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G8-Gipfel: Atomenergie für Schwellenländer? [DE][en][fr

Erschienen: Dienstag 11. Juli 2006   

Bei dem Treffen der sieben führenden Industrieländer und Russland (G8) vom 15. bis 17. Juli in St. Petersburg wird die Frage nach der Ausbreitung von Atomenergie in Schwellenländer wie China ganz oben auf der Agenda stehen. 

Hintergrund:

Um dem schnell steigenden Energiebedarf in China und anderen Schwellenländern zu begegnen und gleichzeitig die globale Erwärmung bekämpfen zu können, wird auf dem G8-Gipfel diskutiert werden, inwieweit man die Atomenergie in diesen Ländern einführen sollte.

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Mit Blick auf den G8-Gipfel sagte ein EU-Vertreter am 10. Juli, dass der Energiebedarf der Schwellenländer bald so stark steigen würde, dass er  mit den Bemühungen Europas, die globale Erwärmung aufzuhalten, nicht vereinbar sei.  

Daher müsse man die Entwicklung von Atomenergie dringend besprechen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit der Anlagen, der geopolitischen Sicherheit und der Nichtverbreitung von Kernwaffen, fügte der EU-Vertreter hinzu und bezog sich auf den derzeitigen Verhandlungsstillstand über Irans Urananreicherungsprogramm.  Egal wo man hinschaue, die Atomenergie finde man überall.  Dies könne nicht ignoriert werden, sagte er abschließend.

Am 17. Juli werden sich die Staats- und Regierungschefs der G8-Länder im Rahmen des so genannten „Outreach-Dialogs“ mit Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika treffen.  Bei diesem Treffen werden die G8-Staaten den Schwellenländern einen Entwurf für eine Erklärung über die Entwicklung von Atomenergie als Teil eines gemeinsamen Energiesystems zwischen den Industrieländern und den Schwellenländern vorgelegen.

Ein Entwurf dieser Erklärung wurde am 9. Juli vom  Sunday Herald external veröffentlicht.  In diesem heißt es, dass die Verbreitung der Atomenergie den Wohlstand und die weltweite Energiesicherheit fördern würde. Gleichzeitig würde sie einen positiven Beitrag zur Begegnung der Herausforderungen des Klimawandels leisten. Dies solle über ein Netzwerk internationaler Zentren erfolgen, welches Dienstleistungen im Bereich der Aufbereitung der Kernbrennstoffe (z.B. Urananreicherung) anbieten solle, um der Verbreitung von Kernwaffen entgegenzuwirken.

Die Erklärung soll Bestimmungen beinhalten, die für mehr Markttransparenz und Offenheit sorgen werden und grundlegende Marktregeln für die internationalen Energiebeziehungen festlegen.  

Positionen:

Russland hat vorgeschlagen, sein Fachwissen über Atomenergie für die Massenherstellung von Atomkraftwerken zu verwenden, die  dann weltweit verkauft werden könnten.  Diese Atomkraftwerke würden in Russland produziert werden und anschließend entweder auf eine spezielle Seeplattform befestigt werden oder auf einem Frachtkahn in jeden beliebigen Teil der Welt geschleppt werden, erklärte Mikhail Kovalchuk, Direktor des Kurchatov Forschungsinstitutes, in einem Beitrag zum G8-Gipfel.

Kovalchuk sagte, dass mit dieser Technik nicht nur die Bauzeit reduziert würde, sondern die Werke auch kontrollierbarer und verständlicher werden würden.  Das innovative dieser schwimmenden Atomkraftwerke bestehe in der  Massenproduktion der Reaktoren, einer originelle Lösung für die Frage der Nichtverbreitung von Kernwaffen, und die Verwendung des Leasing-Konzepts in der Atomindustrie, fügte Kovalchuk hinzu.

Auch Foratom, das europäische Atomforum, zeigte sich von der positiven Rolle, welche die  Atomenergie aufgrund ihrer relativen Zuverlässigkeit, niedrigen Kosten und ihrem Beitrag zur Eindämmung der globalen Klimaerwärmung spielen könne, begeistert.  Durch Atomenergie könne Energie erzeugt werden, bei welcher praktisch keine klimaschädlichen Treibhausgasemissionen entstünden,  erläuterte Foratom.

Laut Foratom entstehen in der Prozesskette von Atomenergie weitaus weniger Treibhausgase als bei erneuerbaren Energien. Die Treibhausgasemissionen der gesamten Energieversorgungskette (einschließlich des Kraftstoffverbrauchs beim Abbau, der Verarbeitung und des Transports der Kernbrennstoffmaterialien sowie beim Bau eines Atomkraftwerkes und dessen Stilllegung) liegen zwischen 2,5 und 2,7 gCeq/kWh (Treibhausgase ausgedrückt in x Gramm äquivalentem Kohlenstoff (gCeq) pro Kilowattstunde (kWh)).  Im Vergleich hierzu würden bei der fossilen Kraftstoffkette zwischen 105 und 366 gCeq/kWh produziert und bei erneuerbaren Energien zwischen 2,5 und 7,6 gCeq/kWh.

Der wirtschaftliche Wert der Atomenergie wird jedoch von Wissenschaftlern der irischen Stiftung Foundation for the economics and sustainability (FEASTA)  angezweifelt.  Jeder Schritt der Kernspaltung brauche Energie und ein Großteil dieser Energie werde schließlich aus fossilen Kraftstoffen gewonnen, sagte FEASTA.  Atomenergie ist daher ein massiver Nutzer von Energie und eine beträchtliche Quelle für Treibhausgase, hieß es weiter.

Des Weiteren werden bei der Berechnung der Energiekosten andere Kosten,  wie beispielsweise die der Entsorgung, nicht berücksichtigt.  Die Tage der Atomenergie seien gezählt, da  bislang weder das Geld und noch die erforderliche Kraft gefunden wurde, Atommüllendlager zu bauen, noch Reaktoren stillzulegen.  Wenn man diese Aufgaben nicht berücksichtige,  beliefe sich die Menge fossiler Brennstoffe, die für die Herstellung von einer Stromeinheit benötigt werden, auf durchschnittlich nur 16 % der für die Stromerzeugung aus Gas erforderlichen Menge.

Greenpeace-Aktivisten sind der Ansicht, dass das vermeintliche Dilemma der Wahl zwischen entweder Atomenergie oder Klimawandel  falsch ist.  Atomenergie könne nur langsam hergestellt werden, sei dreckig, gefährlich und teuer, sagte Greenpeace in einem Weisungspapier im Mai 2006.  Des Weiteren sei die Atomenergie von Subventionen abhängig, einschließlich der Risikoübernahme der Baukosten, Betriebsleistung, der nicht-kraftstoffabhängigen Ablaufs- und Unterhaltungskosten, der Kosten für Kernbrennstoffe und Stilllegung, die Haftungsobergrenzen sowie die Sicherheit, dass die Leistung zu einem garantierten Preis verkauft wird, sagte die Umweltorganisation.

Daher sollten die Investitionen in Energieeffizienz und die zahlreichen Technologien der erneuerbaren Technologien fließen, welche eine sichere, saubere und kostengünstige Energie sichern.

Nächste Schritte:

  • 15. – 17. Juli 2006: G8-Gipfeltreffen in St. Petersburg
  • November 2006: EU-Russland-Gipfel

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