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30. August 2008
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Interview: Shell will öffentliche Mittel für CO2-Bindung [DE][en][fr

Erschienen: Freitag 18. April 2008   

Shell setzt sich für die Nutzung von Geldern der Steuerzahler in der EU ein, um die teuren Technologien für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung zu finanzieren. Letztere könnten dazu beitragen, dass die CO2-Emissionen, die aufgrund des in die Höhe schießenden weltweiten Energiebedarfs vermehrt produziert werden, nicht in die Atmosphäre gelangen. Jeremy Bentham, einer der Vizepräsidenten des Unternehmens, und Shells Chef-Ökonom Steven Fries sprachen nach der Präsentation der Energieszenarien des Unternehmens für 2008 in einem Interview mit EurActiv.

Hintergrund:

Shell stellte am 7. April 2008 in Brüssel seine Energieszenarien für 2008 vor (EurActiv vom 8. April 2008).

Die Szenarien beinhalteten zwei Möglichkeiten – das „Scramble“- und das „Blueprints”- Szenario. Sie stellen eine weltweite Reaktion auf die ‚harten Wahrheiten’ des steigenden Energiebedarfs, schwindende Energievorräte und zunehmende Umweltbelastung dar. 

Das Szenario „Scramble“ ist durch eine ‚Flucht hin zu Kohle’, einen Mangel an einer zukunftsweisenden Umweltpolitik und einen steigenden Wettbewerb um schwindende Ressourcen zwischen Staaten gekennzeichnet. Demgegenüber sieht das Szenario „Blueprints” bis 2020 einen Rückgang der CO2-Emissionen und einen wesentlichen Abfall auf das Niveau von 2000 bis 2050 vor.

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Der weltweite Energieverbrauch wird laut des „Blueprints“-Szenarios bis 2050 um mindestens 60% steigen. Daher sollten die öffentlichen Behörden sich darum bemühen, die Entwicklung von Technologien zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) zu finanzieren, sagen Jeremy Bentham, Vize-Präsident bei Shell, und Steven Fries, Shells Chef-Ökonom.

„Derzeit befindet sich die Politik in der EU in einer Situation, in der sie sagt ‚Wir brauchen [CCS-Demonstrationsprojekte], wir wollen diese Demonstrationsprojekte, wir haben keine Finanzierungsmechanismen’. Das funktioniert nicht. Man braucht diese Mechanismen, die private und öffentliche Finanzierung zusammenführen, damit diese Demonstrationsprojekte realisiert werden können“, sagt Bentham.

Bis Ende des Jahres wird von der Kommission erwartet, dass sie Empfehlungen zur Finanzierung von CCS vorlegt – als Teil einer umfassenderen Mitteilung über die Finanzierung des von ihr vorgeschlagenen Strategieplans für Energietechnologie (SET-Plan).

Der EU-Haushalt ist bis 2013 ‚blockiert’. Die öffentlichen Behörden weigern sich, die enormen, für die weitere Entwicklung von CCS notwendigen Summen bereitzustellen. Die Situation hat die Sorge verstärkt, dass diese Technologie nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen werde, um dazu beizutragen, dass CO2-Emissionen nicht die weltweiten Durchschnittstemperaturen auf ein gefährliches Niveau hochtreiben. Diese Sorge nahm insbesondere aufgrund der starken Abhängigkeit von kohlebefeuerten Kraftwerken in Indien und China zu.

Im europäischen Kontext, so Fries, gebe es mehrere Finanzierungsmöglichkeiten. „Entweder findet man eine Möglichkeit, das vorhandene Budget zu nutzen – dies scheint jedoch nicht realisierbar. Man kann bei der künftigen Budgetplanung einen Teil dafür vorsehen, so wie die Briten, oder man kann Mittel umverteilen. Die Alternative wäre, die Kosten der Verbraucher zu erhöhen. Somit würde man ermöglichen, dass CCS verwendet wird, um die Verpflichtungen für erneuerbare Energien zu erfüllen, die eher als eine Verpflichtung zu einer kohlenstoffarmen Energiegewinnung als eine Verpflichtung zum Einsatz erneuerbarer Energien verstanden wird“, sagt Fries. 

Eine Möglichkeit der Finanzierung aus Mitteln außerhalb des Haushalts, die Shell favorisiert, ist, dem durch die Nutzung der CCS-Technologie gespeicherten (oder sequestrierten bzw. eingelagerten) CO2 einen größeren Marktwert zuzuschreiben. Wenn im Rahmen des EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) Energiekonzernen mehrere Kredite für CO2 gewährt würden, das aufgrund der Verwendung von CCS nicht ausgestoßen würde, hätte der Privatsektor einen Anreiz, CCS-Anlagen aus ihrer eigenen Tasche zu finanzieren, so die Argumentation von Shell.

Die EU hat bisher diese Möglichkeit jedoch abgelehnt.

Bis dann, Shell?

Shell drängt auf die Finanzierung von CCS, warnte aber auch davor, dass das Unternehmen künftige europäische Investitionen kürzen könnte, wenn die EU nicht ausreichende Sicherheitsklauseln einführe, um energieintensive Industriezweige vor externem Wettbewerb zu schützen, wenn das überarbeitete EU-ETS 2013 in Kraft träte.

Das Unternehmen äußerte folgende Bedenken: Wenn alle Emissionsgenehmigungen von Energiekonzernen in Auktionen erworben werden müssten und keine kostenlosen Zertifikate ausgehändigt würden, würde das für das jeweilige Unternehmen einen Rückgang seiner europäischen Profite bedeuten und es zwingen, anderswo Geschäfte zu machen.

Dies sei möglich, also werde es keinerlei Investitionen von Shell in Europa mehr geben, sagte Christian Balme, Leiter von Shell Frankreich, dem Parlament am 8. April 2008.

Die Kommission versprach, ausreichende Sicherheitsklauseln zu bieten, um die Industrien in der EU zu schützen, falls es den internationalen Klimaverhandlungen nicht gelingen sollte, ein globales Klimaabkommen zur Senkung der Treibhausgasemissionen hervorzubringen. Viele Industriezweige sind jedoch der Meinung, dass Versprechungen nicht ausreichend seien und dass die gegenwärtige Unsicherheit über den Umfang zukünftiger Klimagesetze die Sicherheit der Investoren und langfristige Investitionsentscheidungen untergrabe.

Um das vollständige Interview mit Bentham und Fries zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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