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Kommission wird 1 Billion Euro-Energiestrategie für 2020 enthüllen

Veröffentlicht 08. November 2010 - Aktualisiert 17. November 2010
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Die Europäische Kommission wird am Mittwoch (10. November) ihre Energiestrategie für das kommende Jahrzehnt vorlegen. Sie fordert eine Investition von etwa einer Billion Euro, um den Energiebedarf der Union auf nachhaltige Weise zu sichern.

Die neue Strategie wird Prioritäten für 2020 aufzeichnen, sodass die Energie- und Klimaziele der EU eingehalten werden können.

Dafür wird die EU einem Entwurf zufolge, in den EurActiv Einblick erlangte, im nächsten Jahrzehnt für Infrastrukturen, neue Technologien und Stromspeicherung eine Billion Euro ausgeben müssen.

Im nächsten Jahrzehnt werde die Investition in Energie, sowohl als Ersatz existierender Ressourcen als auch zur Erfüllung der zunehmenden Energieanforderungen, die europäischen Wirtschaften dazu zwingen, zwischen Energieprodukten, die angesichts der Trägheit der Energiesysteme die nächsten 30 Jahre konditionieren würden, zu wählen, so der Entwurf.

Energieeinsparungen als Hauptpriorität

Die Entwurfsstrategie identifiziert die Energieeffizienz als ihre Hauptpriorität und argumentiert, sie müsse in alle relevanten Politikbereiche einbezogen werden. Die Details werden im neuen Plan zur Energieeffizienz ausgearbeitet werden, die planmäßig nächstes Frühjahr vorgestellt werden soll.

Die EU hat sich selbst ein Ziel von 20 Prozent Energieeinsparungen für 2020 gesetzt, aber die Messung der Fortschritte wird dem Dokument zufolge „eine Reihe an fairen und messbaren Zielen“ benötigen. Die nationalen Aktionspläne zur Energieeffizienz, die die Mitgliedsstaaten entwerfen werden, werden zum jährlichen Reporting-Tool werden, erklärt der Entwurf.

Bisher haben es die nationalen Effizienzpläne versäumt, denselben Einfluss auszuüben wie ähnliche Pläne zur erneuerbaren Energie, vor allem weil die Ziele nicht rechtsverbindlich sind.

Die Kommission will das Potential für Energieeinsparungen des existierenden Gebäudebestands Europas anzapfen. Die Renovierungsquote sollte durch Investitionsanreize und innovative finanzielle Instrumente wie Umlauffonds beschleunigt werden, argumentiert der Text, der auch verspricht, das Problem der geteilten Anreize zwischen Mietern und Eigentümern anzugehen.

Energieeinsparungen im Verkehrsbereich, einem Sektor, der das Fünftel der Treibhausgasemissionen Europas emittiert, wird durch die Einführung neuer Standards der Energieeffizienz für alle Fahrzeuge und eines „robusten Autokennzeichnungssystems“ eingebunden werden, erklärt der Entwurf.

Der öffentliche Sektor sollte eine entscheidende Rolle spielen, da Kriterien der Energieeffizienz dem Dokument zufolge in allen Bereichen – und insbesondere für die Zuteilung öffentlicher Gelder – zur Bedingtheitspflicht werden sollten.

Industrielle Unternehmen sollten ihrerseits dazu ermutigt werden, Energieaudits zu nutzen. Ein spezifischer Unterstützungsmechanismus sollte für KMU geschaffen werden, fügt das Dokument hinzu.

Die Effizienz müsse an sich zu einem profitablen Geschäft werden, was zu einem soliden internen Markt für Methoden und Praktiken der Energieeinsparungen und zu internationalen wirtschaftlichen Möglichkeiten führen werde, sagt der Text.

Ein europäischer Energiemarkt

Eine weitere Priorität für das nächste Jahrzehnt werde die Schaffung eines paneuropäischen Energiemarkts sein, da sowohl Strom- als auch Gasmärkte durch die nationalen Grenzen weiterhin fragmentiert bleiben.

Die neue Herausforderung bis 2020 sei jedoch die Schaffung einer Basis, sodass Strom und Gas dahin transportiert werden können, wo sie benötigt würden, argumentiert das Dokument.

Neue Infrastrukturen werden für die Integration erneuerbaren Stromes in das Netzwerk auch ein wichtiges Element darstellen und werden daher in einem getrennten Infrastrukturpaket angegangen werden, das die Kommission noch für diesen Monat vorbereitet.

Die Kommission hat sich auch das Ziel gesetzt, einen langfristigen Plan für Infrastrukturen zu entwerfen. Sie wird es europäischen Regulatoren und Übertragungssystemoperatoren erlauben, einen Entwurf für europäische Strom- und Gasnetzwerke zwischen 2020 und 2050 zu entwickeln, besagt das Papier. Der Entwurf, der Mitte 2011 vorgelegt werden soll, wird auf dem 2050-Strategieplan der Kommission basieren, der nächstes Jahr veröffentlicht werden und eine langfristige Strategie für den Energiemarkt präsentieren soll.

Was nun wichtig sei, sei die Harmionisierung aller dieser verschiedenen Projekte der Kommission. Dies bedeute, dass das Paket zur Energieinfrastruktur mit dem 2050-Strategieplan und mit dieser kurzfristigen Strategie übereinstimmen solle, kommentierte Susanne Nies, Leiterin des Bereiches Energiepolitik beim industriellen EU-Verein Eurelectric.

Sie warnte davor, dass ein gemeinsamer europäischer Energiemarkt erfordern würde, dass die Kommission das Vorkommen neuer nationaler Energiesteuern verurteile, die in ihren Worten „in die falsche Richtung“ gingen.

Finanzierung noch unklar

Die Dringlichkeit, neue Verbindungsleitungen und intelligente Netzwerke zu bauen, um zu vermeiden, Europa an stark verschmutzende importierte fossile Brennstoffe zu binden, bedürfe einer weiten Ansicht der neuen finanziellen Instrumente, sagte die Kommission. Sie bezieht sich auch auf die Möglichkeit, mehr Geld aus dem EU-Budget zu bekommen, und fordert die Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen unter dem nächsten mehrjährigen Finanzrahmen.

Gelder werden auch gefunden werden müssen, um die Entwicklung innovativer Technologien zu finanzieren. Dies ist eine weitere Priorität, da Sorgen aufkommen, dass China und die USA nun auf dem Solar- und Windenergiemarkt voranpreschen und Europa zurücklassen werden.

Große geplante Projekte wie Windparks in der Nordsee oder die Desertec-Initiative zur Belieferung Europas mit Solarenergie aus Nordafrika würden europaweite Koordinierung und verschiedene Finanzierungsquellen erforderlich machen, hieß es in der Strategie.

Doch sagt sie wenig zu konkreten Ideen, über ihre Behauptung hinaus, dass Technologien, die im Rahmen des strategischen EU-Energietechnologieplans (SET) unterstützt werden, den Eckpfeiler für die Vorbereitung des nächsten finanziellen Rahmens darstellen würden, was Energieforschung betreffe.

Da die richtigen Fragen hier stets die gewesen seien, den Ehrgeiz zu setzen und die Finanzierung aufzutreiben, warte man hier ebenso wie anderswo noch immer auf Details, sagte Jason Anderson, Leiter der europäischen Klima- und Energiepolitik beim WWF.

Außenpolitik

Die Strategie konzentriere sich auch darauf, eine gemeinsame EU-Energieaußenpolitik zu schaffen, damit die Union wirksam ihr gemeinsames Gewicht auf dem Markt nutzen könne, wenn sie mit Drittländern umgehe.

Deswegen kündigt der Entwurf an, dass die Kommission eine Mitteilung zur externen Dimension der Energiepolitik im kommenden Jahr vorlegen werde, die Wege aufzeigen werde, die Effizienz der EU-Politik in dieser Hinsicht zu stärken.

Die Idee ist es, Lieferungsquellen und Routen zu diversifizieren, um Krisen wie den russisch-ukrainischen Gasdisput zu vermeiden, der die Versorgung nach Osteuropa im Januar 2009 unterbrach.

Aus diesem Zweck wird die EU Energierahmenwerkabkommen mit den wichtigen Lieferanten und Transitländern unterschreiben, wodurch zum Beispiel Marktzugangsfragen wie Netzwerkentwicklung gedeckt sein würden, hieß es in dem Strategieentwurf.

Stellungnahmen: 

Der luxemburgische grüne Europaabgeordnete Claude Turmes beschrieb die erste wesentliche Strategie des Kommissars Oettinger als „schwindlerisch und voreingenommen“ und nannte sie „auf schockierende Art für die Atomkraft eingenommen“.

Vorschläge über die Energieeffizienz – die in der EU-Energiepolitik eine zentrale Rolle spielen müsse – seien vage oder verzögert. Was die erneuerbare Energie betreffe, werde diese ausschlaggebende Energiequelle trotz der Zielsetzung, nach der sie in zehn Jahren 65 Prozent aller Energieinvestitionen ausmachen müsse, größtenteils abgelehnt. Sie werde auch keine Unterstützung im Bereich der Exportmärkte bekommen, sagte er.

So würden sowohl Verbraucher als auch die Umwelt verlieren. Die neue Kommission scheine die Marktbeherrschung der großen deutschen Oligopole kriecherisch zu akzeptieren. Der Versuch, Atomkraft als einen Segen für die Verbraucher darzustellen, sei eine Beleidigung. Hier handele es sich um Europa in seiner schlimmsten Art, bedauerte er.

Der EU-Industrieverband Eurelectric sagte, die Kommission müsse nun sicherstellen, dass ihre kurzfristige Energiestrategie konform sei mit anderen kommenden Initiativen wie dem Energieinfrastrukturpaket und dem Strategieplan 2050.

In den nächsten Jahren bräuchten sie wirklich einen Fokus auf einem integrierten Energiebinnenmarkt, sagte Susanne Nies, Leiterin der Energiepolitik bei Eurelectric. Die Entstehung nationaler Energiesteuern wie einer Steuer auf Kraftstoff in Deutschland und einer Schenkungssteuer auf freie Emissionszulassungen in der Tschechischen Republik behinderten alle die Schaffung des Binnenmarktes, sagte sie.

Man sehe dieselbe Tendenz in den nationalen Energieaktionsplänen, in denen gemeinsame Projekte völlig unterentwickelt seien.

BusinessEurope, der europäische Arbeitgeberverband, hieß die Energiestrategie 2020 als eine wichtige Initiative zur Umgestaltung des europäischen Energiesystems willkommen. Jedoch warnte er, dass mehr Aufmerksamkeit der globalen Energiewettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gegeben werden sollte.

Es bestehe ein echtes Risiko des Arbeitsplatzverlusts auf Grund der angehäuften Kosten der Klima- und Energiepolitik. Im Durchschnitt sei die Energie in Europa 21 Prozent teurer als in den USA und 197 Prozent teurer als in China, sagte Folker Franz, Leiter der Industrieangelegenheiten bei BusinessEurope.

EUROPIA, die europäische Vereinigung der Mineralölindustrie, sagte, dass Öl und die Ölraffination beim Übergang zu einer Ressourceneffizienten Gesellschaft entscheidend sein würden, indem sie Wirtschaft und Mobilität unterstützten. Die ehrgeizigsten Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigten an, dass Öl im Jahre 2030 beinahe ein Drittel des Energiebedarfs und 80 Prozent der Transportbrennstoffe in der EU ausmachen werde.

In Europa ansässige Raffinerien brächten sichere, günstige und verlässliche Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen nach Europa und untermauerten das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit. Der Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft werde schwieriger sein, wenn die Raffinerie, ein wichtiges Element der Versorgungskette, ihre Wettbewerbsfähigkeit verliere, sagte Isabelle Muller, Generalsekretärin von EUROPIA .

AEGPL, die europäische Vereinigung für LPG (Flüssiggas), hieß die Anstrengungen willkommen, die EU-Strategie und das Politikrahmenwerk zu klären, um Umwelt-, Wirtschafts- und Strategieobjektive zu erreichen. Sie unterstützte insbesondere die Ansicht, dass Energieeffizienz bis 2020 und darüber hinaus eine der höchsten Prioritäten sein müsse.

Mit all dem Ehrgeiz und dem guten Willen der Welt sei es klar, dass eine CO2-arme europäische Wirtschaft ein weit entferntes Ziel bleibe, besonders angesichts der verschiedenen technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die die Kommission ganz richtig identifiziert habe, so Paul Voss, der Leiter der Energie- und Umweltpolitik bei AEGPL.

Was die Auseinandersetzung zwischen Energiequellen angehe, betonten sie das Potential sauberer, CO2-ärmerer und sofort verfügbarer Gasenergien wie LPG und Flüssiggas als eine Ergänzung zum Entstehen einer erneuerbaren Energielösung und zur Erleichterung des Übergangs zu einem nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren EU-Energiemodell.

Der europäische Verband der Windenergie (EWEA) unterstützte die Pläne des Energiekommissars, Günther Oettinger, aus einem funktionierenden Binnenmarkt für Energie eine der Hauptenergieprioritäten der EU zu machen, und unterstützte sein Bestreben, das ganze Stromnetzwerk zu verbinden.

Der Test werde die Stärke dieser Vorschläge und der Wille der nationalen Regierungen sein, sie zu unterstützen. Sie drängten Oettinger, in den Gesetzesentwürfen, die folgen sollten, mutig zu sein, so der EWEA.

Die Umweltschutzgruppe WWF sagte, die Kommission „torkele zusammenhanglos im Bereich Energiepolitik“. Obwohl die Notwendigkeit für eine Rolle der Energie beim CO2-Abbau klar sei und die Kommission Energieeinsparung eine hohe Priorität nenne, wolle sich die EU-Exekutive widersprüchlicherweise auch billige fossile Brennstoffe sichern, um den Bedarf zu decken, den sie als steigend sehe.

Es gebe eine vernünftige Übersicht von Bereichen wie der Innovation und ein Kopfnicken in Richtung neuer Elektrizitätsinfrastruktur, doch da die richtigen Fragen hier gewesen seien, den Ehrgeiz zu setzen und die Finanzierung zu finden., erwarte man hier ebenso wie anderswo noch die Details, sagte Jason Anderson, Leiter der europäischen Klima- und Energiepolitik bei WWF.

Friends of the Earth Europe“ glaubt, die höchste Priorität sollte es sein, ein bindendes Energieeffizienzziel für 2020 zu finden.

Anstatt großartige Strategien für Energienetzwerke zu erfinden, sollte die Kommission diskutieren, wie man die Quantität an Öl, Gas und Strom reduzieren könne, der im Jahr 2020 verbraucht werde. Die Senkung des Energieverbrauchs bedeute weniger Ausgaben für neue Pipelines aus Russland und Nordafrika, so Brook Riley von „Friends of the Earth Europe“.

Nächste Schritte: 
  • 10. Nov. 2010: Kommission wird Energiestrategie 2020 vorstellen
Hintergrund : 

Im März 2007 stimmten die Staats- und Regierungschefs der EU dem ersten EU-Energieaktionsplan zu und forderten die Europäische Kommission auf, einen neuen Aktionsplan für die Periode nach 2010 zu erstellen.

Einige Ableger des augenblicklichen Aktionsplans enthielten weit reichende Vorschläge zur Liberalisierung des Energiesektors, das Klima- und Energiepaketund den Europäischen Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan).

Der Vorschlag zur „Europa 2020“-Strategie, den die Kommission im März 2010 vorlegte, beinhaltete die 2020-Klimaziele in seiner Flagschiffinitiative zur Förderung eines Ressourceneffizienten Europas.

Im letzten Mai gaben die EU-Minister ihren ersten Ansichten zur kommenden EU-Energiestrategie für die Periode 2011 bis 2020. Sie stimmten überein, dass sie im März 2011 zur Abstimmung der EU-Chefs fertig sein solle.

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