„Wir stehen vor einer Ära der revolutionären Übergänge und beträchtlicher Turbulenzen“, hieß es im ‚Energieszenario bis 2050’ von Shell von 2008, das am 7. April 2008 in einer Konferenz von Friends of Europe vorgestellt wurde.
Die Energienachfrage wird sich bis 2050 vermutlich verdoppeln, die Vorräte gehen jedoch zurück und die Belastung der Umwelt nimmt zu. Shell hat daher zwei alternative Szenarien vorgestellt, die eine globale Antwort auf diese drei ‚harten Wahrheiten’ beinhalten:
„Scramble“ versus „Blueprints”
Das erste und pessimistischere Szenario „Scramble“ (rücksichtsloser Wettlauf) ist vor dem Hintergrund des zunehmenden weltweiten Wettbewerbs um Energievorräte durch eine ‚Flucht hin zu Kohle’ und Verstaatlichung der Energierohstoffe gekennzeichnet.
In diesem Szenario, so Shell, sei die Politik auf der Nachfrageseite so lange nicht sinnvoll verfolgt, bis die Begrenzung der Vorräte akut sei. Ebenso werde die Umweltpolitik nicht ernsthaft verfolgt, bis drohende Klimakatastrophen die Politiker zu Reaktionen zwängen.
Ein alternatives und optimistischeres Szenario ist das Szenario „Blueprints“ (geplante Entwicklung), das von Shell befürwortet wird. Es wäre vorbeugender und würde eine stärkere weltweite Zusammenarbeit zwischen Regierungen und dem Privatsektor beinhalten.
Ein Preisbildungsmechanismus für CO2 sowie ein funktionierender Weltkohlenstoffmarkt wären entscheidende Bestandteile des Blueprints-Szenarios, da dies eine nachhaltige Entwicklung in anderen Bereichen stimuliere, insbesondere erneuerbare Energien und Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), die Shell als grundlegend für das Verfügbarmachen ‚sauberer’ Energie aus fossilen Brennstoffen erachtet.
Das richtige Klima
Die Entscheidung des Unternehmens, zum ersten Mal überhaupt ein Szenario einem anderen vorzuziehen, sei nicht „uneigennützig“, sagte Jeremy Bentham, Shells Vize-Präsident für Global Business Environment.
Shell sagt, man suche nach einem günstigen und stabilen Investitionsklima, trotz der Bedenken, dass unter dem Scramble-Szenario das gesamte Energiesystem zu Fall kommen werde, sagte Jeroen van der Veer, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens.
Nach dem Blueprints-Szenario würden die weltweiten CO2-Emissionen bis 2020 gesenkt werden und schließlich bis 2050 auf das Niveau von 2000 fallen, so Bentham. Er ist der Meinung, dieser zeitliche Rahmen sei realistisch, um weltweit eine Einigung über bedeutende Vorschriften zu erzielen, um somit die wichtigsten Energiesysteme miteinander in Einklang zu bringen.
Wenn das Blueprints-Szenario nicht realisiert würde, würden notwendige Investitionen im Energiesektor behindert werden, warnte Bentham.



