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Russland-Aserbaischan Gasabkommen schadet Nabucco [DE]

Veröffentlicht 01. April 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Gazprom und der staatliche Ölkonzern von Aserbaidschan unterzeichneten letzte Woche eine Absichtserklärung für eine langfristige Gasversorgung aus Zentralasien nach Russland zu Marktpreisen und untergruben damit die von der EU favorisierte Nabucco-Pipeline weiter, so Experten.

Nach einem Pressebericht von Gazprom haben die Parteien eine gewaltige langfristige Kooperation vereinbart, nachdem am 27. März 2009 eine Übereinkunft erreicht wurde. 

Die ersten Lieferungen sind für Januar 2010 geplant, so die Absichtserklärung.

Pavel K. Baev, ein Experte des Internationalen Zentrums für Friedensforschung in Oslo schlägt vor, dass das Projekt Nabucco unwichtig werden lassen könne, da Aserbaidschan als einer der wichtigsten Gasliferanten von Nabucco angesehen werde. 

Hinter der unterzeichneten Vereinbarung liege ein Pipelineprojekt so Baev, das wie Nabucco auch nach einer Oper benannt werden könnte, wie beispielsweise „Prinz Igor“ von Alexander Borodin. Die Pipeline würde zusammen mit aserbaidschanischen Versorgungsbetrieben russisches Gas, über die so genannte South Stream-Pipeline unter dem Schwarzen Meer von Novorossiysk nach Varna in Bulgarien, nach Südosteuropa liefern. 

Agata Loskot-Strachota, eine Energieexpertin am Zentrum für europäische Studien in Warschau sagte EurActiv, dass der Vertrieb von aserbaidschanischem Gas über Russland, das verfügbare Gasolumen für Rivalen wie Nabucco schwäche. Es würde dann ebenfalls schwierig werden, Investoren in ein solches Projekt mit einzubeziehen. 

Weiter sagte sie, dass das am 27. März unterzeichnete Abkommen nur ein weiteres Element in einem Prozess sei, der vor Monaten begonnen habe. Obwohl Baku zu Anfang zögerlich gewesen sei, habe sich die Situation nun verändert. 

Die Situation Aserbaidschans hat sich in den letzten neun Monaten rapide geändert. Der Krieg zwischen Russland und Georgien hat die Position Moskaus im Südkaukasus auf Kosten des Westens gestärkt. Es gab auch bedeutende Veränderungen in den Beziehungen zu der Türkei, dem vorrangigen strategischen Alliierten des Landes in der Region. Die sichtbare Verstärkung der Beziehungen zwischen Moskau und Ankara, der Vorschlag einer besseren Kooperation der beiden Länder im Kaukasus, der Wandel der türkisch-armenischen Beziehungen und Gerüchte des -Konflikts der Nagorno Karabakh-Region könne gelöst werden, führten zu einer Veränderung der geopolitischen Situation auf dem Kaukasus und haben das pro-westliche Aserbaidschan in eine schwierige Lage gebracht, so Loskot-Strachota. Aserbaidschan drängt die EU und Russland dazu, konkretere und wirtschaftlich attraktivere Zugeständnisse zu machen. Dies bedeute, dass die Zeit für europäische Kunden oder für Firmen die Gas unabhängig aus Aserbaidschan nach Europa bringen wollen, ablaufe, so die polnische Forscherin. 

Russischer Rückschlag in Turkmenistan?

In der Zwischenzeit bedauerte die russische Presse, dass ein Besuch vom turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymukhammedov in Moskau am 25. März 2009 ergebnislos blieb. Der russische Präsident Dimitri Medwedew hatte gehofft, ein zwischenstaatliches Abkommen unterzeichnen zu können, dass es ermöglicht eine Ost-West Pipeline durch Turkmenistan zu bauen. Dies hätte das von Moskau favorisiere Projekt entscheidend vorangebracht. Dem Plan zufolge wird die Pipeline Gasvorkommen im Nordosten Turkmenistans zum Kaspischen Meer leiten. Die beiden Seiten seien nicht in der Lage gewesen, das Projekt zu unterzeichnen, so RIA Novosti. 

Alexander Jackson von der Caucasian Review of International Affairs, drückte seinen Pessimismus in Hinsicht auf Nabucco aus. Auch er räumt dem Abkommen zwischen Gazprom und Baku hohe Bedeutung ein. 

Aserbaidschan werde immer frustrierter über Europas Unruhe und engagiere sich nun mehr und mehr in bilateralen Abkommen, wie mit Griechenland oder Italien, aber auch, und dies sollte der EU Sorge bereiten, mit Russland und dem Iran. Im Februar bot Teheran an, in die Erschließung der zweiten Phase des Gasfeldes des Schahs Deniz von Aserbaidschanisch zu investieren. Am 27. März 2009 begann Aserbaidschan mit Gazprom formell über Gaslieferungen zu verhandeln. Dies sei für den Westen eine besorgniserregende Entwicklung, da Aserbaidschan seine Förderanlagen soweit ausgebaut habe, dass das Land sich um andere Kunden bemühen könnte, so Jackson. 

Stellungnahmen: 

Alexander Jackson von der Caucasian Review of International Affairs, drückte seinen Pessimismus in Hinsicht auf Nabucco aus. Auch er räumt dem Abkommen zwischen Gazprom und Baku hohe Bedeutung ein. 

Aserbaidschan werde immer frustrierter über Europas Unruhe und engagiere sich nun mehr und mehr in bilateralen Abkommen, wie mit Griechenland oder Italien, aber auch, und dies sollte der EU Sorge bereiten, mit Russland und dem Iran. Im Februar bot Teheran an, in die Erschließung der zweiten Phase des Gasfeldes des Schahs Deniz von Aserbaidschanisch zu investieren. Am 27. März 2009 begann Aserbaidschan mit Gazprom formell über Gaslieferungen zu verhandeln. Dies sei für den Westen eine besorgniserregende Entwicklung, da Aserbaidschan seine Förderanlagen soweit ausgebaut habe, dass das Land sich um andere Kunden bemühen könnte, so Jackson

Hintergrund : 

Ziel des Nabucco-Pipelineprojekts ist es, die Abhängigkeit der EU von russischen Gasimporten zu mindern, indem Gas aus der kaspischen Region über den Balkan zu einem Knotenpunkt in Österreich gebracht wird.

Aserbaidschan wird als wahrscheinlichster Hauptgasversorger gehandelt; in Zukunft sollen aber auch Lieferungen aus dem Nahen Osten durch die Pipeline fließen. Das Gas soll dann durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Europa transportiert werden.

Die Inbetriebnahme der Pipeline ist eigentlich für 2014 vorgesehen, allerdings ist noch nicht sicher, ob sie überhaupt gebaut werden wird. Da der Privatsektor nach wie vor zögert, das Projekt zu finanzieren, ganz zu schweigen vom kurzen Krieg zwischen Georgien und Russland im August 2008, steht Nabucco eine unsichere Zukunft bevor (EurActiv vom 25. August 2008).

Offiziell will die Europäische Kommission keine Rückschläge einräumen. Doch dem Projekt stehen viele Hindernisse im Weg, darunter auch die geplante Konkurrenzpipeline South Stream, die von der russischen Gazprom unterstützt wird. Führende Energieexperten warnten kürzlich angesichts der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine vor einer Reihe von Problemen für die Durchführung des Nabucco-Projekts (EurActiv vom 20. Januar 2009). 

Dem Nabucco-Konsortium gehören mehrere führende europäische Energieunternehmen an: OMV aus Österreich, MOL aus Ungarn, RWE aus Deutschland, Bulgargaz aus Bulgarien, Transgaz aus Rumänien und Botas aus der Türkei. Drei der Konsortiumsmitglieder – OMV, MOL und Bulgargaz – haben allerdings auch ihre Beteiligung an der South Stream-Pipeline von Gazprom zugesagt, so dass die Frage aufkam, ob es nicht zu einem Interessenkonflikt kommen könnte und wie sehr sie sich dem Nabucco-Projekt tatsächlich verpflichtet fühlen.

Mehrere EU-Regierungen, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, die enge Beziehungen zum Kreml und langfristige Gasverträge mit der Gazprom haben, sind von der Notwendigkeit für eine neue Pipeline nicht überzeugt.

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