Wenn Papierrechnungen durch elektronische ersetzt werden sollten, schätzt Brüssel das Potential für Ersparnisse in der Europäischen Union auf jährlich circa 40 Milliarden Euro.
Die Ersparnisse würden hauptsächlich auf den niedrigeren Papierverbrauch, die Abschaffung der Portokosten und eine bessere Automatisierung von bürokratischen Praktiken zurückzuführen sein.
Der Vizepräsident der Kommission Antonio Tajani, der für Industrie und Unternehmertum zuständig ist, sagte, dass die elektronische Rechnungsstellung die gesamte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen, und insbesondere der KMU fördern, indem sie die Art und Weise, wie wir arbeiten, revolutionieren würden.
Die elektronische Rechnungsstellung habe das Potential, für Unternehmen, Verbraucher und den europäischen Handel insgesamt etwas zu bewegen, sagte der Binnenmarktkommissar, Michel Barnier. Er hob die Vorteile in Sachen Zeit- und Geldgewinn hervor.
In einer Mitteilung, die gestern (2. Dezember) veröffentlicht wurde, weist die Europäische Kommission darauf hin, dass eine umfassende Annahme der elektronischen Rechnungsstellung eine positive Auswirkung auf die Umwelt haben könnte, indem sie die auf Postbeförderung zurückzuführenden CO2-Emissionen reduziere. Die Verringerungen würden Hochrechnungen der EU zufolge insgesamt eine Million Tonnen ausmachen.
Niedriger Marktanteil
Elektronische Rechnungen stellen noch einen geringen Anteil aller Rechnungen, die in der EU ausgetäuscht werden dar. Ihre Durchdringungsquote reicht von 3 bis 30 Prozent – abhängig von den Mitgliedsstaaten. Der EU-Durchschnitt liegt bei fünf Prozent.
Schätzungsweise verwenden nur eine Million von den 23 Millionen Unternehmen, die in der EU tätig sind, elektronische Rechnungsstellung.
Die Kommission hegt ehrgeizige Pläne, um diesen Trend umzukehren, und will, dass elektronische Rechnungsstellung bis 2020 in der Europäischen Union zur beliebtesten Methode in der Europäischen Union wird, Rechnungen zu erstellen, wird, in Übereinstimmung mit einer Anzahl an anderen innovationsfördernden Initiativen.
Die Kommission sagt, es sei entscheidend, die öffentlichen Behörden und die Klein- und Mittelunternehmen, die 99 Prozent aller EU-Unternehmen ausmachten aber auch zurückhaltend seien, von Papier- zu virtuellen Rechnungen überzugehen, in ihren Versuch mit einzubeziehen.
Öffentliche Behörden werden virtuell
Sollte die öffentliche Verwaltung umfassend zu elektronischen Rechnungen übergehen, dann wäre die gesamte Auswirkung auf die Wirtschaft enorm, argumentiert die Kommission, da es große und kleine Unternehmen zwingen werde, sich elektronischen Standards anzupassen.
In einigen EU-Ländern haben sich die Regierungen dem verschrieben, in öffentlichen Behörden die elektronische Rechnungsstellung verpflichtend zu machen, wie etwa in Italien, Finnland oder Dänemark. In Schweden ist ein elektronisches System des Beschaffungswesens in der öffentlichen Verwaltung schon voll funktionsfähig.
Weitere Regierungen arbeiten an ähnlichen Initiativen der elektronischen Rechnungsstellung, während auf EU-Ebene die Europäische Kommission die PEPPOL-Initiative (für „Pan-European Public Procurement On-Line“ - Paneuropäisches öffentliches Auftragswesen Online) eingeleitet hat. Unter der Initiative arbeiten nationale Verwaltungen an der Förderung der elektronischen Kommunikation zwischen Unternehmen und öffentlichen Behörden zusammen.
In der Hinsicht, nationale Initiativen der elektronischen Rechnungsstellung zu fördern, fordert die Kommission die Mitgliedsstaaten auf, Foren über die elektronische Rechnungsstellung zu errichten und bewährte Praktiken auszutauschen.
KMU an Bord
Um die elektronische Rechnungsstellung zum gemeinsamen Standard zu machen, ist es ausschlaggebend, KMU mit einzubeziehen. Diese werden derzeit durch eine Reihe von gesetzlichen, technischen und finanziellen Hindernissen davon abgehalten, elektronische Rechnungen zu nutzen.
Die Kosten, die Software oder die Hardware anzuschaffen, sowie die Kosten, die für die elektronische Durchführung von Transaktionen fällig sind, sollten garantiert erschwinglich sein, betonte der KMU-Verband, der auf die Standardisierung spezialisiert ist (Normapme).
Um diese zu überwinden, schlage die Kommission vor, die Kompatibilität der verschiedenen Lösungen zu verbessern. Kleine Unternehmen tendierten dazu, mit vielen verschiedenen Lieferanten und Kunden zu arbeiten, die es erforderlich machten, elektronische Rechnungsstellung mit verschiedenen Standards zu nutzen.
Die Entwicklung von kompatiblen Vorgängen und Standards entlang der Lieferkette, darunter auch die elektronische Rechnungsstellung, werde deren umfassende Annahme durch KMU erleichtern, heißt es in der Stellungnahme der Kommission.
Gesetzliche Hindernisse resultieren auch aus unterschiedlichen Regeln über elektronische Rechnungsstellung, zum Beispiel fortgeschrittene elektronische Signaturen, die keinen gemeinsamen Standards folgen, in den verschiedenen Mitgliedsstaaten. Dies stellt einen ernsten negativen Anreiz gegen grenzüberschreitenden Handel dar, insbesondere für kleine Unternehmen.
Die Kommission sieht die Umsetzung der überarbeiteten Richtlinie über die Mehrwertsteuer als eine Gelegenheit, die Regeln für die elektronische Rechnungsstellung zu harmonisieren. Der überarbeitete Text behauptet, dass Firmen frei sein sollten, elektronische Rechnungen auszutauschen, solange sie Unternehmenskontrollen aufrechterhalten, die einen verlässlichen Prüfpfad zwischen einer Rechnung und einer Warenlieferung oder Dienstleistung hinterließen.
Nationale Behörden dürften nicht länger spezielle Erfordernisse hinzufügen, wie zum Beispiel darauf zu bestehen, dass elektronische Rechnungen auf fortgeschrittenen elektronischen Signaturen basieren müssten, steht es im Dokument der Kommission. Diese plant auch, die Richtlinie über elektronische Signaturen zu überarbeiten, um grenzüberschreitende Anerkennung zu erleichtern.





