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Davos: Mehr Unternehmen wollen 2010 Arbeitskräfte einstellen als entlassen [DE]

Veröffentlicht 27. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Nach dem stärksten Rückgang der Konjunktur seit dem Zweiten Weltkrieg erholt sich das Geschäftsklima inzwischen wieder, sodass mehr Unternehmen neue Arbeitskräfte einstellen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute (27. Januar) anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt wird.

Pläne zur Schaffung von Arbeitsplätzen beschränken sich jedoch auf einen geringen Umfang und konzentrieren sich größtenteils auf die Schwellenländer, wo die wirtschaftliche Erholung am stärksten und die Löhne am niedrigsten sind. 

Wachstumshoffnungen in den Industriestaaten bleiben der Studie zufolge deutlich gedämpft.

Eine Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) unter 1.200 Geschäftsführern in 52 Ländern ergab, dass 39% der Industriebosse im Jahr 2010 Personal einstellen wollen, während 25% einen Stellenabbau planen. Letztes Jahr hatten noch fast die Hälfte der Befragten Arbeitsplätze abgebaut.

„Letztes Jahr befanden wir uns eindeutig in einer Krise“, sagte Dennis Nally, Vorsitzender der weltweiten Beratungsgruppe. „Die Geschäftsführer sind heute sehr viel optimistischer, obwohl sie trotzdem ziemlich vorsichtig sind und die Bedenken je nach Lage variieren. Geschäftsführer in Entwicklungsländer sind zum Beispiel sehr viel optimistischer als die Geschäftsführer in den Industriestaaten.“

Die Umfrage wurde zum Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht, zu dem sich 2.500 Persönlichkeiten der weltweiten Wirtschafts- und Politikelite nach der Wirtschaftskrise treffen.

Um die Weltwirtschaft wieder in Fahrt zu bringen, sind die Märkte mit 5 Billionen US-Dollar billigen Geldes überschwemmt worden. Während Regierungen und Zentralbanken nun Ausstiegsstrategien vorbereiten, sehen viele wirtschaftliche Führungskräfte jedoch nur einen schwachen Aufschwung.

Unternehmen verzichten zunehmend auf Entlassungen, zögern jedoch mit Neueinstellungen über das nötige Mindestmaß hinaus, um den schwachen Aufschwung zu bewältigen.

„Ich glaube nicht, dass in den nächsten 12 Monate ein entscheidender Anstieg der Beschäftigung auf uns zu kommt“, sagte Nally und wies darauf hin, dass die Ausweitung der Belegschaft sogar bei Geschäftsführern, die ihr Personal aufstocken, lediglich 5% oder weniger betrage.

Erholung mit mehreren Geschwindigkeiten

Dennoch sieht die Lage deutlich besser aus als vor 12 Monaten. Insgesamt sind 81% der Geschäftsführer weltweit mit den Geschäftsaussichten für die kommenden 12 Monate zufrieden, deutlich mehr als 64% im vergangenen Jahr. Zudem zeigen sich 31% „sehr zufrieden“, 10% mehr als beim Tiefpunkt im vergangenen Jahr.

PwC-Konkurrent Accenture zeichnet ein ähnliches Bild eines sich verbessernden Geschäftsklimas, fügt jedoch hinzu, dass die Erwartungen an den Aktienmärkten den tagtäglichen Realitäten in den Vorstandsetagen voraus seien.

„Jeder versucht zu erkennen, wo wir im Zyklus stehen. Interessanterweise handelt es sich jedoch nicht um eine Stelle, da wir uns derzeit klar in einer Welt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten befinden“, sagte Mark Foster, Geschäftsführer der Accenture-Gruppe für Unternehmensberatung.

Unternehmen, die den Abschwung einigermaßen zufrieden stellend überstanden haben, schauen laut Forster nun nach Möglichkeiten, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Als Beispiel nannte Forster Kraft Foods Inc., der den britischen Schokoladenhersteller Cadbury Pls gekauft hat.

„Wer als Erstes kommt, kann ein echtes Schnäppchen machen. Diese Möglichkeiten bestehen noch in den nächsten 12 bis 18 Monaten“, sagte er.

(EurActiv mit Reuters.)

 

Hintergrund : 

Die Arbeitslosigkeit in den 27 EU-Mitgliedstaaten wird sich 2010 verschärfen und könnte möglicherweise erst 2011 wieder fallen, so die Europäische Kommission in ihrem Gemeinsamen Beschäftigungsbericht vom 15. Dezember. 

Den jüngsten Prognosen der Kommission zufolge wird sich die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres 2010 verschlechtern und gegen Jahresende einen Spitzenwert von 10,3% erreichen. Damit wären in einem Jahr insgesamt 28 Millionen Europäer arbeitslos (EurActiv vom 16. Dezember 2009). 

Infolge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise entwickelt die EU für das kommende Jahrzehnt eine neue Arbeitsmarktstrategie (siehe EurActiv LinksDossier zur Arbeitsmarktreform).

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