Die EU habe in den vergangenen zehn Jahren eine Deregulierungspolitik auf den Strommärkten verfolgt, habe sich dabei aber immer um Verlässlichkeit und Qualität bei der Energieversorgung bemüht. Erneuerbare Energien und die Übertragungseffizienz seien jedoch vernachlässigt worden, erklärte Keith Redfearn von GE Energy, wo er für Europa, den Nahen Osten, Afrika und Indien zuständig ist, gestern (8. Dezember 2009) in Brüssel.
Die dreifache Verpflichtung der EU, bis 2020 die CO2-Emissionen um 20% zu senken, 20% ihres Energiebedarfs aus erneuerbarer Energie zu decken und die Energieeffizienz um 20% zu steigern, überfordere das Stromnetz in seinem jetzigen Zustand, meint GE Energy. Ein ‚intelligentes Stromnetz’, bestehend aus einer Kombination von Software und Hardware zur effizienten Stromübertragung, sei ein wichtiger Teil der Lösung, so das Unternehmen. Außerdem könnten die Verbraucher so ihre Energienachfrage verwalten.
Derzeit sei es nicht möglich, den gesamten aus erneuerbaren Energiequellen gewonnenen Strom in das Netz einzuspeisen, da dieses nicht dafür nicht ausgelegt sei, meinte Redfearn. Intelligente Stromnetze könnten Stromflüsse aus vielen verschiedenen Richtungen berücksichtigen und so auch den aus erneuerbaren Energiequellen gewonnenen Strom übertragen, erklärte er.
Außerdem hätten Versuche in den USA gezeigt, dass intelligente Verbrauchszähler in den Haushalten den heimischen Energieverbrauch um 10% senken könnten, zu Spitzenzeiten sogar um 15%. Anfängliche Ergebnisse aus Großbritannien hätten Einsparungen von 8% ergeben, fügte Redfearn hinzu.
Er warnte, dass derzeit nur 20% der Technologie zur Einrichtung eines intelligenten Stromnetzes verwendet würden, obwohl schon 80-90% verfügbar seien. GE Energy stellte ein deutlich größeres Interesse an den neuen Technologien in den neuen EU-Mitgliedstaaten fest, die darum bemüht seien, ihre Versorgungsqualität auf westliches Niveau zu bringen.
Die Pläne der EU, im Februar neue Vorschläge zu veröffentlichen, um die Verwendung intelligenter Technologien im Kampf gegen den Klimawandel anzuregen (EurActiv vom 12. Dezember 2008), werden bei den Plänen zur Minderung der CO2-Emissionen vermutlich eine wichtige Rolle spielen. Viele Mitgliedstaaten müssen ihre veralteten Stromnetze reparieren oder sogar austauschen, während die Europäische Kommission meint, dass die Marktliberalisierung einen Anreiz biete, die Energieinfrastrukturen auf den neuesten Stand zu bringen (siehe EurActiv LinksDossier).
GE Energy sagt, ein solider Rechtsrahmen für den europäischen Strommarkt, der effiziente Energiedienstleister belohne, sei eine Grundvoraussetzung für Investitionen. Außerdem sollten die Regelungen in Europa vereinheitlicht werden.
Obwohl die Infrastruktur sich nicht über Nacht verändern werde, meinte Redfearn abschließend, Versuche hätten gezeigt, dass intelligente Technologien erfolgreich sein könnten. Deshalb glaube er, es sei Zeit, diese Technologien nun umzusetzen. Der Abteilungsleiter bei GE Energy geht davon aus, dass die aktuelle Wirtschaftskrise den Prozess weiter beschleunigen werde, da die Stromnetze das „Rückgrat der Wirtschaft“ und als solche prädestiniert seien, die Wirtschaft anzukurbeln.



