. Für das Erreichen der Emissionsreduktionsziele sei das Emissionshandelssystem viel günstiger als andere Optionen (etwa Steuern), zudem seien Ängste unangebracht. Nach Auffassung des WWF sind nur relativ kleine Verluste in den wichtigsten Handelsbereichen zu erwarten. WWF verweist auch auf eine Studie des deutschen Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), nach der das Emissionshandelssystem keine Arbeitsplätze vernichten werde. Im Vergleich zu anderen Regulierungsmethoden zum Erreichen der Kyoto-Vorgaben bezeichnet die Studie die Methoden des ETS als eine gute Alternative, so WWF.