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Eine Mehrzahl der Mitgliedstaaten hat Widerstand gegen die Brüsseler Pläne einer "eigentumsrechtlichen Entflechtung" - die Bereiche Erzeugung und Netzbetrieb zu trennen - angekündigt. Dies scheint ein Sieg für Deutschland und Frankreich zu sein, die weitere Liberalisierung ablehnen.
Die Europäische Kommission hat schon lange deutlich gemacht, dass sie eine eigentumsrechtliche Entflechtung befürwortet. Diese Lösung erscheint der Kommission der geeignetste Weg, fairen Wettbewerb im sich öffnenden europäischen Strom- und Gassektor zu gewährleisten und somit letztendlich niedrigere Preise für die Verbraucher.
Während des Frühjahrsgipfels am 8. und 9. März haben die Staats- und Regierungschefs der EU diesen Ansatz teilweise unterstützt
und die Notwendigkeit einer „wirksamen Trennung der Versorgung und Erzeugung vom Betrieb der Netze (Entflechtung) auf der Grundlage unabhängig organisierter und angemessen regulierter Strukturen“.
Aufgrund des Beharrens Frankreichs und Deutschlands und anderer Staaten, die weitere Liberalisierung ablehnen, wurde auch folgende Formulierung aufgenommen: „Dass der erste Schritt … darin besteht, sicherzustellen, dass die geltenden Binnenmarktvorschriften für die Öffnung der Erdgas- und Elektrizitätsmärkte rechtzeitig und uneingeschränkt nach Geist und Buchstabe umgesetzt werden“.
Die Energieminister haben die Pläne, große integrierte Energieunternehmen wie EDF in Frankreich und E.ON in Deutschland zu entflechten, abgelehnt. Die Kommission muss also von vorne anfangen und für September neue Vorschläge ausarbeiten.
Bei einem Treffen am 6. Juni in Luxemburg, bei dem über die Zukunft der Liberalisierung der Energiemärkte diskutiert wurde, stimmten die Minister darin überein, „dass bei der Frage nach einer wirksamen Entflechtung (Unbundling) des Netzbetriebs von der Erzeugung und vom Vertrieb Handlungsbedarf besteht.“
Sie machten jedoch auch deutlich, dass die Entflechtung von Energiefirmen nur eine von mehreren Möglichkeiten sei, um den Wettbewerb anzukurbeln.
Vor allem sei die Entflechtung kein „Allheilmittel“, so der deutsche Wirtschaftsminister Glos in einer Pressemitteilung
.
Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos sagte in einer Pressemitteilung: „Wir haben der Kommission Anregungen mit auf den Weg gegeben. Ich erwarte, dass die Kommission diese bei der Ausarbeitung ihre Vorschläge für ein drittes Richtlinienpaket zum Strom- und Gasbinnenmarkt angemessen berücksichtigt.“
Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Energiekommissar Andris Piebalgs mit den Worten „Die Mehrzahl ist an diesem Punkt nicht auf meiner Seite“. Er fügte jedoch hinzu, dass er weiterhin die Auffassung vertrete, dass Entflechtung die beste Lösung sei, um fairen Wettbewerb und niedrigere Preise für die Verbraucher zu gewährleisten.
Großbritannien, das Entflechtung stark befürwortet, hatte im Vorfeld des Treffens seine Position in einem schriftlichen Dokument deutlich gemacht.
Ohne klare Trennung bestünde das Risiko, dass Netzwerkbetreiber nicht das Netzwerk weiter entwickeln würden, falls dies den Eintritt neuer Erzeuger und Betreiber als Wettbewerber der etablierten Betreiber ermöglichen würde. Großbritannien befürworte daher eigentumsrechtliche Entflechtung.
Laut dem britischen Dokument ist die Entflechtung vor allem im Gassektor erforderlich. Hier sei die Möglichkeit einer Diskriminierung stärker gegeben als bei Elektrizität da der Systembetreiber direkte Kontrolle über den Zugang zu Pipelines ausüben könnte und somit andere Unternehmen ausschließen könnte.
Der grüne Europaabgeordnete Claude Turmes betonte, dass die effektive Trennung der Erzeuger und Netzwerkbetreiber unerlässlich sei, um die Hemmnisse für Investitionen zu entfernen.
Netzwerkbetreiber, die nicht von den Erzeugern getrennt wären, hätten keinen Anreiz, das Netzwerk zu optimieren, um es für den Markt im Allgemeinen zu verbessern. Es bestünde kein Anreiz, in das Netzwerk zu investieren, um den Eintritt anderer Unternehmen zu erleichtern.
Diese Argumente scheinen Frankreich und Deutschland jedoch nicht zu überzeugen, die argumentieren, dass große Energieunternehmen besser geeignet sind, um Verträge mit mächtigen ausländischen Versorgungsunternehmen, wie die russische Gazprom, zu verhandeln.
Damit eine Entflechtung der eigentumsrechtlichen Verhältnisse effektiv sein kann, müsste sie von umfassenden Vorschriften begleitet werden, so ein französischer Diplomat im Vorfeld des Treffens. Er stellte in Frage, ob die Mitgliedstaaten dazu bereit wären, umfassende Vorschriften aus Brüssel anzunehmen.
Außer Frankreich und Deutschland lehnen auch Österreich, die Tschechische Republik, Griechenland, Luxemburg, die baltischen Staaten, die Slowakei und Ungarn den Vorschlag ab, so der Diplomat. Zu den Befürwortern gehören Großbritannien, die Niederlande und Irland.