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EU schließt Finanzierung von Nabucco-Gaspipeline aus [DE]

Veröffentlicht 28. Januar 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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EU-Energiekommissar Andris Piebalgs erklärte, es werde keine europäischen Gelder für das Vorzeigeprojekt der Union, den Bau der Pipeline, geben. Er wies damit bei einem zweitägigen ‚Nabucco-Gipfel’ in Budapest die Forderungen Ungarns zurück. Der Gipfel war angesichts der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine organisiert worden. Mit Beiträgen von EurActiv Ungarn.

Beim Gipfel beschrieb der ungarische Premierminister Ferenc Gyurcsány Nabucco als eine Frage der nationalen Sicherheit und schlug vor, die EU solle das strategisch wichtige Projekt finanzieren.

Der ungarische Gastgeber des Gipfels forderte außerdem die Einrichtung eines ‚Internationalen Nabucco-Gremiums’ und deutete an, dass Budapest über die Mittel verfüge, um den Sitz für eine solche Institution bereitzustellen. Er betonte zudem, die EU müsse den Förder- und Transitländern, die an Nabucco beteiligt sein sollten, weitere Zusagen machen, da jene nicht einfach nur Lieferanten sein wollten.

Der zweitägige Gipfel versammelte die Staats- und Regierungschefs und die Energieminister von zwölf Ländern, außerdem nahmen auch Vertreter der Europäischen Kommission und Finanzinstitutionen teil. Ziel des Gipfels war die Wiederaufnahme des EU-Vorzeigeprojekts angesichts der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine.

Anfangs hatte Piebalgs noch erklärt, man werde die Position von Premierminister Gyurcsány berücksichtigen. Später machte er jedoch deutlich, dass die Union die Pipeline nicht finanzieren werde. 

Er glaube, die EU könne bei der Beschaffung von Krediten für das Projekt helfen, meinte Piebalgs Reuters zufolge. Allerdings, sagte er, werde die EU nicht darüber hinausgehen, da dies keinen Sinn ergebe. Sonst sei es nicht mehr das Projekt des Konsortiums, sondern eine „öffentlich-private Partnerschaft“.

Er sei nicht bereit zu diesem Zeitpunkt eine solche Option auch nur in Erwägung zu ziehen, fügte Piebalgs hinzu.

Der EU-Energiekommissar fügte hinzu, dass eine Reihe offener Fragen zu Nabucco noch geklärt werden müssten. Wenn es bis Mai keine konkreten Antworten gebe, sei das Projekt in Gefahr, warnte er.

Auch keine Ausgleichszahlungen für Gaskrise

Gyurcsány drängte die EU zudem, eine gemeinsame Position bezüglich der Entschädigung für die Schäden, die durch die Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine entstanden seien, auszuarbeiten. Er zeigte sich sehr optimistisch und erklärte, die Mitgliedstaaten der Europäischen Union hätten verstanden, dass alle gemeinsam unter dem Schaden zu leiden gehabt hätten. Er forderte Tschechien im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft und die Kommission dazu auf, die Organisation zu übernehmen, damit die Mitgliedstaaten gemeinsame Schritte unternähmen.

Im Gespräch mit EurActiv Ungarn meinte Piebalgs jedoch, die Frage des Schadensersatzes werde in den Handelsverträgen geklärt. Er wies darauf hin, dass die Kommission „zuerst die genauen Ausmaße des Schadens kennen muss“ bevor sie in irgendeiner Weise einschreiten könne. Er warnte außerdem, dass es sich als sehr schwierig erweisen könnte, Ausgleichszahlungen zu erhalten, da sich die beiden Streitparteien gegenseitig die Schuld an der Krise geben. „Russland wird sagen, die Ukraine war Schuld, und die Ukraine wird sagen, Russland war Schuld“, so der Kommissar.

(Mit Informationen von Presseagenturen)

Stellungnahmen: 

Der tschechische Premierminister Mirek Topolánek, dessen Land derzeit die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft innehat, warnte auf dem Gipfeltreffen in Budapest vor alternativen Projekten zur Nabucco-Gaspipeline.

An der Nabucco-Gaspipeline sollten nicht nur ein paar Unternehmen oder eine handvoll Länder beteiligt werden. Es handle sich um ein strategisches Projekt, dass für den wirtschaftlichen Wohlstand und die politische Unabhängigkeit ganz Europas von grundlegender Bedeutung sei. Er könne ohne zu zögern behaupten, dass das Nabucco-Projekt von größter Bedeutung für die Freiheit des europäischen Kontinents sei, meinte Topolánek. 

Anschließend legte er seine Vorstellung von den Prioritäten der EU im Bereich Energie dar. Für den Moment habe sich die Ukraine weiter von Europa entfernt und sich Russland angenähert. Darum sei der Emanzipationsprozess in diesem strategisch wichtigen Land bedroht.

Mittelfristig habe die Krise Argumente für den Bau der Nord Stream und South Stream-Gaspipelines geliefert. Diese Routen würden die Ukraine (und Mitteleuropa) umgehen und die EU bliebe auch weiterhin stark von der russischen Energie abhängig. Das sei eine unmittelbare Bedrohung für das Nabucco-Projekt, so dass eine umsetzbare Möglichkeit für die Diversifizierung der Gasversorgung Europas verloren gehen könnte. 

Topolánek sagte, die Krise und die offenkundige Verletzlichkeit Europas dienten mit Blick auf den weltweiten Wettbewerb um Gas und andere Energiequellen zwischen den Ländern Südostasiens, Indien, China, Japan und Europa auf lange Sicht als Warnung. Künftig müsse Europa mit einer Stimme sprechen und eine klare Vorstellung seiner Energiepolitik haben. Sein vorrangiges Ziel als Vorsitzender des Europäischen Rates sei es, die Basis für eine solche gemeinsame Politik und für eine solche gemeinsame Vision zu schaffen.

Der türkische Energieminister Hilmi Güler verwies bei dem Treffen auf die Erfahrungen seines Landes mit der Umsetzung von Energieprojekten und sagte, die Türkei habe bereits dabei geholfen, die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline und die Baku-Erzurum-Pipeline zu errichten. 

Güler bot den europäischen Ländern seine Hilfe an. Man könne sogar auf das aktuelle Netzwerk zurückgreifen, um mit dem Nabucco-Projekt zu beginnen. Er bestand außerdem auf einen Sammelkaufmechanismus für kaspisches Gas („Caspian Development Corporation“), der die nötigen Gaslieferungen an die Türkei und nach Europa sicherstelle. 

Rumänien für South Stream 

Auch Rumänien, eines der möglichen Transitländer der Nabucco-Pipeline, sei für die South Stream-Pipeline Gazproms, schreibt EurActiv Rumänien heute. Ursprünglich sollte die South Stream-Pipeline nicht durch rumänisches Territorium verlaufen, jedoch unterbreitete Gazprom kürzlich einen Vorschlag in diese Richtung. Wie der rumänische Präsident Traian Băsescu allerdings vor kurzem bekannt gab, bevorzuge Rumänien, wenn die Nabucco-Pipeline zuerst gebaut werde. 

Sobald der Bau der Nabucco-Pipeline abgeschlossen sei, werde man sich für die South Stream-Pipeline, die durch rumänisches Territorium verlaufen solle, aussprechen, wurde Băsescu zitiert. 

Bulgarien besteht auf europäische Finanzierung von Nabucco-Projekt

Der Focus Agency zufolge sagte der bulgarische Premierminister Sergej Stanischew, Bulgarien und Ungarn würden die EU auffordern, die Umsetzung des Nabucco-Projekts zu finanzieren. Dem Sofia Echo zufolge sagte Stanischew, dass das Nabucco-Projekt beim Europäischen Rat am 19. und 20. März 2009 eines der wichtigsten Themen sein werde.

Stanischew und sein tschechischer Amtskollege und derzeitige Ratspräsident Mirek Topolánek diskutierten einen Vorschlag, der den Bau eines Flüssiggasterminals in der Nähe der griechischen Hafenstadt Kavala und dessen Verbindung mit Dimitrowgrad in Bulgarien vorsieht. Die beiden Premierminister diskutierten außerdem über eine gemeinsame europäische Energiepolitik und die Lektionen, die aus der Gaskrise gelernt werden können. 

Aserbaidschan unterstützt EU-Pipeline

Aserbaidschan, ein möglicher wichtiger Gaslieferant für die Nabucco-Erdgaspipeline, unterstützte das Projekt auch weiterhin und fordere die beteiligten Länder dazu auf, das Projekt voranzutreiben, sagte Präsident Ilham Alijew am Dienstag.

Was die Nabucco-Pipeline angehe, habe Aserbaidschan sich immer für das Projekt ausgesprochen. Und auch heute wolle man seine weitere Unterstützung zusichern, sagte Alijew bei einer Konferenz über das Projekt.

Philippe Maystadt, Präsident der Europäischen Investitionsbank, brachte Nachrichtenagenturen zufolge sein Interesse an dem Projekt zum Ausdruck, erinnerte allerdings, dass zusätzliche Informationen benötigt würden, um die Finanzierung zu sichern. Die Financial Times schrieb, die EIB sei bereit, bis zu 25% der Kosten für das Nabucco-Projekt zu übernehmen, das entspricht einer Summe von über 2 Milliarden Euro.

Nächste Schritte: 
  • Bis März 2009: Die an dem Projekt beteiligten Länder sollen Unterstützungserklärung abliefern. 
  • Mai 2009: Für noch offen stehende Fragen sollen konkrete Lösungsvorschläge gemacht werden.
  • Juni 2009: Möglicher Termin für eine Internationale Konferenz zum Nabucco-Projekt.
Hintergrund : 

Ziel des Nabucco-Pipelineprojekts ist es, die Abhängigkeit der EU von russischen Gasimporten zu mindern, indem Gas aus der kaspischen Region über den Balkan zu einem Knotenpunkt in Österreich gebracht wird.

Aserbaidschan wird als wahrscheinlichster Hauptgasversorger gehandelt; in Zukunft sollen aber auch Lieferungen aus dem Nahen Osten durch die Pipeline fließen. Das Gas soll dann durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Europa transportiert werden.

Die Inbetriebnahme der Pipeline ist eigentlich für 2013 vorgesehen, allerdings ist noch nicht sicher, ob sie überhaupt gebaut werden wird. Da der Privatsektor nach wie vor zögert, das Projekt zu finanzieren, ganz zu schweigen vom kurzen Krieg zwischen Georgien und Russland im August 2008, steht Nabucco eine unsichere Zukunft bevor (EurActiv vom 25. August 2008). 

Offiziell will die Europäische Kommission keine Rückschläge einräumen. Doch dem Projekt stehen viele Hindernisse im Weg, darunter auch die geplante Konkurrenzpipeline South Stream, die von der russischen Gazprom unterstützt wird. Führende Energieexperten warnten kürzlich angesichts der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine vor einer Reihe von Problemen für die Durchführung des Nabucco-Projekts (EurActiv vom 20. Januar 2009). 

Dem Nabucco-Konsortium gehören mehrere führende europäische Energieunternehmen an: OMV aus Österreich, MOL aus Ungarn, RWE aus Deutschland, Bulgargaz aus Bulgarien, Transgaz aus Rumänien und Botas aus der Türkei. Drei der Konsortiumsmitglieder – OMV, MOL und Bulgargaz – haben allerdings auch ihre Beteiligung an der South Stream-Pipeline von Gazprom zugesagt, so dass die Frage aufkam, ob es nicht zu einem Interessenkonflikt kommen könnte und wie sehr sie sich dem Nabucco-Projekt tatsächlich verpflichtet fühlen.

Mehrere EU-Regierungen, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, die enge Beziehungen zum Kremel und langfristige Gasverträge mit der Gazprom haben, sind von der Notwendigkeit für eine neue Pipeline nicht überzeugt.

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