Bei einem Rundtischgespräch im Januar in Brüssel, sagte Elisabeth Walaas, Norwegens stellvertretende Außenministerin, die Energieerzeugung mit Offshore-Windanlage habe sehr großes Potenzial in Norwegen.
In Studien, bei denen Karten der Windströmungen erstellt wurden, wird der skandinavische Staat hinsichtlich des Potenzials der Offshore-Windenergie nur von Portugal übertroffen. Norwegens Position sei einmalig, meint Wallaas. Das Land könne bereits 60% seines Gesamtbedarfs mit erneuerbarer Energie decken. Das sei dreimal so viel, wie das Ziel, das sich die EU für 2020 gesetzt habe. Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen steige dieser Anteil auf 99%, da sich das Land in diesem Bereich schon lange auf Wasserkraft stützt.
Da bis 2020 die Vorgaben der EU, den Energiebedarf zu 20% mit erneuerbarer Energie zu decken, erfüllt werden müssten, glaubt Walaas, das Norwegen das Potenzial habe, zu diesem beizutragen, indem es die Exporte seines umweltfreundlichen Stroms nach Europa aufstocke.
„Wir haben die Erhöhung der Exporte erneuerbarer Energien zu einem erstrebenswerten Ziel unserer Politik erklärt”, sagte Monica Stubholt, norwegische Staatssekretärin für Erdöl und Energie, in einem Interview mit EurActiv.
Derzeit liege die Exportleistung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen, der in die EU geliefert werde, bei „ein oder zwei Terawattstunden (TW/h)“ pro Jahr, so Stubholt. Sie geht jedoch davon aus, dass diese Zahl in Zukunft steigen werde, auch wenn sich die Regierung diesbezüglich keine konkreten Ziele gesetzt habe.
„Vielleicht werden solche Zielvorgaben später festgelegt, aber am wichtigsten muss sein, dass viel im Bereich erneuerbare Energien getan wird, und zwar nicht nur im Bereich Wasserkraft, sondern auch im Bereich Windenergie. Dann müssen wir sicherstellen, dass wir auch auf EU-Ebene zu den gemeinsamen Bemühungen beitragen“, erklärte sie.
Stubholt glaubt, dass Offshore-Windenergie nicht nur dazu beitragen werde, die Anforderungen Europas zu erfüllen, sondern auch für weniger CO2-Ausstoß bei der Förderung von Öl und Gas – den Hauptexportgütern Norwegens an die EU – sorgen könne.
„Ich glaube, dass Offshore-Windenergie auf eine Nachfrage seitens des Erdölsektors auf dem Festlandsockel Norwegens führen wird. Gleichzeitig bietet sie aber auch ein beachtliches Potenzial für den Export“, da Norwegen sehr nach an Großbritannien und Dänemark liege, erklärte sie.
‚Zeit nötig’, bis Offshore-Windenergie vollständig genutzt werden kann
Allerdings meinte die stellvertretende Außenministerin Walaas, dass auch weiterhin „technologische Herausforderungen”, die konkret mit der Energieerzeugung mit Offshore-Wind zusammenhingen, bestünden, da beispielsweise die meistversprechenden Gebiete in tiefen Gewässern und in Gebieten, in denen das Meer besonders rau seien, lägen.
Sjur Bratland zufolge, einem Berater bei StatoilHydro, dem staatlichen, norwegischen Energiekonzern, liege die Zukunft in der Entwicklung auf dem Wasser treibender Windmühlen, einer Technologie, die seinen Worten zufolge, eine neue Ära in der Nutzung der Windenergie einläuten könne.
Demonstrationsanlagen sind bereits entwickelt worden und der nächste Schritt wird die Ausweitung der Technologie auf mittelgroße und schließlich auf große Windfarmen, die unter rauen Wetterbedingungen betrieben werden können, umfassen. Einen solchen Stand der Entwicklung zu erreichen, könne aber bis zu zehn Jahre dauern, erklärte Bratland.
Die Entwicklung der Technologie für Offshore-Windenergie werde viel Zeit in Anspruch nehmen“, merkte Wallaas weiter an und fügte hinzu, dass die Regierung im Frühling eine Strategie für die Nutzung von Offshore-Windenergie vorstellen werde.
Netzinfrastruktur ‚unzureichend’
Eine weitere Herausforderung, merkte Walaas an, sei das momentan „unzureichend” ausgebaute Stromnetzwerk. Ein Seekabel, das Norwegen mit den Niederlanden verbindet, wurde im Mai letzten Jahres eingeweiht. Zudem sind momentan weitere Verbindungsleitungen mit Dänemark und Großbritannien im Gespräch. Mit einem voll funktionsfähigen, umfangreichen Netz für Offshore-Windenergie werde allerdings frühestens 2020 gerechnet, so Schätzungen Norwegens.
Ein ‚Supernetz’, das die Länder der Nordsee miteinander verbindet, steht schon seit einiger Zeit zur Diskussion und gilt als eines der Projekte mit Vorrang, die die Europäische Kommission in ihrem jüngsten Vorschlag für ein Konjunkturprogramm hervorgehoben hat (EurActiv vom 29. Oktober 2009).
Es gebe jedoch weiter Probleme bei der praktischen Umsetzung, so Stubholt: „Wir wissen nicht wirklich, welche Länder sich aktiv an dem Projekt beteiligen werden und wir müssen auch sehen, wie wir die Finanzfrage klären können. Diese Frage könnte sich in vielerlei Hinsicht als Stolperstein herausstellen, wenn wir nicht Mittel und Wege finden, sicherzustellen, dass sich die Investitionen irgendwann auch wieder auszahlen.“



