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Kroes fordert mehr Wettbewerb im Energiesektor – Interview [DE]

Veröffentlicht 23. März 2006 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Der beste Weg hin zu einem vielfältigeren Energiemix seien funktionierende und transparente Energiemärkte. Dies sagte Kroes in einem EurActiv-Interview am Vorabend des EU-Frühjahrsgipfels, bei dem Energiefragen und umstrittene Unternehmensfusionen Hauptthemen sein werden. 

Am Vorabend des EU-Gipfels in Brüssel hat EurActiv mit EU-Wettbewerbskommissarin Kroes gesprochen. Sie forderte die Mitgliedstaaten erneut auf, die Energie-Gesetze umzusetzen, und zwar nicht nur dem Buchstaben nach, sondern auch ihren „Geist“. 

„Wenn wir in dieser Hinsicht keine Fortschritte erzielen und sich keine gleichen Wettbewerbsbedingungen entwickeln, müssen wir über weitere Maßnahmen nachdenken“, sagte sie EurActiv.  Kroes fügte hinzu, dass bis Ende 2006, wenn die Kommission ihre Untersuchung des Energiesektors beendet habe, mehr Klarheit über die Lage herrschen werde.  Rechtliche Maßnahmen könnten dann in 2007 folgen.

Ein Thema, das ihr besonders große Sorgen bereite, sei die Tendenz, dass ehemalige Energiemonopole sowohl die Netzwerke betrieben, als auch Hauptenergielieferanten seien.  „Besitzer und Betreiber […] stehen häufig in Wettbewerb zu Unternehmen, welche auf den Zugang zum gleichen Netzwerk angewiesen sind.  Können wir wirklich erwarten, dass diese integrierten Unternehmen ihre Konkurrenten in einer absolut fairen Weise behandeln?  Ihre Interessenlage würde mich darauf schließen lassen, nein“.

Kroes sagte, sie persönlich würde eine vollständige strukturelle Entflechtung unterstützen, welche eine Zerschlagung der monopolistischen Strukturen – insbesondere eine Trennung der Versorgungs- von den Vertriebsunternehmen – mit einschließe.  Solche Entwicklungen habe es schon in einigen Mitgliedstaaten, wie z.B. in Großbritannien, gegeben.

„Sollte die Funktionsweise des Marktes auch weiterhin unbefriedigend sein, ist dies definitiv eine Option, die wir auf EU-Ebene in Betracht ziehen“, warnte Kroes.

Auf die Frage hin, wie man den Sorgen über die fehlende Transparenz im Elektrizitätsmarkt entgegenwirken könnte, welche es ermögliche ungerechtfertigt hohe Preise festzusetzen, sagte Kroes, dass dies entweder durch Wettbewerb oder Marktregulierung erreicht werden könnte.  „Ein gut funktionierender und transparenter Marktmechanismus ist für die Festsetzung von Preisen unerlässlich. Ohne einen solchen Mechanismus wird der Energiemarkt nicht ordnungsgemäß funktionieren“, sagte sie.

Sie fügte allerdings auch hinzu, dass die Preisbildung eine komplexe Angelegenheit sei, welche eine genauere Überprüfung verlange.  „In der letzten Phase der Untersuchung des Energiemarktes, welche zurzeit stattfindet, schauen wir uns den Preisbildungsmechanismus des Energiemarktes genau an, insbesondere beim Energieaustausch.  Alle weiteren Maßnahmen werden von den Ergebnissen dieser Untersuchung abhängen.“

Bezüglich der rechtlichen Förderung der Energieproduktion aus erneuerbaren Energien, wie z.B. Wind- oder Solarenergie, machte Kroes deutlich, dass diese bereits mit bis zu 40 % der Kosten unterstützt werden könnten.

„Die Gesetze werden im Verlauf des folgenden Jahres überarbeitet werden“, versprach Kroes.

Um das vollständige Interview mit Neelie Kroes zu lesen, klicken Sie hier  .

Nächste Schritte: 
  • Für Ende März 2006 wird erwartet, dass die Kommission Verfahren gegen die Mitgliedstaaten einleitet, welche die EU-Energiegesetze nicht ordnungsgemäß umgesetzt haben. 
  • Dezember 2006: Die Kommission wird ein Weißbuch über die zukünftigen Schwerpunkte der Energiepolitik vorlegen
  • Ende 2006: Die endgültigen Ergebnisse der Wettbewerbsuntersuchung des Gas- und Elektrizitätsmarktes werden voraussichtlich veröffentlicht. 
  • Für 2007 werden weitere Gesetzesinitiativen erwartet.
Hintergrund : 

Wenn sich die Staats- und Regierungschefs am 23. und 24. März in Brüssel treffen, wird das Thema Energie ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Unter ihnen sind auch Gegner der geplanten grenzüberschreitenden Fusionen im Energiesektor, was vielerorts Befürchtungen über aufkeimende protektionistischen Tendenzen in Europa ausgelöst hat (s. EurActiv, EurActiv, 1. März 2006).

Die Kommission hat bereits die Tatsache kritisiert, dass der europäische Gas- und Energiemarkt immer noch von nationalen Unternehmen - die meisten von ihnen mit ehemaliger Monopolstellung - dominiert wird (s. EurActiv, 17. Februar 2006). Nach der Veröffentlichung vorläufiger Ergebnisse einer Untersuchung im Energiesektor am 16. Februar, drohte die Kommission bereits mit Kartellverfahren gegen einzelne Unternehmen sowie mit rechtlichen Schritten gegen jene Mitgliedstaaten, welche die Umsetzung diesbezüglicher EU-Gesetze immer noch verschleppen. 

In der Zwischenzeit hat Kommissionspräsident Barroso ein Grünbuch mit Vorschlägen zu einer gemeinsamen EU-Energiepolitik veröffentlicht.  Ganz oben auf der Liste steht die Vollendung des Binnenmarktes für Gas und Energie und eine engere Kooperation der Beziehungen zu ausländischen Energielieferanten, insbesondere Russland (s. EurActiv, 9. März 2006).

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