EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Click here for EU news »
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Wunderlösung Biomasse? [DE]

Druckversion
Send by email
Veröffentlicht 09. Dezember 2005, aktualisiert 28. Mai 2012

Der Aktionsplan der Kommission zu Biomasse zielt darauf ab, die Ölimporte um 8 % und den Treibhausgasausstoß um 209 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr zu verringern und 300.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zu schön, um wahr zu sein?

Eine verstärkte Nutzung von Biomasseenergie führt verschiedene Herausforderungen mit sich und ihr stellen sich einige Hindernisse in den Weg:

Sozioökonomische Aspekte:

  • Aus Biomasse gewonnene Energie ist derzeit noch immer teurer als fossile Kraftstoffe. Um den Energieoutput und die Effizienz von Biomasse-Technologien zu erhöhen, muss mehr Forschung und Entwicklung betrieben werden. 
  • Der Anbau von mehr Getreide auf landwirtschaftlichen Flächen, auf der derzeit Nahrungsmittel angebaut werden, könnte laut einiger Gegner die Unterernährung und den Lebensmittelmangel in der Welt verschlimmern.

Ökologische Aspekte:

  • Was würden die Folgen von Bioenergieerzeugung für die Biovielfalt, Boden, Wassernutzung und –versorgung sein? 
  • Was wäre, wenn eine verstärkte Nutzung von Biokraftstoffen in den Industrieländern dazu führen würde, dass tropische Regenwälder in Ländern wie Brasilien weiter zerstört werden? 
  • Obgleich wissenschaftliche Studien darauf hindeuten, dass die Nutzung von Biomasse kohlendioxidneutral ist, sind einige Wissenschaftler anderer Meinung. Einige Studien zeigen sogar, dass die Umstellung natürlicher Ökosysteme auf Energieplantagen aufgrund eines beschleunigten Zerfalls organischer Masse zu einem höheren CO2-Ausstoß führen könnte. 

Akzeptanz: 

  • Aus dem Bericht geht hervor, dass es unter wichtigen Energie- und Kraftstofflieferanten sowie Auto- und Heizkesselherstellern Widerstand gegen Biomasse gibt. 
  • Über Biomasse ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. 
Stellungnahmen: 

Die Umweltorganisationen WWF, Greenpeace, BirdLife und das Europäische Umweltbüro (EUB) fordern die Kommission auf, sicherzustellen, dass der Biomasse-Aktionsplan "angemessene ökologische und soziale Sicherheitsvorkehrungen beinhaltet". "Sofern sie auf nachhaltige Weise gehandhabt wird, kann Bioenergie uns dabei helfen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und degenerierte Böden wieder gesund zu machen", hat Ariel Brunner, Policy Officer für Landwirtschaft erklärt. "Eine schlecht gehandhabte Produktion jedoch wird kaum dazu beitragen, die Emissionen zu reduzieren, und kann verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben". 

Hintergrund : 

Der Biomasse-Aktionsplan wurde am 7. Dezember 2005 von der Kommission angenommen. Hauptziel des Aktionsplans ist die Verdoppelung der Nutzung von Bioenergiequellen (Holz, Abfälle und Getreide) im Energiemix der EU bis 2010. Derzeit werden etwa 4 % des Energiebedarfs in der EU von Biomasse gedeckt. Der Aktionsplan umreißt 31 Maßnahmen zur Förderung des Einsatzes von Biomasse in Heiz- und Kühlanlagen, bei der Stromerzeugung und im Verkehr (Biokraftstoffe). 

Die folgenden Maßnahmen werden vorgeschlagen:

  • Neue EU-Gesetzesvorschriften zur Nutzung erneuerbarer Energien, einschließlich Biomasse für Heiz- und Kühlanlagen (2006)
  • Eine mögliche Revision der Biokraftstoff-Richtlinie (2006), bei der nationale Zielvorgaben für den Anteil von Biokraftstoffen eingeführt werden könnten und Kraftstofflieferanten verpflichtet werden würden, Biokraftstoffe einzusetzen
  • Ausarbeitung nationaler Biomasse-Aktionspläne
  • Entwicklung einer von der Industrie angeführten „Biokraftstoff-Technologieplattform“
  • Forschung im Bereich von Biokraftstoffen zweiter Generation

Die Kommission erhofft sich von einer Verdoppelung der Biomasse-Energie die folgenden Vorteile

  • Der Anteil fossiler Kraftstoffe im Energiemix in der EU würde von 80 % auf 75 % fallen und 8 % weniger Rohöl müsste eingeführt werden. Dies würde sich auch positiv auf die Ölpreise auswirken. 
  • Weniger Treibhausgasemissionen (209 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr)
  • Schaffung von zwischen 250.000 und 300.000 Arbeitsplätzen in Land- und Waldwirtschaft

Die direkten Kosten würden um die 9 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Dem Bericht zufolge entspräche dies einem Anstieg von etwa 1,5 Cent pro Liter Benzin und 0,1 Cent pro Kilowattstunde Strom. 

Drei Mitgliedstaaten (die NiederlandeDeutschland  und Großbritannien) haben bereits eigene Biomasse-Aktionspläne ausgearbeitet oder sind derzeit dabei.

More in this section

Advertising

Sponsors

Videos

Energy Supply News

Euractiv Sidebar Video Player for use in section aware blocks.

Energy Supply Promoted

Euractiv Sidebar Video Player for use in section aware blocks.

Advertising

Advertising