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Synthetische Kraftstoffe: Neues Wundermittel für nachhaltige Mobilität? [DE]

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Veröffentlicht 08. März 2006, aktualisiert 28. Mai 2012

Führende Automobilhersteller und Kraftstoffunternehmen sind ein neues Bündnis eingegangen, um die Verwendung synthetischer Kraftstoffe zu fördern.

Die drei Autohersteller DaimlerChrysler, Renault und Volkswagen sowie die Benzinproduzenten Sasol Chevron und Shell sind die Gründungsmitglieder der „Alliance for Synthetic Fuels in Europe“ (ASFE).

Auf der Gründungsveranstaltung brachte Rob Routs, Geschäftsführer von Shell, sein Vertrauen in das Marktpotential synthetischer Kraftstoffe, insbesondere GtL-Kraftstoffe, welche schon weiter fortgeschritten seien, zum Ausdruck.  Er deutete an, dass auch wenn die meisten GtL-Produktionsstätten  nochimmer im Nahen Osten (Katar) und Südafrika seien, könnten in Europa bereits in den nächsten Jahren neue Werke entstehen (für 2007 ist ein Werk in Freiberg, in der Nähe von Dresden, geplant).  Im Allgemeinen ist Routs der Ansicht, dass synthetische Kraftstoffe in Zukunft „als eine Brücke zu neuen CO2-armen erneuerbaren Brennstoffen“ eine wichtige Rolle spielen werden (Brennstoffzellen, Wasserstoff).

Thomas Weber von Daimler Chrysler forderte die europäischen Politiker dazu auf, angemessene Bedingungen für die Entwicklung synthetischer Brennstoffe zu schaffen (steuerliche und finanzielle Anreize, ein integrierter Ansatz zur CO2-Reduktion bei Autos, höhere Ausgaben für F&E im Bereich alternative Brennstoffe).

GtL und andere synthetische Kraftstoffe stehen vor zahlreichen Herausforderungen:

  • Rentabilität:  Bisher sind diese Kraftstoffe immer noch teurer als herkömmliches Benzin oder herkömmlicher Diesel. 
  • Treibhausgasemissionen:  Die Emission von Treibhausgasen bei GtL ist vergleichbar mit der Emission herkömmlicher Benzine und die interessantere Alternative von BtL-Kraftstoffen ist noch nicht marktreif.
  • Europas Energieabhängigkeit:  die meisten Produktionsanlagen befinden sich außerhalb Europas, wodurch das Problem der Abhängigkeit von „instabilen“ Regionen nicht sofort gelöst werden kann.
  • Allgemeiner Energiewettbewerb:  Laut einiger Experten könnte GtL in Zukunft mit Flüssiggas zur Energienutzung konkurrieren.  Dies könnte zu einer erhöhten Nutzung fossiler Brennstoff Einrichtungen zur Energiegewinnung (Kohle) führen;  Diesem Argument entgegnete ein Sprecher dieser Veranstaltung mit, „Wir haben genügend Gas um alle Bedürfnisse zu befriedigen“.
Stellungnahmen: 

Kommissionsvizepräsident Verheugen begrüßte das neue „SunFuel-Bündnis“ und brachte seine Unterstützung zum Ausdruck.  Er skizzierte die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen welchen Europa aufgrund der Globalisierung begegnen müsse und sagte, dass nur Innovationen und mehr F&E Europa helfen könnten mit der sich verändernden Welt schritt zu halten.  „Wir müssen besser als der Rest der Welt sein“, sagte Verheugen.  Seiner Ansicht nach muss Europa die Führungsposition bei der weltweiten Energierevolution einnehmen, um die Sicherheit der Energieversorgung zu garantieren.  Hierbei verwies er auch auf das Grünbuch der Kommission über Energie.

Er stellte kurz weitere politische Grundsätze vor, auf deren Basis Politiker ihre Entscheidungen zu treffen hätten, wenn es um alternative Brennstoffe gehe.  „Wir können keinen Blankoscheck für alternative Brennstoffe unterzeichnen“, sagte Verheugen. Er machte auch klar, dass das Potential zur Reduktion von Treibhausgasen bei BtL wesentlich größter sei, als bei GtL.

Der österreichische Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll brachte im Namen der EU-Ratspräsidentschaft seine Zufriedenheit bezüglich der neuen Allianz zum Ausdruck.  Er betonte insbesondere, dass Europa die saubersten und sichersten Autos brauche.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion deutete der Direktor des GD UmweltJos Delbeke, an, dass die Kommission BtL-Kraftstoffe aufgrund seiner Vorteile bezüglich des Klimawandels bevorzuge. Er macht darauf aufmerksam, dass eine unterschiedliche Besteuerung (geringere Steuern auf bestimmte Kraftstoffe) auf europäischer Ebene aufgrund der Einstimmigkeitsregel im Rat schwierig durchzusetzen sei, ließ aber die Möglichkeit hierfür umweltpolitische Argumente anzuführen offen.

Die ungarische sozialdemokratische Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Edit Herczog, an sich eine Unterstützerin synthetischer Kraftstoffe, lenkte die Aufmerksamkeit auf den Aspekt der eigentlichen Kosten für die Verbraucher bei der Nutzung dieser neuen Kraftstoffe.  Sie sagte weiter, dass wenn synthetische Kraftstoffe erfolgreich sein sollen, sei eine „groß angelegte Kampagne“ nötig, um diese Kraftstoffe bekannt zu machen.  „Als ich mich mit anderen MEPs darüber unterhalten habe, hatten sie keine Ahnung, wovon ich rede“, sagte sie.

Zu guter letzt präsentierte Energiekommissar Piebalgs die wesentlichen Ansatzpunkte des Grünbuches.  Er bestätigte, dass synthetische Kraftstoffe eine wichtige Rolle spielen werden und ging insbesondere auf die Vorteile von BtL-Kraftstoffen für die Umwelt und Klimawandel ein.  „Wir sind der Meinung, dass insbesondere der schnelle Aufbau kommerziell nutzbarer Werke zur Produktion von BtL-Kraftstoffe sehr wichtig ist“, sagte Piebalgs.

Hintergrund : 

Synthetische Kraftstoffe stellen die neue Generation der Kraftstoffe dar, welche aus Synthesegas von Erdgas, Kohle oder Biomasse gewonnen werden.  Dieses Synthesegas wird durch die so genannte Fischer-Tropsch-Synthese in einen flüssigen Kraftstoff umgewandelt.  Die interessantesten Entwicklungen hierbei sind der BtL-Kraftstoff (Biomasse zu Flüssigkeit), GtL-Kraftstoff (Gas zu Flüssigkeit) und die Kohleverflüssigung.  Diese neuartigen Kraftstoffe produzieren weniger Schwefelemissionen und sind daher wesentlich umweltverträglicher.  Im Gegensatz zu Flüssiggas (LNG) und komprimiertem Erdgas (CNG), müssen für diese Kraftstoffe die Motoren und die Kraftstoffinfrastruktur nicht verändert werden.  

Angesichts steigender Ölpreise und sich abzeichnender Nachfrage-Angebots-Problemen bei der Ölversorgung, sucht der Verkehrssektor in zunehmendem Maß nach Kraftstoffalternativen.  Ein anderer Grund hierfür ist, dass durch den Verkehr in zunehmenden Mengen Treibhausgas produziert wird, welches als Ursache für den globalen Klimawandel angesehen wird.

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