Der Wirtschafts- Think Tank Ifo sagte am Mittwoch in seinem Geschäftsklimaindex, der auf einer monatlichen Umfrage von ungefähr 7000 Firmen basiert, dass das Geschäftsklima auf 90,5 Prozent nach einem im Juli bereits nach oben zeigenden Wert von 87,4 Prozent gestiegen sei. Eine Reuters-Umfrage hatte einen Wert von 88,9 Prozent angedeutet.
Der Anstieg stimmte mit anderen Daten überein, die anzeigen, dass sich Deutschland von seiner tiefsten Rezession nach dem Krieg erholt, und könnte Kanzlerin Angela Merkel vor der Bundestagswahl am 27. September Unterstützung bieten.
Merkel antwortete zurückhaltend auf die Neuigkeiten. Ökonomen sagte der künftige Anstieg der Arbeitslosigkeit und das Wegfallen von Stimulierungsmaßnahmen setzen Deutschlands wirtschaftlicher Perspektive noch immer Risiken aus.
“Ich habe den Eindruck, dass wir die Talsohle [des Abschwungs] erreicht haben“, sagte Merkel dem Nachrichtensender N24.
“Aber wenn wir die Talsohle erreicht haben, ist die Krise noch nicht vorbei”, fügte sie hinzu. „Die Krise ist vorbei, wenn wir dort zurück sind, wo wir vor der Krise waren. Somit bleibt das mittelfristige Ziel, wie wir so schnell wie möglich, aus der Krise herauskommen.“
In Spanien hat das Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, Jose Manuel Gonzalez-Paramo gesagt, dass das schlimmste der Krise vorüber sei.
“Es wäre verfrüht sein, zu sagen, die Krise ist vorbei, aber der freie Fall ist bestimmt zu Ende“, sagte er der Nachrichtenagentur Europa Press.
Spanien ist vom globalen Abwärtstrend hart getroffen worden und seine Wirtschaft schrumpfte um 1 Prozent im zweiten Quartal, als Deutschland und Frankreich ein Wachstum von 0,3 Prozent erlebten und aus der Krise heraus kamen. Italien steckt noch mitten in der Rezession.
“Wir denken, dass Deutschland der Hauptdarsteller innerhalb der Eurozone in den nächsten Monaten werden wird, was seinen Status als Exportkraftwerk wider spiegelt“, sagte der Fortis Bank Öknonom Nick Kounis.
Der Euro stieg nach der Verkündung der Ifo-Daten in Kürze gegen den Dollar auf, bevor er die Gewinne wieder verlor. Ifos' Lesart der Überschrift stieg das fünfte Mal in Folge an und erreichte sein höchstes Niveau seit September 2008.
Vor uns liegende Risiken
Den Neuigkeiten, dass die Geschäftsmoral in Deutschland angestiegen sei, folgte ein Bericht am Dienstag, der zeigte, dass Deutschland die Rezession im zweiten Quartal verlassen hatte, trotz massiven Rückgangs der Warenbestände und die Lagerauffüllung durch Unternehmen die Wirtschaft zu gößerem Wachstum antreiben könnte.
Außenhandel trug ebenfalls zur Erholung bei. „Die weltweite Nachfrage belebt sich wieder und Deutschland, die führende Exportnation der Welt, profitiert davon“, sagter Alexander Koch, Ökonombei UniCredit.
Viele Ökonomen erwarten ein solides Wachstum im dritten Quartal. Ein Sprung in den Erträgen und sich ausweitende Auftragsbücher zogen den Privatsektor aus einem elfmonatigen Abgleiten heraus und brachten ihn im August auf Wachstumskurs zurück, zeigte eine Umfrage unter Einkaufsmanagern am Freitag.
Stahproduzent ThyssenKrupp sagte auch zu Beginn dieses Monat, dass sich die Bau- Automobil-, Schiffbau- und Maschinenindustrie, die ihren Kundenstamm dominieren, im Juni Anzeichen gezeigt hätten, sich aus einem Konjunkturrückgang heraus zu bewegen, der die Nachfrage für ihre Produkte gedämpft hatte.
Ein Ifo-Erwartungsindex stieg auf 95,0 von 90,4, die größte monatliche Steigerung seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990.
Experten glauben, dass sich die Wirtschaft erholen sollte, da Unternehmen die Produktion beschleunigen und ihre dezimierten Vorräte wieder aufbauen, trotz steigender Arbeitslosigkeit und dem Auslaufen der Abwrackprämie zur Subventionierung des Automobilsektors, welche den privaten Konsum ankurbelte, welche ein Risiko für Wachstum darstellen.
Bundesbankchef Axel Weber sagte einer Zeitung letzte Woche, dass die sich abzeichnende Konjunkturerholung in Deutschland im wesentlichen Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und einer laschen Währungspolitik zuschreiben lasse und noch nicht nachhaltig sein könnte. Viele Ökonomen stimmen dem bei.
"Während die nahe Zukunft rosig aussieht, gibt es immer noch wenigstens zwei Hindernisse für eine echte Erholung: die Verschlechterung des Arbeitsmarktes und eine mögliche Krediklemme", sagte Carsten Brzeski von ING Financial Markets.
" Trotz der verbesserten Aussicht und sich langsam wieder füllender Auftragsbücher, sind die Aussichten im verarbeitenden Gewerbe noch immer sehr düster", fügte er hinzu.
(EurActiv mit Reuters )




