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Italienisches Unternehmen Edison spricht sich für billigere Version von Nabucco aus

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Veröffentlicht 27. April 2010

Das italienische Energieunternehmen Edison übt Druck auf die Europäische Kommission aus, um Unterstützung bei der Überholung existierender Infrastruktur und dem Bau von Verbindungsleitungen vom Kaspischen Meer nach Italien zu erhalten, sagten seine Sprecher am 26. April. Ihnen zufolge würde dies eine spätere Ablösung durch die Nabucco-Gaspipeline ermöglichen.

Das von Edison angestrebte ITGI-Projekt (Interconnection Türkei-Griechenland-Italien) ist günstiger und könnte die erste Phase des Nabucco-Projektes darstellen, sagte Elio Ruggeri, der Chef der Gasinfrastruktur bei Edison, Journalisten in Brüssel.

Es habe einen zu starken Fokus auf Nabucco gegeben, sagte der Sprecher des Unternehmens und bezog sich auf das ehrgeizigere Gaspipeline-Projekt, welches von Italiens multinationalem Öl- und Gasunternehmen ENI bevorzugt wird.

Ruggeri beklagte den Mangel an einem klaren europäischen Zeichen bezüglich des südlichen Gaskorridors. In diesem Zusammenhang enthüllte er die Ansichten seiner Firma zur Zukunft des nicht-russischstämmigen Pipeline-Angebots in Europa.

Angenommen die Nachfrage nach Gas bleibt in Europa bis 2015 gering, sagt der Edison-Stellvertreter voraus, dass Aserbaidschan als der einzige Gaslieferant der Gegend dienen könnte, über den Weg durch die Türkei.

Allerdings würden Gas-Lieferungen von Aserbaidschan, das reich an Öl ist aber nur geringe Gasvorkommen hat, nach Europa gering bleiben, , und bis zu zwei Milliarden Kubikmeter pro Jahr betragen, so Ruggeri.

„Finanzieller Verdienst, politischer Vorteil“

Die Volumen aus Aserbaidschan reichen aus, um die Entwicklung einer mittelgroßen EU-Pipeline wie ITGI zu rechtfertigen, sagte er und zeigte auf den „finanziellen Verdienst“ des Projektes sowie auf seinen „politischen Vorteil“.

Andere Anstrengungen würden Folgendes beinhalten:

  • Instandsetzungen des türkischen Netzes und der Verbindungsleitung Türkei-Griechenland (seit 2007 in Betrieb)
  • Durchsetzung einer Verbindung zwischen Griechenland und Italien (IGI), die aus einer 600km Pipeline durch das griechische Terrain und aus einer 200km Unterwasser-Pipeline (der „Poseidon-Pipeline“) unter dem Ionischen Meer besteht
  • Durchsetzung einer Verbindungsleitung zwischen Griechenland und Bulgarien (IGB, auch bekannt als Stara Zagora-Komotini, teilweise finanziert durch EU-Gelder)

Wenn sie einmal in Betrieb genommen würde, würde ITGI sich von Aserbaidschan über Georgien (die bereits existierende Baku-Tbilisi-Erzerum Pipeline) und die Türkei nach Griechenland und von da aus nach Italien erstrecken, über das Ionische Meer. Der Abschnitt von Komotini nach Stara Zagora würde sicherstellen, dass Bulgarien von 2013 an eine verlässliche alternative Gasquelle hat. Russisches Gas könnte auch durch die existierende Blue Stream Pipeline über das Schwarze Meer importiert werden, aus Beregoyava (Russland) nach Durusu (Türkei).

ITGI genießt schon jetzt einen 100 Millionen Euro Zuschuss, der Poseidon gegeben wurde, und 45 Millionen Euro, die an die Verbindung Griechenland nach Bulgarien vergeben wurde. Im Vergleich zu Nabucco ist ITGI als Projekt „billiger und reifer“, so seine Vertreter. Falls Nabucco ohne ausreichende Gaszufuhr gebaut würde und bei halber Kapazität oder weniger betrieben werden würde, wären die Kosten für dieses Gas für den Kunden sehr hoch.

Erst nach 2020 bestünde Bedarf für so eine „Rieseninfrastruktur“ wie Nabucco, sollte entweder irakisches oder turkmenisches Gas erhältlich werden, erklärte er. Irakisches Gas kann nicht gefördert werden aufgrund eines Konfliktes zwischen irakisch-kurdischen Behörden, in deren Gebiet die Reserven sich befinden, und Bagdad. Was Turkmenistan angeht, so können im optimistischsten Szenario ab 2020 etwa zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr via die Türkei exportiert werden.

Ruggeri bestand darauf, dass seine Firma nicht mit Nabucco konkurriert, welches in seinen Worten die „nächste Phase im Südlichen Korridor“ wird.

Auf die Frage von EurActiv, ob dieselbe Botschaft an Energiekommissar Günther Oettinger vermittelt worden sei, gab er zu, dass ein Treffen stattgefunden habe und die Nachricht weitergeleitet worden sei. Eine Entscheidung zur verstärkten europäischen Unterstützung für ITGI sei vor Ende des Jahres notwendig.

Ruggeri gab jedoch zu, dass, falls Aserbaidschan entscheide, sein Gas an Russland zu verkaufen, der ganze Plan zusammenfallen würde.

„Wenn aserbaidschanisches Gas an Russland verkauft wird, können wir uns von dem südlichen Korridor verabschieden. Aserbaidschan ist von zentraler Bedeutung in dieser Frage“, so der Stellvertreter Edisons.

Hintergrund : 

Edison ist Italiens zweitgrößter Betreiber im Elektrostrom und Naturgassektor.

1881 gegründet, ist es eines der ältesten Unternehmen in Europa.

Bis heute hatten zwei konkurrierende geplante Gaspipelines, Nabucco und South Stream, ähnliche Zeitpläne für den Beginn und die Fertigstellung des Baus.

South Stream  ist eine geplante Naturgas-Pipeline, die um die Ukraine herum, unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien führt, mit einer Abzweigung nach Griechenland und Italien und einer weiteren nach Rumänien, Serbien, Ungarn, Slowenien und Österreich. Russland gab kürzlich bekannt, dass es seine geplante Kapazität von 31 Milliarden Kubikmeter pro Jahr auf 63 Milliarden Kubikmeter mehr als verdoppeln würde (EurActiv 18.05.09 und EurActiv 25.05.09).

Der Schlüsselpartner für Gazprom im South Stream Projekt ist Italiens größtes Energieunternehmen ENI (EurActiv 18.05.09).

Eine weitere Pipeline in der Projektphase, Nabucco, genießt nicht die Gunst des russischen Staatmonopolisten Gazprom. Sie ähnelt South Stream weitgehend, doch soll den Kreis von Anbieterländern der EU erweitern und Gas vom Kaukasus und mittleren Osten über eine Drehscheibe in Österreich, via die Türkei, Bulgarien und Rumänien nach Europa bringen.

Das Nabucco-Konsortium schließt führende europäische Energieunternehmen ein: OMV aus Österreich, MOL aus Ungarn, RWE aus Deutschland, Bulgargaz aus Bulgarien, Transgaz aus Rumänien und Botas aus der Türkei. Doch drei Konsortiumsmitglieder – OMV, MOL und Bulgargaz – haben sich bereits für Gazproms South Stream Pipeline angemeldet, was Fragen über potentielle Interessenskonflikte und ihr tatsächliches Engagement für Nabucco aufgeworfen hat.

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