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Tschernobyl-Jahrestag wird zur Waffe der Atom-Lobby [DE][en][fr

Erschienen: Mittwoch 26. April 2006    | Aktualisiert: Donnerstag 27. April 2006   

Kernkraft-Lobbyisten, NGOs sowie führende Unternehmen erneuerbarer Energien nutzen den 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, um ihre Position für oder gegen die "Renaissance der Atomenergie" zu stärken.

Hintergrund:

Am morgen des 26. April 1986 explodierte der Reaktor 4 des sowjetischen Atomkraftwerkes in Tschernobyl.  Dieser Unfall löste in West- und Osteuropa eine Panik aus, welche in mehreren Staaten zu der Entscheidung führte aus der Atomenergie schrittweise auszusteigen.  

Aufgrund der zunehmenden Thematisierung der globalen Erwärmung sowie der nachfragebedingten Explosion der Ölpreise haben sich die düsteren Aussichten des Atomenergiesektors erheblich verbessert.  Mittlerweile wird die Atomenergie wieder als eine mögliche Energiequelle für den zukünftigen Energiemix Europas in Betracht gezogen. 

Weitere Nachrichten:

Die wieder auflebende Debatte um die Zukunft des Atomenergiesektors in Europa und die Erinnerung an den 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, haben die Diskussion über Gesundheits- und Sicherheitsaspekte der Atomenergie neuen Input gegeben.

Eine im Herbst 2005 veröffentlichte StudiePdf external  des UN Tschernobyl-Forums, ausgeführt im Auftrag der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), heißt es, dass die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe weniger dramatisch seien, als vorerst befürchtet wurde und das „nur“ ca. 9.000 Menschen an durch diesen Unfall ausgelösten Krebserkrankungen sterben würden.  Eine Zusammenfassung dieser Studie kann auf den Internetseiten von Greenfactsexternal herunter geladen werden.

Andere, von Atomgegnern durchgeführte, Studien stellen die Zahlen des Tschernobyl-Forums in Fragen und werfen den UN-Agenturen vor, die Auswirkungen der Katastrophe herunterzuspielen. 

In einer im Auftrag der Grünen des Europäischen Parlaments erstellten StudiePdf external  heißt es, dass 30.000 bis 60.000 Menschen an der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe vorzeitig sterben werden.  Greenpeace veröffentlichte letzte Woche eine weitere StudiePdf external , durchgeführt von über 50 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt, welche davon ausgeht, dass langfristig wahrscheinlich über 100.000 Menschen an Krebs, in Folge des Reaktorunfalls, sterben werden.

Positionen:

Die Kommission hat versucht sich aus der Debatte über die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe herauszuhalten, indem sie am 21. April eine Presseerklärung veröffentlicht hat, in welcher sie die finanzielle Unterstützung der EU für Projekte, im Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe, hervor gehoben hat.

In einer Presseerklärung zur Präsentation des TORCH-Berichts („dem anderen Bericht über Tschernobyl“) warfen die Grünen des EU-Parlamentes der IAEA vor, die Folgen der schlimmsten nuklearen Katastrophe „herunter zu spielen“.  Die Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms sagte, dass man der IAEA die Zuständigkeit zur Analyse der Auswirkungen von Tschernobyl entziehen müsse.  Sie ist der Ansicht, dass dies unabhängigen Einrichtungen überlassen werden sollte.  Die Vereinbarung wischen der WHO und der IAEA die Auswirkungen von Tschernobyl zu verschweigen müsse beendet werden.

In einer Presseerklärung von Greenpeace heißt es, es sei schrecklich, wie die IAEA versuche die Auswirkungen des schlimmsten nuklearen Unfalls in der Geschichte der Menschheit zu verharmlosen.  Die tatsächlichen Auswirkungen zu leugnen sei nicht nur eine Beleidigung für Tausende von Opfern, sondern könnte auch zu gefährlichen Empfehlungen und der Umsiedlung von Menschen in verseuchte Gebiete führen.  In der Presseerklärung heißt es weiter, dass die IAEA nicht die weltweite atomare Überwachungsorganisation bleiben könne, wenn sie nicht einmal zugeben kann, dass sich die Atomenergie nachhaltig auf das Leben vieler Menschen negativ ausgewirkt hat.

Der Sektor für erneuerbare Energien befürchtet, dass durch die „Renaissance der Atomenergie“ die finanzielle Unterstützung für ihre Energiequellen abnehmen wird und nutzte den Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe daher, um die Aufmerksamkeit der Politiker auf die erneuerbaren Energien zu lenken.  In einer Presseerklärung am 24. April 2006 verwies die Europäische Windenergiebehörde (EWEA) auf einen kürzlich erschienen Bericht des britischen Unterhauses, welcher ernstzunehmende Fragen aufgrund des zunehmenden Interesses der britischen Regierung in Atomenergie aufgeworfen hat (s. EurActiv, 18, April 2006).).  Die EWEA wies auch auf die Tatsache hin, dass Windenergie von der Internationalen Energiebehörde seit 1974 nur mit 0,03 % aller für Energieforschung zur Verfügung stehenden Mittel gefördert worden sei, während Atomenergie 60 %, beziehungsweise $ 175 Mrd. im selben Zeitraum erhalten habe.  

 

 

 

Nächste Schritte:

  • Bis zum 24. April 2006 können Interessensvertreter der Kommission ihre Meinung zum Grünbuchexternal über eine europäische Strategie für nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energie abgeben.
  • Am 26. April 2006 wird im Europäischen Parlament eine Debatte zum 20. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe stattfinden

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