Abgeordnete fast aller Fraktionen im Europäischen Parlament haben eine Grüne Wasserstoffcharta vorgelegt, in der sie die EU dazu auffordern, alle Kräfte zu bündeln, um bis 2025 den Übergang „zu einer vollständig integrierten grünen Wasserstoffwirtschaft“ zu vollziehen. Die Abgeordneten sind hierzu unter anderem von dem US-Autor Jeremy Rifkin („Die Wasserstoffwirtschaft“) inspiriert worden. Unter Verweis auf die hohen Ölpreise und den Klimawandel fordern die Abgeordneten die Ausstellung europaweiter Wasserstoff-Wertpapiere (‚Eurobond’), damit die Milliarden von Euro, die für den Aufbau einer Infrastruktur für eine grüne Wasserstoffwirtschaft erforderlich sind, aufgetrieben werden können.
Andere Initiativen auf EU-Ebene
Die Wasserstoffinitiative der Abgeordneten ist nicht die erster auf europäischer Ebene. Im Jahr 2002 erklärte die Kommission unter Präsident Prodi die Wasserstoffwirtschaft zu einer ihrer Prioritäten (Rifkin war persönlicher Berater von Präsident Prodi). Auf der Grundlage des Berichts einer hochrangigen Gruppe, die sich aus Industrieexperten zusammensetzte, rief die Kommission im Januar 2004 eine Plattform für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ins Leben. Im März 2005 präsentierte die Plattform ihre Forschungsagenda und Entwicklungsstrategie (siehe EurActiv, 17. März 2005).
Internationale Initiativen
In den USA hat die Bush-Administration für einen Zeitraum von fünf Jahren 1,8 Milliarden Dollar für eine Initiative zu Wasserstoffkraftstoff und ein ergänzendes Projekt, FreedomCAR, bereitgestellt. Die EU, die USA und andere Partner arbeiten gemeinsam an einer „internationalen Partnerschaft für die Wasserstoffwirtschaft“.
Herausforderungen
Das größte Problem, das mit Wasserstoff verbunden ist, besteht darin, dass es keine Energiequelle, sondern ein Energieträger ist. Wasserstoff muss daher aus anderen Energiequellen erzeugt werden (beispielsweise durch Elektrolyse oder Methan-Dampf-Reformierung). Eine Wasserstoffwirtschaft wird daher nun so sauber sein, wie die hierzu verwendete Energiequelle (Kohle, Atomenergie, Erdgas oder erneuerbare Energien). Im Gegensatz zur Kommission, haben die EP-Abgeordneten klargestellt, dass sie eine Wasserstoffwirtschaft auf der Grundlage erneuerbarer Energien errichten wollen.
Eine weitere Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit. Die Erzeugung von Wasserstoff ist noch immer sehr teuer. Laut des US Department of Energy müssten die Kosten für die Produktion von Wasserstoff um ein Vierfaches verringert werden, damit Wasserstoff aus Perspektive der Wirtschaftlichkeit überhaupt mit den heutigen fossilen Treibstoffen mithalten kann. Steigende Ölpreise könnte diese Situation allerdings ändern.
Eine Wasserstoffwirtschaft würde eine vollständig neue Energieinfrastruktur notwendig machen. Dies dürfte nach Schätzungen hunderte von Milliarden von Euro kosten.



