Unter der Vorrausetzung der Anonymität sprechend, bemängelten internationale Energieexperten die „Blindheit” des Westens, in einem Fall den sie als Versuch des Kremls interpretierten, in den Aufbau einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik einzugreifen.
Österreich, Deutschland und Italien wurden als die Länder genannt, dessen Regierungen glauben, sie würden wichtige Geschäfte mit Russland tätigen, in der Tat allerdings würden sie vom Kreml manipuliert.
Die Warnungen kommen, bevor sich die EU und Russland zu einem gemeinsamen Gipfel am 21. bis 22. Mai zusammenfinden, auf dem Fragen der Energiesicherheit die Tagesordnung dominieren.
MOL-Übernahme politisch motiviert
Nach der Ansicht von Experten wurden die politischen Motivationen des Kremls offen gelegt, nachdem die russische Ölfirma Surgutneftgas vor kurzem 21,2 Prozent des ungarischen Petrochemiegiganten MOL übernahm.
Surgutneftgas, ein geheimnisvoller Ölkonzern, der dem russischen Ministerpräsidenten Vladimir Putin nahe steht, hat für die Übernahme 1,4 Milliarden Euro ausgegeben, mehr als zwei mal so viel wie der Marktwert, so die Experten, was die strategische Dimension des Schrittes untermauere.
Das Abkommen fand am 29. bis 30. März während einer politischen Krise statt, die unter anderem den Rücktritt des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány sah (EurActiv vom 23. März 2009). Allerdings wurde das Abkommen von Gordon Bajnaj, der Gyurcsány ersetzte, scharf kritisiert.
Der ungarische Außenminister Péter Balázs sagte, dass man nicht wisse, mit wem man Geschäfte mache. Russlands Methoden würden auf byzantinischen Traditionen beruhen und nicht auf protestantischen Grundsätzen. Es sei schwierig mit dieser Kultur zu verhandeln, sagte er EurActiv Ungarn von kurzem in einem Interview (EurActiv vom 24. April 2009).
Österreichische Verbindung
Andere ungarische Beamte unterstellten, dass Russland in der Tat durch OMV, eines österreichischen Öl- und Gaskonzerns operiere, dessen Angebot der Übernahme von MOL im Jahr 2007 abgelehnt wurde.
Im Juni 2007 machte OMV einen unaufgeforderten Antrag an MOL, der von dem ungarischen Unternehmen aufgrund von Wettbewerbsbedenken abgelehnt wurde. Der gescheiterte Übernahmeversuch führte schließlich dazu, dass OMV seine verbliebenen Anteile von 21 Prozent an MOL Russlands Surgutneftgas verkaufte. Das Abkommen das im März unterschrieben wurde, wurde von MOL als „unfreundlich“ bezeichnet.
Allerdings bestreitet die österreichische Firma von Moskau manipuliert zu werden, so der Sprecher von OMV, Thomas Hümer indem er ein Zitat des Geschäftsführers von MOL Zsolt Hernadi wiederholte, in welchem er im Jahr 2007 sagte, dass er lieber von einer russischen Firma übernommen werden wolle, als von OMV kontrolliert zu werden „ Nun ist dieser Wunsch wahr geworden“, so Hümer.
Surgutneft ist nun der größte Anteilseigner von MOL, hat aber bis jetzt noch nicht das formelle Einverständnis der ungarischen Behörden erhalten, als ein Anteilseigner registriert zu sein. Ein Treffen der Anteilseigner wurde kurz nach der Übernahme abgehalten, damit die Unabhängigkeit gewahrt bleibe.
Allerdings sagten Experten, dass Surgutneftgas nun wahrscheinlich Druck auf das Management von MOL ausüben würde und es mit einem Russland freundlichem Team ersetzen werden.
Die Strategie sagten sie, sei eindeutig an Behinderung des Baus der Nabucco Gaspipeline gerichtet.
Vor der Moskauer Presse sprechend, bestritt der russische Energieminister Sergei Schmatko, dass Surgutneftgas darauf abziele Nabucco zu blockieren. Der Anteil von Surgutneftgas an MOL habe nicht einmal eine Vetomehrheit. Das Interesse von Surgutneftgas sei es, die Produktionskapazitäten zu erhöhen, die in Russland nicht ausreichend seien, so Schmatko weiter.



