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EU investiert Milliarden in Energieforschung [DE]

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Veröffentlicht 07. Oktober 2009, aktualisiert 29. Januar 2010

Die Europäische Kommission hat heute (7.Oktober) einen lange erwarteten Entwurf vorgestellt, wonach die Förderungen für die europäische Energieforschung für die nächsten 10 Jahre verdreifacht werden. Dies erfolgt im Rahmen der Unterstützung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft im nächsten EU-Haushalt.

Die EU-Exekutive fordert, dass das Energiebudget in den nächsten 10 Jahren um 50 Milliarden Euro erhöht wird. Dies würde erfordern,  dass die jährlichen Zuflüsse aus dem privaten und öffentlichen Sektor vom derzeitigen Budgets von 3 Mrd.  Euro auf 8 Mrd. Euro springen.

Die Mitteilung über die Finanzierung der Entwicklung von CO2-armen Technologien legt dar, wie dieses Geld zwischen den wichtigsten CO2-armen Technologien verwendet werden kann, welche Europa von einer 80-prozentigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hin zu einer 80-prozentigen Emissionsreduktion bis 2050 bewegen kann. Die Forschungs-Prioritäten wurden im Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan) von 2007 identifiziert, welcher die Wettbewerbsfähigkeit Europas wieder auf Kurs bringen soll (EurActiv vom 9. Juli 2009).

Der Finanzierungsplan war teilweise aufgrund der Finanzkrise verspätet, welche ein neues Denken erforderlich machte, wie Wachstum zu reaktivieren sei, so der Kommissar für Energie, Andris Piebalgs. Weiterhin erfordere die Planung weiterer Technologie-Fahrpläne Zeit, fügte er hinzu.

Der endgültige Plan veranschlagt 6 Milliarden Euro für die Erforschung der Windenergie, die laut Kommission ein Fünftel des EU-Stroms bis zum Jahr 2020 produzieren könnte.

Solarenergie würde 16 Milliarden Euro erhalten, um neue Photovoltaik-Konzepte und große industrielle Konzentration der Solarenergie (CSP)-Anlagen zu entwickeln und damit 15% des EU-Stroms in zehn Jahren zu leisten. Bioenergie-Forschung würde 9 Milliarden Euro erhalten, damit könnte sie 14% des Energiebedarfs der EU bereitstellen.

Um erneuerbare Energien zu integrieren und in den Energiemarkt zu implementieren, würden Stromnetze 2 Milliarden Euro erhalten, so dass die Hälfte der Netze mit Hilfe eines "Smart-Grid"-Prinzips arbeiten könnten. 

Abgesehen von erneuerbaren Energien erhält die  Kohlenstoff-Abscheidung   und   -Speicherung 13 Milliarden Euro für bis zu 12 Projekte. Nukleare Forschung würde ebenso 7 Milliarden Euro erhalten.

Der Finanzierungsvorschlag sieht auch 11 Milliarden Euro für das "Smart Cities"-Programm vor, um der Kritik zu entgehen, der Vorschlag würde Energieeffizienz missachten. Zwischen 25 und 30 Städte müssen mit CO2-armen Häusern aufgewertet werden, so dass sie im Jahr 2020 40% weniger Treibhausgase emittieren als im Jahr 1990.

Zusätzlich wird die Kommission mehr Geld für die Zukunft bahnbrechender Technologien fordern.

Öffentliche Partnerschaft mit privaten Geldern

Die Kommission ist der Auffassung, dass öffentlich-private Partnerschaften der glaubwürdigste Weg sind, Energieforschung zu finanzieren. Allerdings konnte sie nicht darlegen, wie die finanzielle Belastung zwischen den beiden geteilt werden soll.

Derzeit ist die Finanzierung der Energieforschung 70% privat und 30% öffentlich, mit Ausnahme der nuklearen Forschung. Die EU argumentiert, dass ein "signifikanter Anstieg" in der öffentlichen Finanzierung nötig ist.

Bei Projekten, bei denen die Risiken höher sind, sollte die öffentliche Finanzierung eine große Rolle spielen, sagt die Kommission.

Um das Niveau der Interventionen zu optimieren, fördert sie die Verwendung von EU-Programmen, insbesondere dann, wenn es einen klaren Mehrwert auf EU-Ebene gibt, zum Beispiel in Fällen, in denen die Programme für einen einzelnen Mitgliedsstaat zu teuer sind. Derzeit befinden sich 80% der öffentlichen Investitionen in nicht-nukleare Energie-Forschung auf nationaler Ebene. 

Obwohl die Mitteilung keine neuen EU-Mittel bekannt gibt, argumentiert sie, dass "eine Erhöhung des Anteils der öffentlichen Investitionen benötigt wird".

Janez Potočnik, EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung wies darauf hin, dass die Kommission für Leitlinien für Investitionen vorgesehen hat, während es Sache der Unternehmen und der Mitgliedsstaaten sei, erhöhte Summen zu liefern.

"Es wäre eine Überbewertung zu behaupten, dass die Antwort im Haushalt der Europäischen Union liegen würde", sagte er. Er fügte hinzu, dass die EU bereits eine Reihe von Finanzierungsinstrumenten hat, um CO2-arme Technologien unterstützen zu können.

Die 300 Millionen Beihilfe für die "Reserve für neue Marktteilnehmer", Teil des EU-Emissionshandelssystem (EU ETS, siehe EurActiv Links Dossier) wird den Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen, um CCS und erneuerbare Technologien zu kommerzialisieren, so die Mitteilung.

Darüber hinaus können Gemeinschaftsprogramme, so wie das europäische Energieprogramm für die Aufschwung und das 7. Rahmenprogramm (RP7) verwendet werden, um technologische Risiken auszugleichen, heißt es. 

 

Stellungnahmen: 

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hat darauf hingewiesen, dass frühere industrielle Revolutionen gezeigt haben, dass richtige Technologien das Leben der Menschen zum Besseren verändern können. „Heute haben wir die einmalige Gelegenheit ein Energiemodell, das auf umweltschädlichen, knappen, riskanten und fossilen Brennstoffen beruht in ein sauberes, nachhaltiges und weniger abhängiges umzuwandeln“, erläuterte er.

Janez Potočnik, Kommissar für Wissenschaft und Forschung, forderte verstärkte Investitionen für die Erforschung sauberer Technologien, um den Weg nach Kopenhagen und darüber hinaus zu ebnen. „Mit den heutigen Schätzungen will die Kommission den SET-Plan als Sprungbrett für eine CO2-arme Wirtschaft gestalten. Das ist jedoch nur möglich, wenn öffentliche und private Akteure ihre Ressourcen miteinander verbinden.“

"Intelligente Investitionen in der heutigen Forschung zu erhöhen ist eine Chance, um neue Quellen des Wachstums zu entwickeln, die unsere Wirtschaft grüner gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit der EU gewährleisten, sobald wir aus der Krise kommen", so der Kommissar.

Joaquín Almunia, Wirtschafts- und Währungskommissar,  machte geltend, dass zur Deckung der Investitionen für die Entwicklung erneuerbarer Energien eine breite Palette von Finanzinstrumenten benötigt wird. "Die Kommission und die Europäische Investitionsbank haben bereits deutlich mehr Mittel für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Aber wir müssen mehr öffentliche und private Mittel mobilisieren. Wir schlagen vor, die Finanzierungsfazilität mit Risikoteilung wieder einzuführen, weitere Risikokapital–Unterstützung, den Ausbau des Fonds Marguerite sowie weitere Mittel zu verstärken", sagte er.

Greenpeace  kritisierte die Kommission für die Vorlage einer inkonsistenten Strategie, die einerseits Energieeffizienz und erneuerbare Energien fördert, jedoch andererseits Subventionen für Atom- und Kohle-Technologien "für den Einsatz in zentralisierten und unflexiblen Stromnetzen vorschlägt".

"Die Kommission sitzt wieder einmal zwischen zwei Stühlen, wie sie in die Energiesysteme investiert. Sie erkennt die Notwendigkeit für erneuerbare Energien und Effizienz, aber beugt sich auch dem Druck, in veraltete Technologien wie Kohle und Kernenergie zu finanzieren. Es ist an der Zeit für die EU das Energie-System der Zukunft zu wählen und Investitionen in das alte System zu beenden ", sagte Frauke Thies, Greenpeace-Expertin für EU-Energiepolitik.

Nächste Schritte: 
  • 21-22 Oktober: Konferenz zum SET-Plan in Schweden.
Hintergrund : 

Im November 2007 schlug die Europäische Kommission einen Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan) vor, um die EU-Ziele, Zuwachs der erneuerbaren Energien und Reduktion der CO2-Emissionen, zu erreichen. Die Kommission hofft, dass eine kohärente Strategie die Zusammenarbeit fördern sowie Europas Dynamik bei der Investition in der Energieforschung neu beleben wird.

Der SET-Plan fordert eine verstärkte Zusammenarbeit auf europäischer Ebene der Investitionsförderung und schläft folgende neue Maßnahmen vor:

  • Europäische Industrie-Initiative für Wind-, Solar- und Bioenergie, aber auch für Kernspaltung, CCS und Stromnetze. Die Initiativen werden „auf unterschiedlicher Weise“ finanziert, wie Öffentlich-Private Partnerschaften, Bündelung von Ressourcen zwischen Mitgliedsstaaten und anderen Maßnahmen, die in der Januarmitteilung des EST-Plans vorgeschlagen wurden (EurActiv vom 20. November 07);
  • Eine europäische Forschungsallianz zur Koordinierung zwischen Universitäten und spezialisierten Instituten;
  • Die Einrichtung einer hochrangigen Lenkungsgruppe für strategische Energietechnologien;
  • ein neues Energietechnologie-Informationssystem, und
  • die Organisation eines europäischen Gipfels für Energietechnologie im Oktober   2009.
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