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Brüssel lobt nationale Programme für KMU-Darlehen [DE]

Veröffentlicht 17. Dezember 2009 - Aktualisiert 23. Dezember 2011
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Die Europäische Kommission hat die Bemühungen nationaler Regierungen gelobt, kleine Unternehmen durch Darlehens- und Sicherungssysteme zu unterstützen sowie Neugründungen zu vereinfachen.

Eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten ist dem strauchelnden KMU-Sektor zu einem Zeitpunkt zu Hilfe gekommen, wo kleine Unternehmen durch Liquiditätsprobleme und Bürokratie vom Bankrott bedroht sind.

In ihrem Fortschrittsbericht zur Umsetzung des Small Business Act lobte die EU-Exekutive Belgien, Dänemark, Finnland und Deutschland namentlich dafür, dass sie alle neuen Gesetze einem ‚KMU-Test’ unterziehen, um zu gewährleisten, dass diese unternehmensfreundlich sind.

Die Kommissionsbewertung schätzt die Lage positiver ein als die Unternehmensverbände, die sich bei einem Treffen Anfang des Monats darüber beschwerten, dass die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der in Brüssel beschlossenen Reformen zu langsam seien (EurActiv vom 3. Dezember 2009).

Während KMU-Interessenverbände mit der Geschwindigkeit der Fortschritte unzufrieden sind, weist die Kommission auf einige spürbare Verbesserungen im wirtschaftlichen Umfeld hin, die trotz einer schweren Zeit für Unternehmen und Regierungen stattgefunden haben.

‚Gute Fortschritte’ beim Small Business Act

Die Kommission sagte, es habe bei der Umsetzung des Small Business Acts, der 2008 von Unternehmensministern angenommen wurde, „gute Fortschritte“ gegeben. Vereinfachte Regeln für staatliche Hilfen haben es nationalen Regierungen ermöglicht, ums Überleben kämpfende KMU Kredite anzubieten, während die Europäische Investitionsbank und der Europäische Investitionsfonds kleinen Unternehmen im Jahr 2009 11,5 Milliarden Euro gaben.

Einige Regierungen haben sich bereits dazu verpflichtet, die überarbeitete Richtlinie zum Zahlungsverzug umzusetzen, die den öffentlichen Sektor dazu zwingt, beauftragte Unternehmen innerhalb von 30 Tagen zu bezahlen. Jedoch haben Unternehmensverbände über große Unterschiede in Europa geklagt – die Behörden in südeuropäischen Ländern zahlen seltener pünktlich – und behaupten, das Problem des Zahlungsverzugs im Privatsektor habe sich dieses Jahr verschärft.

Die von Brüssel eingenommene positive Haltung verärgerte Unternehmensverbände, die sich „enttäuscht“ darüber gaben, dass die EU die schlechten Neuigkeiten beschönige, indem sie ausschließlich Erfolgsgeschichten bewerbe.

Eurochambres, das die Handelskammern Europas vertritt, beschrieb den Bericht als „übertrieben positiv”. Er entspreche nicht den Rückmeldungen der KMU vor Ort, die der Wirtschaftskrise direkt ausgesetzt seien.

Unternehmensgründungen leicht gemacht

Der EU-Bericht nennt eine Reihe von Veränderungen, die das Leben von Unternehmen und Firmengründern erleichtern. So ist die Gebühr für die Registrierung von Warenzeichen um 40% gefallen, während einige Länder Schritte eingeleitet haben, um KMU den Zugang zu öffentlichen Aufträgen zu erleichtern.

Alle Mitgliedstaaten haben laut einem von der Europäischen Kommission veröffentlichten Bericht (15. Dezember) nationale Zielsetzungen für einen Rückgang von Verwaltungslasten angenommen sowie die administrativen Rahmenbedingungen für KMU weiter vereinfacht. 

Die durchschnittliche Zeit zur Gründung einer GmbH beträgt nun acht Tage im Vergleich zu neun Tagen im Jahr 2008, und die Durchschnittskosten betragen 417 Euro im Vergleich zu 463 Euro letztes Jahr.

Bulgarien hat die im Jahr 2008 begonnene Vereinfachung des Verfahrens für Unternehmensgründungen weiter konsolidiert, indem neun Verfahren zur Firmengründung zu nur einem einzigen Verfahren zusammengeführt wurden. Deutschland hat nach Angaben der Europäischen Kommission die GmbH-Gesetzgebung erfolgreich angepasst.

Die Vereinfachung der Prozesse in Ungarn, Malta und der Slowakei hat ebenfalls zu Zeiteinsparungen in diesen Ländern geführt. In Slowenien kann eine zentrale elektronische Anlaufstelle alle Arten von Firmen innerhalb von drei Tagen oder weniger anmelden, was für slowenische KMU zu Einsparungen von 10,2 Millionen Euro jährlich geführt hat.

Regierungen im Kampf gegen Zahlungsverzug

Unternehmensverbände haben stetig davor gewarnt, dass die Mitgliedstaaten den anhaltenden Kampf gegen verspätete Zahlungen verlieren, aber die Kommission behauptet, dass mehrere Regierungen in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel abgeben.

In Frankreich verlangt ein Gesetz zur Modernisierung der Wirtschaft, dass die Zeitspanne für öffentliche Zahlungen bis spätestens zum 1. Juli 2010 auf 30 Tage reduziert werden muss. In Deutschland verbessert ein neues Gesetz, das seit dem 1. Januar 2009 in Kraft ist, die Stellung der Gläubiger bei ‚Business-to-Consumer’-Verträgen. In Portugal hat die Regierung das Programm ‚Pagar a Tempo e Horas’ zur Reduzierung von Zahlungsverzug angenommen, welches ein langfristiges Ziel von 30 bis 40 Tagen vorsieht. In Großbritannien schließlich hat sich die Regierung dazu verpflichtet, alle Rechnungen innerhalb von 10 Tagen zu begleichen.

Diese bescheidenen Reformen summierten sich laut Europäischer Kommission zu einem deutlichen Wechsel im Tonfall und zeigten, dass die Mitgliedstaaten es Ernst damit meinten, KMU in den Mittelpunkt ihrer Politikgestaltung zu stellen.

Der neue Bericht kommt zu einem Zeitpunkt, wo das Europäische Parlament einem Plan zur Gründung eines Mikrofinanzierungs-Programms im Wert von 100 Millionen Euro zugestimmt hat, um dadurch Beschäftigung und soziale Teilhabe zu stärken. Das neue ‚Instrument zur Krisenbewältigung’ steht Firmen mit weniger als zehn Angestellten zur Ankurbelung von Unternehmensgeist und Beschäftigung offen.

Stellungnahmen: 

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission Günter Verheugen, zuständig für Unternehmens- und Industriepolitik, sagte, Europa müsse nun das Wachstumspotenzial der kleinen Unternehmen vollständig ausnutzen, um eine ausreichende Zahl von neuen und hoch qualifizierten Arbeitsplätzen zu schaffen.

„Die Freigabe des KMU-Potentials ist eine wichtige Priorität der Kommission. Politiken auf allen Ebenen müssen die unternehmerische Risikobereitschaft fördern und die bestmöglichen Rahmenbedingungen für KMU schaffen“, sagte er.

Arnaldo AbruzziniGeneralsekretär von Eurochambres, hält die Bewertung der EU-Exekutive für zu großzügig.

„Wenngleich Weihnachten die Jahreszeit des Gebens ist, waren wir dennoch sehr von der extrem positiven Bewertung der Kommission über den Fortschrittsprozess der Mitgliedstaaten überrascht, der den Rückmeldungen seitens des europäischen Kammernetzwerks widerspricht. Der Kommission kommt eine bedeutende Rolle zu, allen Beteiligten über die Herausforderungen und die beachtlichen Defizite der Mitgliedsstaaten zu unterrichten“, sagte er.

UEAPME, ein Verband für Kleinunternehmen, drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass die Regierungen sich für die Umsetzung des Small Business Act nicht verantwortlich fühlten. Er stellte fest, dass nur zwei der 27 EU-Mitgliedsstaaten das Gesetz in nationales Recht umgewandelt haben.

„Der heutige Bericht ist in mehr als einer Hinsicht enttäuschend“, sagte UEAPME-Generalsekretär Andrea Benassi. „Vor allem ist es ein sehr kurzes und oberflächliches Dokument, das nicht viel mehr als Selbstlob der Kommission enthält. Zweitens – und das ist vielleicht noch wichtiger – zeigt es, dass nur eine Handvoll Mitgliedstaaten in einer umfassenden Weise gehandelt haben, während die meisten ein paar handverlesen Punkte aufführten und damit durchkamen. Wir haben lediglich einige Beispiele von einigen Ländern in Bezug auf einige Fragen. Wir sind sehr, sehr weit von dem Punkt entfernt, wo wir ein Jahr nach der Verabschiedung des Small Business Act sein sollten“, sagte er.

Hintergrund : 

Im Juni 2008 schlug die Europäische Kommission den Text des Small Business Act (SBA) vor. Er wurde im Dezember desselben Jahres vom Europäischen Rat angenommen  (EurActiv vom 2. Dezember 2008).

Die ursprüngliche Idee sah vor, KMU bei Entscheidungen in den Vordergrund zu stellen und das Gewicht der EU-Beschäftigungsstrategien von Groß- auf Kleinunternehmen zu verlagern. Diese Überlegungen spiegelten Befürchtungen wider, dass der Wettbewerb aus Niedriglohnländern in Asien zu einem riesigen Arbeitsplatzabbau führen könnte.

Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise hat jedoch das Gewicht auf Maßnahmen verlagert, die das Überleben von Kleinunternehmen gewährleisten sollen, die vom Zusammenbruch der Banken und den abnehmenden Finanzierungsmöglichkeiten am Markt besonders schwer betroffen sind.

Geschätzte 99% der Unternehmen der EU sind KMU. Diese machen etwa 70% der europäischen Arbeitsplätze und des europäischen BIP aus, und ihre Flexibilität wird als wichtige Treibkraft für zukünftige Innovation und die Schaffung von Arbeitsplätzen gesehen.

Die EU-Exekutive hat bereits die Richtlinie über den Zahlungsverzug gemäß den Verpflichtungen aus dem SBA überarbeitet (EurActiv vom 9. April 2009), obwohl Wirtschaftsvertreter immer noch über Verzögerungen klagen.

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