Nach einem Pressebericht von Gazprom haben die Parteien eine gewaltige langfristige Kooperation vereinbart, nachdem am 27. März 2009 eine Übereinkunft erreicht wurde.
Die ersten Lieferungen sind für Januar 2010 geplant, so die Absichtserklärung.
Pavel K. Baev, ein Experte des Internationalen Zentrums für Friedensforschung in Oslo schlägt vor, dass das Projekt Nabucco unwichtig werden lassen könne, da Aserbaidschan als einer der wichtigsten Gasliferanten von Nabucco angesehen werde.
Hinter der unterzeichneten Vereinbarung liege ein Pipelineprojekt so Baev, das wie Nabucco auch nach einer Oper benannt werden könnte, wie beispielsweise „Prinz Igor“ von Alexander Borodin. Die Pipeline würde zusammen mit aserbaidschanischen Versorgungsbetrieben russisches Gas, über die so genannte South Stream-Pipeline unter dem Schwarzen Meer von Novorossiysk nach Varna in Bulgarien, nach Südosteuropa liefern.
Agata Loskot-Strachota, eine Energieexpertin am Zentrum für europäische Studien in Warschau sagte EurActiv, dass der Vertrieb von aserbaidschanischem Gas über Russland, das verfügbare Gasolumen für Rivalen wie Nabucco schwäche. Es würde dann ebenfalls schwierig werden, Investoren in ein solches Projekt mit einzubeziehen.
Weiter sagte sie, dass das am 27. März unterzeichnete Abkommen nur ein weiteres Element in einem Prozess sei, der vor Monaten begonnen habe. Obwohl Baku zu Anfang zögerlich gewesen sei, habe sich die Situation nun verändert.
Die Situation Aserbaidschans hat sich in den letzten neun Monaten rapide geändert. Der Krieg zwischen Russland und Georgien hat die Position Moskaus im Südkaukasus auf Kosten des Westens gestärkt. Es gab auch bedeutende Veränderungen in den Beziehungen zu der Türkei, dem vorrangigen strategischen Alliierten des Landes in der Region. Die sichtbare Verstärkung der Beziehungen zwischen Moskau und Ankara, der Vorschlag einer besseren Kooperation der beiden Länder im Kaukasus, der Wandel der türkisch-armenischen Beziehungen und Gerüchte des -Konflikts der Nagorno Karabakh-Region könne gelöst werden, führten zu einer Veränderung der geopolitischen Situation auf dem Kaukasus und haben das pro-westliche Aserbaidschan in eine schwierige Lage gebracht, so Loskot-Strachota. Aserbaidschan drängt die EU und Russland dazu, konkretere und wirtschaftlich attraktivere Zugeständnisse zu machen. Dies bedeute, dass die Zeit für europäische Kunden oder für Firmen die Gas unabhängig aus Aserbaidschan nach Europa bringen wollen, ablaufe, so die polnische Forscherin.
Russischer Rückschlag in Turkmenistan?
In der Zwischenzeit bedauerte die russische Presse, dass ein Besuch vom turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymukhammedov in Moskau am 25. März 2009 ergebnislos blieb. Der russische Präsident Dimitri Medwedew hatte gehofft, ein zwischenstaatliches Abkommen unterzeichnen zu können, dass es ermöglicht eine Ost-West Pipeline durch Turkmenistan zu bauen. Dies hätte das von Moskau favorisiere Projekt entscheidend vorangebracht. Dem Plan zufolge wird die Pipeline Gasvorkommen im Nordosten Turkmenistans zum Kaspischen Meer leiten. Die beiden Seiten seien nicht in der Lage gewesen, das Projekt zu unterzeichnen, so RIA Novosti.
Alexander Jackson von der Caucasian Review of International Affairs, drückte seinen Pessimismus in Hinsicht auf Nabucco aus. Auch er räumt dem Abkommen zwischen Gazprom und Baku hohe Bedeutung ein.
Aserbaidschan werde immer frustrierter über Europas Unruhe und engagiere sich nun mehr und mehr in bilateralen Abkommen, wie mit Griechenland oder Italien, aber auch, und dies sollte der EU Sorge bereiten, mit Russland und dem Iran. Im Februar bot Teheran an, in die Erschließung der zweiten Phase des Gasfeldes des Schahs Deniz von Aserbaidschanisch zu investieren. Am 27. März 2009 begann Aserbaidschan mit Gazprom formell über Gaslieferungen zu verhandeln. Dies sei für den Westen eine besorgniserregende Entwicklung, da Aserbaidschan seine Förderanlagen soweit ausgebaut habe, dass das Land sich um andere Kunden bemühen könnte, so Jackson.



