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EU-Gespräche zum Energiemarkt kommen langsam voran [DE]

Veröffentlicht 19. Februar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Gespräche zwischen den EU-Institutionen über das dritte Liberalisierungspaket des Energiemarkts, die sich zuletzt in einer Sackgasse befunden hatten, machten gestern (18. Februar 2009) doch noch Fortschritte, nachdem Tschechien in seiner Funktion als EU-Ratspräsidentschaft, Änderungen an der Position des Rates, zum Thema der Eigentümerentflechtung, vorgenommen hatte.

Europaabgeordnete, die an den Diskussionen um die verschiedenen Vorschläge beteiligt sind, erklärten gegenüber der Presse heute (19. Februar 2009), die Atmosphäre der Gespräche sei, im Gegensatz zu früheren Treffen, „konstruktiv“.

Er denke, der Rat habe verstanden, dass das Parlament mit der derzeitigen Situation unzufrieden sei. Tschechien habe im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft reagiert, sei dem Parlament bei dem Streitpunkt der Eigentumsentflechtung etwas näher gekommen und habe bei der gemeinsamen Position einige Änderungen vorgeschlagen, sagte die Berichterstatterin des Europaparlaments für den internen Strommarkt, Eluned Morgan (Mitglied der britischen Labour Party).

Morgan sagte, die Europaabgeordneten befürchteten, dass es sich bei den Änderungen an der Position des Rates um die Auffassung der tschechischen Regierung und nicht um die Meinung des Rates handele. Man erwarte, dass der Rat die tschechischen Vorschläge unterstütze.

Die Europaabgeordnete lobte die tschechische Regierung für ihre mutige Einstellung. Dank ihr wären die Abgeordneten bereit, die Verhandlungen weiterzuführen, sagt sie, nachdem die Delegation des Parlamentes damit gedroht hatte, nicht weiter an den Verhandlungen teilzunehmen, wenn es keine Änderungen gebe (EurActiv vom 12. Februar 2009)

Trotzdem lassen der Ratspräsidentschaft nahestehende Quellen verlauten, die vorgeschlagenen Änderungen seien nur minimal. Bedeutende Änderungen der Position des Rates seien ausgeschlossen, da die Mitgliedstaaten diese ablehnen würden.

Die angestrebte Trennung von Erzeugungskapazitäten und Übertragungsnetzwerken („Eigentumsenflechtung“), die große Energiekonzerne aufspalten würde, bleibt weiterhin der größte Streitpunkt. Das Parlament setzt sich für eine vollständige Entflechtung im Strommarkt ein und verlangt als dritten Punkt, dass die Gasverteilung in die Hand eines unabhängigen Unternehmens gelegt werden soll. Auf Drängen Frankreichs, behält der Rat jedoch seine Position bei, dass dieser dritte Punkt sowohl für Strom, als auch für Gas gelten solle.

Der Rat habe bei seinem Standpunkt in der „Abkühlungsphase” für Geschäftsführer nachgegeben, sagte Morgan. Ursprünglich hatte der Rat verlangt, dass Manager, eine sechsmonatige Pause einlegen sollten, bevor sie von einem Teil eines vertikal integrierten Konzerns, in einen anderen wechselten. Top-Manager hätten sogar eine Pause von ungefähr drei Jahren einlegen sollen. Laut Morgan, sei der Rat in dieser Angelegenheit nun jedoch zu Kompromissen bereit.

Die Europaabgeordneten äußerten sich außerdem zufrieden mit dem Fortschritt, den man bei Gesprächen über zukünftige Energiequellen und über die Zuständigkeiten von nationalen Regulierungsbehörden, gemacht habe.

Der bulgarische Europaabgeordnete der Sozialdemokraten, Atanas Paparizov, parlamentarischer Berichterstatter für den Zugang zum Erdgasnetz, drückte Optimismus aus, dass sich die Position des Rates im Bezug auf den zehn Jahre umfassenden Investitionsplan, ändern könnte. Das Parlament will den Plan verbindlich machen, während der Rat und die Kommission beide einen freiwilligen Plan favorisieren. 

Nach den Diskussionen beim letzten Treffen und gestern sei bestätigt worden, dass der Plan eine Art Vorbild werde. Nationale Regulierungsbehörden würden dann die Umsetzung der Pläne jedes Unternehmens analysieren und Empfehlungen geben, wenn der Zehn-Jahres-Plan nicht so implementiert werde, wie er sollte.

Die gesetzgebenden Organe der EU stehen unter hohem Zeitdruck, wenn sie eine Übereinkunft noch vor Ende dieser Legislaturperiode erreichen wollen. Sowohl die Europaabgeordneten, als auch Tschechien im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft erklären allerdings, dass sie zuversichtlich seien, diese Aufgabe noch zu schaffen.

Stellungnahmen: 

Die Sozialdemokratin Eluned Morgan (Großbritannien), parlamentarische Berichterstatterin für den internen Strommarkt, drängte andere Regierungen dazu, dem Beispiel Tschechiens zu folgen, denn in Anbetracht der mutigen Haltung die Tschechien eingenommen habe, hoffe man, dass auch der Rest von Europas Mitgliedsstaaten verstehen werde, dass sie von der im letzten Juni festgelegten Position des Rats abrücken müssten, damit man zu einer Einigung komme.

Giles Chichester, Europaabgeordneter (Christdemokraten), der parlamentarischer Berichterstatter für die Errichtung einer Agentur für die Kooperation zwischen Energieregulierungsbehörden, betonte die Wichtigkeit der Koordination nationaler Regulierungsbehörden auf europäischer Ebene, um eine einheitliche Richtlinie für den gesamten europäischen Marktsicherzustellen. Es gäbe Anzeichen für eine Unterstützung seitens des Rates. Er erstelle/habe eine Liste von neun Bereichen, in denen der Rat die Sorgen des Parlaments berücksichtigt habe. Die schlechte Nachricht sei, dass es ungefähr 15 Punkte gebe, die nicht einbezogen worden wären.

Der bulgarische Europaabgeordnete der Sozialdemokraten Atanas Paparizov, parlamentarischer Berichterstatter für den Zugang zum Erdgasnetz, beschrieb die Veränderungen, die der Rat an seiner Position zu dem auf zehn Jahre ausgelegten Investitionsplan, gemacht habe als positiven Kompromiss, der eine gute Atmosphäre für Investitionen schaffe und nationalen Regulierungsbehörden erweiterte Kompetenzen einräume, ohne den Plan unbedingt rechtlich verbindlich zu machen. 

Nächste Schritte: 
  • 31. März 2009: Abstimmung im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie
  • April 2009: Abstimmung im Europaparlament
Hintergrund : 

Am 19. September 2007 präsentierte die Kommission ihren Vorschlag für ein drittes Paket von Vorschlägen, um den EU-Energiemarkt weiter zu liberalisieren (EurActiv LinksDossier).

Die Vorschläge riefen eine kontroverse Debatte über das Thema der Eigentumsentflechtung hervor, die die Zerschlagung von großen vertikal-integrierten Energiekonzernen wie E.ON und EDF bedeuten würde, die gleichzeitig die Stromproduktion und die Verteilung kontrollieren. Frankreich, Deutschland und sechs andere Mitgliedstaaten führen den Widerstand gegen die Entflechtungspläne an. Zusammen haben sie im Februar einen alternativen Vorschlag auf den Tisch gebracht, der ein ähnliches Ergebnis hervorbringen soll, ohne die Energiefirmen dazu zu zwingen Energieproduktion und -übertragung zu trennen (EurActiv vom 1.Februar 2008).

Die Energieminister schlossen am 10. November 2008 endlich ein Abkommen, dass es Energieproduzenten verbietet, die Verteilungsnetze vom europäischen Konkurrenten zu kaufen, in deren Ländern die Entflechtung bereits eingeführt wurde. (EurActiv vom 13.Oktober 2008). Die Position des Rates ist immer noch weit entfernt von der Position des Parlamentes auf kompletter Entflechtung zu bestehen und die Verhandlungen der drei Parteien haben seit Januar 2009 nur minimale Fortschritte gemacht.

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