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Erneuerbare Energien: Minister einigen sich auf Flexibilität [DE]

Veröffentlicht 16. Februar 2007 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Energieminister haben der Erhöhung des Anteils der Biokraftstoffe auf wenigstens 10% des Energiemixes bis 2020 zugestimmt, ein EU-weit bindendes Ziel für erneuerbare Energien jedoch abgelehnt. Somit bleibt es den Mitgliedstaaten überlassen, ihre Ziele auf nationaler Ebene selbst festzulegen. 

Bei ihrem Treffen am 15. Februar 2007 in Brüssel haben die Minister es vermieden, unangenehme Entscheidungen bezüglich der Liberalisierung der Energiemärkte und erneuerbare Energien zu treffen und stattdessen die Benennung von Zielen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen als Priorität erklärt.

Die Minister erklärten, der Rat unterstütze die ehrgeizigen EU-Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2020, wobei auf die nationalen Besonderheiten der Mitgliedstaaten Rücksicht genommen werden müsse. Im Ergebnis einigten sich die Minister auf:

  • Das unverbindliche Ziel, dass der gesamteuropäische Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 zu 20% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden soll, und;
  • Das Ziel, dass der gesamteuropäische Verbrauch von Benzin und Diesel im Verkehrssektor bis 2020 sich zu mindestens 10% aus Biokraftstoffen  speisen soll.

Die Minister forderten zudem die baldmöglichste Umsetzung des Aktionsplans „Energieeffizienz“, durch den nach Berechnungen der Kommission Europa bis 2020 etwa 20% seines Energieverbrauches einsparen und so die Energiekosten jährlich um 100 Mrd. Euro senken könnte.  

Im Hinblick auf die Liberalisierung der Energiemärkte folgten die Minister Frankreich und Deutschland und bestätigten, dass der erste Schritt zur Liberalisierung die Umsetzung und Anwendung der bestehenden Gesetzgebung im einzelstaatlichen Recht sei, bevor zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden sollten. 

Die Schlussfolgerungen stellen einen Rückschlag für die Kommission und liberalisierungsfreundliche Staaten wie Großbritannien dar, die sich für eine vollständige Entflechtung der Eigentumsverhältnisse ausgesprochen hatten, wodurch die großen Energieunternehmen ihre Energieproduktion von der Netzbetreibung hätten abspalten müssen.  

Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes verteidigte die Haltung der Kommission und erklärte erneut, dass eine vollständige Entflechtung der unmissverständlichste Weg sei, um neuen Marktteilnehmern einen gleichberechtigten Zugang zu den Energienetzen zu garantieren.

Dennoch reagierten Frankreich und Deutschland, die ihre früheren Staatsmonopole EDF und E.ON. schützen wollen, auf den Kommissionsvorschlag mit starkem Widerstand.

Der Rat forderte die Kommission auf, eine effektive Trennung der Erzeugung und Lieferung von der Netzwerkbetreibung sicherzustellen und den gleichberechtigten und offenen Zugang zu den Verkehrsinfrastrukturen für neue Energielieferanten zu gewährleisten. 

Stellungnahmen: 

Der stellvertretende französische Industrieminister François Loos sagte nach dem Treffen, dass der Rat eine „angemessene“ Lösung gefunden hätte.

Bezüglich der Frage der „Entflechtung“, betonte Loos, dass zwischen den „Zielen“ und den erforderlichen „Maßnahmen“ unterschieden werden müsste. Der Minister hob vor allem die Bedeutung von Investitionen in neue Netzwerke und die Übertragungskapazität hervor. 

Wichtig seien vor allem die Ziele, betonte Loos, der darauf hinwies, dass es jedem Land frei stünde, zu entscheiden, wie diese erfüllt werden sollten. Er fügte hinzu, dass die „Entflechtung der Eigentumsverhältnisse vielleicht in anderen Ländern eine Lösung sei“, jedoch in Frankreich jedes Netzwerk auch ohne diese Maßnahme ausreichend Förderung erhalten könnte.

Er verurteile das System der Entflechtung nicht in anderen Ländern als in Frankreich, so Loos.

Loos betonte, dass Frankreich auch eine „sehr strikte Gesetzgebung“ umgesetzt habe, die einen fairen Zugang zum Netzwerk garantiere. Dieses wird von RTE, einem Unternehmen, das von EDF und dem französischen Staat, der 87% der Anteile an dem französischen Energieunternehmen behalten hat, kontrolliert.

Er unterstütze ausdrücklich die Kommission bei ihrem Ziel, mehr Wettbewerb zu schaffen und dadurch angemessenere Preise in Europa zu erreichen, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos im Vorfeld des Ministertreffens.

Er fügte hinzu, dass, um dieses Ziel zu erreichen, die unterschiedlichsten Meinungen der 27 Mitgliedsstaaten berücksichtigt werden müssten. Man werde sich in der Mitte treffen, versicherte Glos.

Es sei deutlich, dass die französische und deutsche Regierung seit langem die Position der nationalen Energieriesen vertrete, sagte der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes. Die Tatsache, dass sich die britische Regierung von den Argumenten dieser Firmen, die auch auf dem britischen Markt tätig sind, habe überzeugen lassen, gäbe jedoch ernsthaft Anlass zur Sorge.

EFET, der europäische Verband der Energiehändler, in dem die meisten großen europäischen Energieunternehmen und Banken vereint sind, forderte einen „pragmatischen Ansatz“ zur Marktliberalisierung.

Bei einer Pressekonferenz am 16. Februar 2007 sagte Dr. Jörg Spicker, Vorsitzender von EFET Deutschland, dass der Blick zu stark auf Deutschland und die Frage, ob eine Entflechtung der Eigentumsverhältnisse für Deutschland von Vor- oder Nachteil sei, gerichtet gewesen sei. Der Vorsitzende von EFET, Peter Styles, betonte, dass eine Alternative zur Entflechtung vorgelegt werden sollte, um das derzeitige System des grenzüberschreitenden Stromhandels zu verbessern.

Dies könnte in Form von „regionalen Systembetreibern“ geschehen oder in Form eines Systems, in dem die nationalen Übertragungsnetzbetreiber ihre Grenzen „überschreiten“, um an Entscheidungen über Investitionen in grenzüberschreitende Übertragungskapazitäten eingebunden zu sein. Dies, so Styles, würde eine Fusionierung der Übertragungsnetzbetreiber in vielen Bereichen bedeuten. 

Die Umweltorganisation WWF betonte, dass die europäischen Energieminister einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hätten, als sie sich auf Ziele für erneuerbare Energien und Biokraftstoffe einigten. WWF bestehe jedoch darauf, dass diese Ziele in verpflichtende Ziele für unterschiedliche Sektoren, unter anderem Strom, umgesetzt würden, damit dies nicht dem guten Willen der Mitgliedstaaten überlassen würde.

Vor nur vier Monaten sei es unmöglich erschienen, dieses Ziel schwarz auf weiß festzuhalten, so Stephan Singer, Leiter der europäischen Klima- und Energieeinheit bei WWF. Es sei nun ausschlaggebend, dass diese Ziele gesetzlich verpflichtend würden, fügte Singer hinzu. Freiwillige Zielvorgaben seien zum Scheitern verurteilt.

Singer betonte ebenfalls, dass die „Entflechtung der Eigentumsverhältnisse bei den Energienetzen“ in Kombination mit der Energieliberalisierung der Schlüssel sei, um es zu ermöglichen, dass Energie aus erneuerbaren Quellen auf den Markt kommen könnte.

Diese Haltung wird von UEAPME, dem Verband der kleinen und mittleren Unternehmen, unterstützt. Die Vollendung eines effizienten Binnenmarktes für Energie sei Voraussetzung für die Erreichung der ehrgeizigen Ziele der Kommission in den Bereichen Energieeffizienz, Reduzierung der Treibhausgasemissionen und erneuerbarer Energien, so der Verband.

Als Unternehmer in einem energieintensiven Sektor habe er die negativen Auswirkungen der privaten Monopole auf die Leistung der Unternehmen mit eigenen Augen gesehen, so UEAPME-Präsident Georg Toifl, der eine vollständige Entflechtung „dringend notwendig“ aber „nicht ausreichend“ nannte.

Nur eine starke und unabhängige europäische Energiebehörde sei in der Lage, die Entstehung von privaten Netzwerkmonopolen im Energiesektor zu unterbinden und das Ziel zu erreichen, einen funktionierenden Markt im grenzüberschreitenden Handel zu schaffen, so Toifl.

Nationale Behörden hätten sich im besten Fall als schwach herausgestellt und im schlimmsten Fall als den nationalen Energieriesen gehorchend. 

Nächste Schritte: 
  • Die Minister haben die Kommission aufgefordert, im Laufe des Jahres einen Vorschlag für eine neue, umfassende Richtlinie über die Nutzung sämtlicher in Europa verfügbaren erneuerbare Energiequellen vorzulegen. Eine solche Richtlinie könnte nach Auffassung der Minister Bestimmungen zu den nationalen Zielen der Mitgliedstaaten sowie nationale Aktionspläne bezüglich der sektoralen Ziele und Maßnahmen zur Erreichung der Ziele beinhalten.
  • 8. und 9. März 2007: Auf dem EU-Gipfel soll der Aktionsplan als erster Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik angenommen werden.
  • 6. bis 8. Juni 2007: Der Rat “Energie“ befasst sich erneut mit dem Energie- und Klimawandelpaket. 
Hintergrund : 

Die Energieminister haben erstmals über das von der Kommission am 10. Januar 2007 vorgelegte Energie- und Klimapaket beraten. Die Schlussfolgerungen der Minister gelten auch als Vorbereitung auf den Märzgipfel der Staats- und Regierungschefs, die das Paket einstimmig annehmen müssen, ein mühsamer Vorgang, der die Festlegung klarer Entscheidungen erschwert.

Der EU-Gipfel wird der Kommission ein Mandat verleihen, das Aufschluss darüber gibt, wie weit die formalen Gesetzgebungsvorschläge der Kommission gehen können, die im Laufe des Jahres erwartet werden. 

Die erwarteten Vorschläge der Kommission unterliegen im Falle einer Annahme des Energie- und Klimapakets auf dem Märzgipfel keinem Einstimmigkeitserfordernis mehr, was die Entscheidungsfindung vereinfacht.

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