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EU-Minister bestätigen Agenda zur Versorgungssicherheit [DE]

Veröffentlicht 20. Februar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die EU-Energieminister bestätigten gestern deutlich, dass der Kommissionsentwurf zum Plan zur Energiesicherheit, der sechs Infrastrukturprojekte, Effizienzmaßnahmen und einheimische Energiequellen wie erneuerbare und Atomenergie umfasst, um eine verlässlichere Versorgung sicherzustellen. Es gibt allerdings noch Ungereimtheiten in der Finanzierung der Projekte.

Der Energierat nahm die zweite Überprüfung der Energiestrategie mit deutlicher Mehrheit an und bekräftigte somit erneut die Unterstützung für sechs Infrastrukturprojekte, die Gas- und Elektrizitätsnetze besser verbindet und Off-Shore Windparks fördert:

  • Einen südliche Gaspipeline, deren Verlauf noch unklar ist
  • Investitionen in neue Flüssiggas-Verladeterminals
  • Ausbau der Elektrizitätsverbindungen in die baltischen Staaten
  • Vollendung eines Mittelmeer-Energierings
  • Nord-Süd Gas- und Stromverbundsleitungen in Mittel- und Südosteuropa
  • Entwicklung eines Stromnetzes in der Nordsee

Die Minister wiederholten auch die Forderung nach einer Energiestrategie für die Beziehungen zu EU-Nachbarn, unter besonderer Berücksichtigung der besseren Kooperation mit Russland, den Ländern entlang der südlichen Gaspipeline und in der Mittelmeerregion.

Erneuerbare Energien, CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) und Atomenergie wurden ebenfalls als wichtige Teile einer zukünftigen Energiesicherheit, hervorgehoben.

Mit Blick auf die momentane Finanzkrise, riefen die Minister die Kommission dazu auf, eine Finanzierungsinitiative für nachhaltige Energiegewinnung in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investment Bank (EIB) zu starten, um Mittel für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und für den Ausbau von sauberen Energiequellen, aufzubringen.

Uneinigkeiten über Umverteilung von EU-Geldern bestehen weiter

Beim Mittagessen diskutierten die Minister die Umverteilung von 3,57 Milliarden Euro, die aus dem letzten Budget übrig geblieben waren. Laut einem Plan der Europäischen Kommission soll dieses Geld nun für den Ausbau von Strom- und Gasverbundleitungen, Offshore-Windparks und Technologien zur CO2-Abscheidung und Speicherung verwendet werden (EurActiv vom 29. Januar 2009).

Die Kommission hatte ihre Pläne am Vorabend des Ministertreffens noch verändert, um einigen Mitgliedstaaten entgegenzukommen, die das geringe Ausmaß von Investitionen in ihr eigenes Land beklagt hatten. Der überarbeitete Vorschlag sieht nun weniger Geld für die CO2-Abscheidungs- und Speicherungstechnologie vor (200 Millionen Euro anstatt 250 Millionen) und auch der für die Nabucco-Pipeline vorgesehene Betrag von 250 Millionen Euro wurde auf 200 Millionen gekürzt.

Deutschland, die Niederlande und Großbritannien seien die größten Verlierer in der überarbeiteten Fassung, erfuhr EurActiv aus Regierungskreisen, während Frankreich, Italien und Belgien als Gewinner aus der Revision hervorgingen.

Mauri Pekkarinen, finnischer Wirtschaftsminister, sagte, es gebe eine generelle Zustimmung zu dem Projekt, aber viele Länder stellten die Entscheidung in Frage, keine Mittel für Maßnahmen zur Energieeffizienz bereitzustellen. Auch die fehlenden Mittel für den Bioenergiesektor wurden von einer Minderheit beklagt, unter anderem Frankreich, Finnland und Portugal.

Viele Minister, unter anderem der französische Jean-Louis Borloo, äußerten ihre Sorge über die Auswahl der Projekte und stellten in Frage, in wie weit diese zur kurzfristigen wirtschaftlichen Erholung beitrügen. Die Kommission meint, bis 2010 werde eine beträchtliche Anzahl von Projekten gestartet, Borloo und andere erwiderten jedoch, dass dies nur für die wenigsten Mitgliedstaaten der Fall sei.

Das Wirtschaftspaket wird am Montag bei einem Treffen der EU-Außenminister wieder diskutiert werden, wo die Liste der Projekte wahrscheinlich weitere Uneinigkeit hervorrufen und weitere Veränderungen unterlaufen wird.

Stellungnahmen: 

Die französische Europaabgeordnete Anne Laperrouze (Liberale), Berichterstatterin des Parlamentes für die zweite Überprüfung der Energiestrategie, drückte ihre Zufriedenheit darüber aus, dass die Beschlüsse des Rates über das Paket, die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele ihres Berichtes bestätigten. Sie hoffe, dass die Energieminister fähig sein werden, die Finanzminister, die zurzeit über die Finanzierung des Rettungsplanes murren. Man müsse sie besonders von der Energiekomponente des Planes zu überzeugen, die sowohl das breitere Ziel der Energiesolidarität, als auch die Notwendigkeit der Diversifizierung der Versorgungsquellen umfasse.

Der tschechische Minister für Handel und Industrie, Martin Říman, dessen Land zurzeit die Ratspräsidentschaft der EU stellt, sagte, dass die Überprüfung der Energiestrategie klare Aussagen darüber mache, wie die Mitgliedstaaten ihre langfristige Energieversorgung sicherstellen sollten. Erfahrungen mit der Gaskrise hätten gezeigt, dass die Umverteilung eines Teiles der für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung gedachten Ressourcen auf den Energiesektor, eine weit blickende Entscheidung gewesen sei, sagte er. Weiter fügte er hinzu, dass das Ziel des Treffens nicht gewesen sei, konkrete Projekte auszuwählen, sondern eine Expertendiskussion über die technischen Kriterien der Projekte zu starten, so dass sie mit den Zielen des Europäischen Konjunkturprogramm übereinstimmten.

Die Europäische Vereinigung für Windenergie (EWEA) begrüßte die Unterstützung des Rates für Offshore-Windanlagen, die von dem geplanten Nordseenetz profitieren würden. In ihren Schlussfolgerungen bestätige der Rat die Notwendigkeit, sich stärker einheimischen Energieressourcen zuzuwenden, erneuerbare Energien zu weiterzuentwickeln und Hindernisse für die Energiegewinnung aus nachhaltigen Ressourcen abzubauen. Diese Handlungen seien essentiell in der Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energien und so in zur Verbesserung der EU-Energiesicherheit. Außerdem sei es sinnvoller Geld in die heimischen Märkte zu investieren, als es für Benzinimporte aus instabilen Regionen auszugeben, sagte der Chef der EWEA Christian Kjaer. 

Reaktionen von Umweltlobbyisten waren weitaus weniger positiv. Greenpeace kritisierte, dass es den Schlussfolgerungen der Energieminister an klaren Schwerpunkten fehle. Die so genannte Überprüfung der Energiestrategie unterstütze einen widersprüchlichen Mischmasch an Energietechnologien, sagte Frauke Thies, Greenpeace Aktivistin für EU-Energiepolitik. Sie wies darauf hin, dass die Unterstützung der Minister für Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Ausbau von erneuerbaren Energien im Kontrast zu ihrer konstanten Unterstützung von kohleabhängigen Technologien und Atomenergie stehe, die für die Fortsetzung eines zentralistischen und unnachhaltigen Energiemodells stehe. 

Nächste Schritte: 
  • 23. Februar: Die EU Außenminister werden das Konjunkturprogramm besprechen.
  • 19-20 März: Europäische Frühlingskonferenz EU-Frühjahrsgipfel, um die zweite Überprüfung der Energiestrategie anzunehmen.
Hintergrund : 

Im November 2008 stellte die Europäische Kommission ihre zweite Überprüfung der Energiestrategie  vor. Ziel der Richtlinie ist, die Sicherung der Energieversorgung und die Definition von Prioritäten von Themen im Energiesektor, die die nächste Kommission angehen soll.

Das Europaparlament erklärte im Februar seine Zustimmung zur Überprüfung und rief die EU-Regierungen dazu auf, einen neuen „ehrgeizigen und weitsichtigen“ Plan zur Diversifizierung des Energiemixes“ zu verabschieden.

Die Überprüfung fordert die Erweiterung der Gasversorgungslinien der EU. Als Quelle soll, wenn die politische Situation es erlaubt, die kaspische Region dienen, außerdem erwähnt werden die South-Stream und die Nabucco Pipeline, die nach der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine die Gasversorgung Europas sichern soll (siehe das EurActiv Links Dossier zu „Pipeline-Politik“)

Als Teil eines Konjunkturplans schlug die Kommission außerdem die Umverteilung von fünf Milliarden Euro aus nicht verwendeten EU-Fördermitteln vor. Die Mittel sollen nicht mehr in die Landwirtschaft, sondern stattdessen in Investitionen im Energiebereich fließen und die Verbreitung von Breitbandinternetanschlüssen in ländlichen Regionen vorantreiben (EurActiv vom 11. Dezember 2008)

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