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Ein außerplanmäßiges EU-Treffen am 8. Mai in Prag wird versuchen, den Stillstand des vorgeschlagenen „Südlichen Gaskorridors“ zu überwinden. EurActiv hat erfahren, dass die tschechische Ratspräsidentschaft alles daran setzt, Unterstützung für die Nabucco-Pipeline zu gewinnen.
Im März 2009 stimmten die Staats- und Regierungschefs der EU einem Plan zu, 3,75 Milliarden Euro auf Energieprojekte zu verteilen, die Europas Versorgungssicherheit garantieren sollten (EurActiv vom 20. März 2009).
Das Abkommen im März wurde erst nach wochenlangen Diskussionen zwischen EU-Mitgliedstaaten darüber welche Projekte Gelder zur Ankurbelung der Konjunktur erhalten sollten verabschiedet.
Deutschland war ursprünglich gegen jegliche Erwähnung des Nabucco Gaspipelineprojektes, gab aber auf Druck seitens zentral- und osteuropäischer Länder nach, die dies als entscheidend für ihre Versorgungssicherheit betrachteten.
Das Prager Treffen am 8.Mai war ursprünglich als hochrangige Veranstaltung geplant, bei der EU-Staats- und Regierungschefs anwesend sein sollten. Jedoch wurde es später zu einer „EU-Troika“ heruntergestuft, die die tschechische Ratspräsidentschaft, die Europäische Kommission und das Generalsekretariat des Rates zusammenbrachte.
Die geladenen Länder zur Teilnahme am Prager Südgaskorridortreffen umfassen Aserbaidschan, die Türkei, Georgien, Turkmenistan und Kasachstan.
Die EU-Mitgliedsstaaten und die Türkei werden aufgefordert ein anstehendes Abkommen über die Nabucco-Pipeline zu beschleunigen, damit dieses bis Juni 2009 unterzeichnet werden kann, so die Abschlussentwürfe, des Treffens die EurActiv vorliegen.
Das Prager Treffen, das von der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft organisiert wurde, wird Repräsentanten aus Aserbaidschan, der Türkei, Georgien, Turkmenistan und Kasachstan, sowie den EU-Institutionen zusammen bringen. Kein Staatsoberhaupt wird anwesend sein, obwohl die Organisatoren es einen „Gipfel“ nennen.
In Prag wird die tschechische Ratspräsidentschaft für ein zwischenstaatliches Abkommen über die ITGI Gaspipeline bis zum Ende des Jahres 2009 eintreten, das Griechenland mit Italien verbinden würde. Das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase, erhielt aber die Unterstützung
von Griechenland, Italien und der Türkei im Jahr 2007.
Das Treffen wird nach dem Entwurf der Erklärung versuchen, die Idee einer Pipeline zu fördern, die Erdgas unter dem Kaspischen Meer von Turkmenistan nach Baku, der aserbaidschanischen Hauptstadt liefert. Diese so genannte „Transkaspische Verbindung“ wird als wichtiger Baustein für Nabucco angesehen, da sie helfen würde, die Pipeline mit dem benötigtem Gas zu befüllen, welches nötig ist, um das Projekt wirtschaftlich zu machen.
Konzept für „Südlichen Gaskorridor” muss noch definiert werden
Trotzdem sieht es so aus, als ob die EU-Staaten sich noch darauf einigen müssten, welche Projekte genau den „Südlichen Gaskorridor” ausmachen sollen.
Im letzten Jahr hatte die Europäische Kommission eine Zweite Strategische Energieüberprüfung (Second Strategic Energy Review
) angekündigt, die dazu aufrief die Gasversorgung der EU in der kaspischen Region auszuweiten, sobald politische Umstände dies zuließen. Der Bericht nannte die Pipelineprojekte Nabucco, Türkei-Griechenland-Italien und South Stream als mögliche Alternativen zu russischem Gas in der Folgezeit der Gaskrise im letzten Januar zwischen Moskau und Kiew.
Allerdings wurde der Südliche Gaskorridor nicht exakt definiert. Ein Spitzendiplomat von einem der größten EU-Mitgliedsstaaten sagte, dass noch nicht klar sei, was genau mit dem Ausdruck bezeichnet werden sollte.
Das Treffen in Tschechien wird versuchen Klarheit zu schaffen und ein Entwurf für den Gipfel schlägt vor, dass die Hauptidee sei, das Konzept in breit auslegbaren Art und Weise zu formulieren.
Das Konzept des Südlichen Gaskorridors ergänzen die existierenden Energiepartnerschaften und Projekte der EU und sei auf einer Fall zu Fall Basis für die Teilnahme und Unterstützung durch Dritte offen.
Es definiert den Südlichen Gaskorridor als eine „moderne Seidenstraße“, die Länder und Menschen in der Region verbinde und als Katalysator für weitere Zusammenarbeit in anderen Gebieten, unter anderem für den Transport, angesehen werden könne.
Konkurrierende Projekte
Unterdessen verstärken konkurrierende Projekte in der Region ihre Kampagen, um politische Unterstützung von der EU zu bekommen. Während Nabucco das meist erwähnte Projekt ist, streben andere danach sich Gehör zu verschaffen.
Im Februar 2008 ist StatoilHydro, der norwegische staatliche Energiekonzern dem transadriatischen Pipelineprojekt TAP beigetreten
, einem Joint-Venture mit dem schweizerischen Konzern EGL, das den Bau einer 520 Kilometer langen Pipeline, die Albanien und Italien verbindet, einleiten wird.
Die Pipeline würde Gas über Griechenland und Albanien über die Adria in die süditalienische Region Apulien und weiter nach Westeuropa liefern. Eine Verbindung mit dem existierenden Pipelinenetzwerk der Türkei würde es der Pipeline erlauben sich mit potentiellen Versorgern in der Region am kaspischen Meer zu verbinden, unter anderem mit Iran und Aserbaidschan.
Die Gastransportkapazität der TAP-Pipeline wird ca. 10 Milliarden Kubikmeter jährlich umfassen, mit der Option sie auf 20 Milliarden Kubikmeter zu erweitern, sagte TAP in einer Erklärung die letztes Jahr nachdem Beitritt von StatoilHydro herausgegeben wurde. Die Pipeline solle frühestens ab 2011 betriebsfähig sein, was auch von der Transportnachfrage abhängen werde, so die Erklärung.
Die Anwesenheit des norwegischen Gasgiganten und dem Joint-Venture könnte das Interesse der EU-Länder am TAP-Projekt erhöhen. StatoilHydro ist bereits ein verlässlicher Partner von Erdgas an Europa und ist nach Russland der zweitgrößte.
Eventuell noch wichtiger könnte sein, dass der Konzern einen 25,5-prozentigen Anteil in Shah Deniz
besitzt, einem bedeutenden Gasfeld im aserbaidschanischen Teil des kaspischen Meeres, was TAP zum ernsthaften Bieter für Infrastrukturprojekte in der Region macht.
Der Beitritt zu dem Projekt solle als Schritt betrachtet werden in Europa einen attraktiven Absatzmarkt für das Gas aus Shah Deniz zu finden, sagte Rune Bjørnson, Vizepräsident der Abteilung für Ergas bei StatoilHydro. Der britische Ölgigant BP besitzt ebenfalls einen Anteil von 25,5 Prozent an Shah Deniz und ist der einzige Betreiber auf dem Feld.
Die Produktion auf dem Gasfeld von Shah Deniz began im Jahr 2006. Die zweite Entwicklung des Feldes verdankt ihr Entstehen dem Fund von zusätzlichen Reserven, so TAP in einer Erklärung im Februar 2008. Dies bedeute, dass die Entwicklung schneller stattfinden könnte, wenn alle Bedingungen erfüllt seien, so Industriequellen.
Robert Klein, Projektleiter bei TAP sagte, dass das Projekt das „fehlende Glied“ für den südlichen Gaskorridor sei, da es sich auf eine angemessene Summe von ca. 1,5 Milliarden Euro belaufe und sich in einem angemessenen Zeitrahmen befinde. Er sagte, das einzige verbleibende Hindernis sei eine Entscheidung der Türkei, sein existierendes Pipelinenetzwerk zu erneuern und den Bedingungen für die Nutzung von Dritten zuzustimmen.