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22. November 2008
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Interview: Biokraftstoffe durch 'Größenproblem' behindert [DE][en

Erschienen: Mittwoch 18. Juli 2007   

Biokraftstoffe der ersten Generation, so wie Ethanol, müssten als ein "Trittstein" gesehen werden für die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Alternativen, wie beispielsweise aus Abfall gewonnene Kraftstoffe, da es nie möglich sein werde, die momentanen Biokraftstoffe in ausreichend großem Umfang herzustellen. Diese Meinung vertritt das Unternehmen UOP, ein führender Entwickler von Raffinerieprozessen und -technologien.

Hintergrund:

Beim Europäischen Rat im März 2007 versprachen die Staats- und Regierungschefs der EU, den Anteil von Biokraftstoffen im Verkehrsbereich vom gegenwärtigen Niveau von etwa 4% auf ein verbindliches Ziel von 10% bis 2020 anzuheben. Dies geschah unter der Bedingung, dass deren Produktion nachhaltig sei und dass die sogenannte „zweite Generation“ der Biokraftstoffe wirtschaftlich umsetzbar werde.
Diese zweite Generation der Biokraftstoff, die aus ligno-zellulosehaltigen oder ‚hölzernen’ Quellen gewonnen werden können, so wie Stroh, Holz, Holzspänen oder Dünger - anders als die erste Generation der Biokraftstoffe, so wie Ethanol, die von Futtersaat wie Mais, Zuckerrüben, Palmöl and Raps abhängig waren.

Die technischen Prozesse zur Umwandlung von ballaststoffreichen Materialien in flüssige Biokraftstoffe befinden sich noch in der Entwicklung, obwohl die Biokraftstoffe der zweiten Generation vielversprechender erscheinen in Hinsicht auf die ökologische Nachhaltigkeit: Sie erfordern keine Vergabe kultivierungsfähigen Lands und Futterpflanzen zur Energiegewinnung– eine Eigenschaft, von der die meisten meinen, sie würde die Lebensmittelpreise anheben, die biologische Vielfalt gefährden und zu großangelegter Abforstung führen. Es bleibt unsicher, wann sie erhältlich sein werden (EurActiv vom 24. Oktober 2006).

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Weitere Nachrichten:

Carlos Cabrera, Präsident und Vorstandsvorsitzender von UOP, eines der führenden Unternehmen für die Entwicklung und die Lizenzierung von Prozessen und Technologien zur Veredelung von Erdöl zu Endprodukten, glaubt, dass die Kraftstoffe der zweiten Generation eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von CO2-Emissionen im Verkerhsbereich spielen könnten. Aber in einem Interview mit EurActiv wies Cabrera auf eine Reihe von Herausforderungen hin, mit denen man sich zuvor auseinandersetzen müsse:

  • Weg von den Biokraftstoffen der ersten Generation und den “Größenproblemen” 

Die Kapazitäten der Biokraftstoffe, um zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen, werde nicht davon bestimmt, wie effektiv der Kraftstoff selbst sei, sondern von den Mengen des Kraftstoffs, die produziert werden könnten, sagte Cabrera. Während die erste Generation der Biokraftstoffe in der Lage seien, weniger CO2 als konventioneller Diesel und herkömmliches Benzin abzugeben, werde ihr Einfluss auf den gesamten Kraftstoffbereich für Verkehr zu vernachlässigen bleiben, in Vergleich zu ihrem Einfluss auf den Lebensmittelsektor. „Das ist das Größenproblem: Der Wert des Öls, das täglich verbraucht und veredelt wird, ist größer als das Potential des bestehenden Agrarsektors, um das Öl zu liefern. Es sei denn, man beginnt mit dem Abfall: Wenn man mit dem Abfall begänne, dann denke ich, dass dort eine nachhaltige Reduzierung stattfinden könnte. Die Hälfte, vielleicht zwei Drittel der CO2-Emission im Verkehrsbereich. Ein Verlust an Biodiversität und weitgreifender Abholzung, die auf lange Sicht zu einer Steigerung der CO2-Emissionen führen werden – sind auch ein Risiko für die Entwicklung der Biokraftstoffe der ersten Generation“, sagte Cabrera.


 

  • Forschung und Anreize

Cabrera rechtfertigte die langsame Entwicklung der Biokraftstoffe der zweiten Generation: „Die Natur zu verändern ist nicht einfach, auch wenn man es tun könnte. (…) Unglücklicherweise sind Technologien nicht vorhersehbar. Manchmal gibt es Durchbrüche, manchmal nicht.“ Aber er fügte hinzu: „Der wahre Grund, warum ich glaube, dass es so lange dauert, ist, um ehrlich zu sein, dass es keine Anreize gibt, es gibt keinen wirtschaftlichen Ertrag. Menschen müssen Ressourcen von anderen Orten verwenden, um in diese Technologien zu investieren, bei denen das Ergebnis zum derzeitigen Zeitpunkt unsicher ist. Und die Investitionen, die notwendig sind, sind enorm. Es ist ein schwieriges Problem.“ Er ist der Meinung, Anreize und Investitionen der Regierungen könnten helfen: „Man kann kein Wissen schaffen, solange man nicht genügend Ressourcen investiert. Man benötigt genügend kritische Masse, und ich denke, dass sich diese kritische Masse beginnt, zu entwickeln. Wenn Regierungen wirklich wollen, dass dies geschieht, brauchen wir zwei- oder dreimal so viele Investitionen wie heute.“

  • Benötigte Infrastruktur

Cabrera betonte, die Kommerzialisierung der Biokraftstoffe der zweiten Generation benötige nicht nur technologische Durchbrüche, sondern ebenso die Entwicklung einer vollkommen neuen Infrastruktur. „Sowohl die Technologien als auch die Logistik befinden sich noch immer in einer frühen Phase. Im Falle von ligno-zellulosehaltigem Abfall müsste man Millionen von Blättern sammeln; daher müsste man die entsprechende Infrastruktur haben, um all den landwirtschaftlichen Abfall zu sammeln, alle Baumstümpfe, alles Gras, das nicht verwendet wird etc., und dies zu einem Zentrum bringen, das es verarbeitet. Wir haben bereits daran gearbeitet, aber wir sind weit entfernt von einer wirtschaftlichen Lösung.“

  • Durchbrüche und Biotechnologie

Cabrera ist der Meinung, das Biotechnologie eine entscheide Rolle spielen könne, um einen Durchbruch bei der Entwicklung von Biokraftstoffen zu erreichen. „Es steht außer Frage, dass Biotechnologie – wenn erfolgreich – einen großen Einfluss haben kann, da man dann die Charakteristika des Produkts, mit dem man beginnt, grundlegend ändern könnte“, sagte er. Er betont dennoch, dass „dies wesentliche moralische und ethische Fragen mit sich bringt, ebenso wie Auswirkungen, die schwieriger vorauszusehen sind. Denn wenn man anfängt, die Art, wie Dinge wachsen oder reproduzieren werden, zu verändern, glauben Wissenschaftler, dass sie die Kontrolle über Dinge haben, aber ein Lebenszyklus ist der kompliziert.“

  • Ein umsetzbarer Zeitplan?

„Ich würde sagen, man ist von einer guten, soliden, umsetzbaren Technologie, die sich wirtschaftlich bewährt hat und eine Größe besitzt, die sich auf den Verkehrssektor auswirken kann, wahrscheinlich noch fünf bis zehn Jahre entfernt“, sagte Cabrera.

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