EU erwägt Verlängerung von "Erasmus für Jungunternehmer" [en] [fr]

Veröffentlicht: 25 February 2010 | Updated: 11 March 2010
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Der italienische Schönheitschirurg Luca Poli, der vom Programm "Erasmus für Jungunternehmer" profitiert hat, nannte die drei Monate, in denen er einer spanischen Unternehmerin bei der Arbeit begleitete, den Schlüssel zum Erfolg seiner neuen Klinik in Mailand. Das EU-Programm ist für ein zweites Jahr verlängert worden und könnte zu einem festen Bestandteil von EU-Förderprogrammen werden.

Background

Im Februar 2009 startete die Europäische Kommission ein Pilotprojekt, das jungen Unternehmern ermöglichen sollte, einen etablierten Unternehmer ein bis sechs Monate lang bei der Arbeit zu begleiten (EurActiv vom 20. Februar 2009). Die Teilnehmer erhalten finanzielle Unterstützung, um ihre Kosten während ihres Besuchs abzudecken.

Der Schritt gehört zu Bemühungen, das Unternehmertum zu fördern und Unternehmern bei einer besseren Nutzung des Binnenmarkts zu unterstützen. Der Vorschlag stammt aus dem Small Business Act, der 2008 veröffentlicht wurde (EurActiv vom 11. Juni 2009).

Schätzungen zufolge exportieren derzeit nur 8% der KMU Güter und Dienstleistungen innerhalb der EU – zur großen Enttäuschung von Wirtschaftsverbänden, die sich für eine vollständige Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie einsetzen.

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Poli ist einer von 1.800 Unternehmern, die sich für das Austauschprogramm angemeldet haben. Das Programm erlaubt Europäern, etablierte Unternehmer bei der Arbeit zu begleiten, bevor sie ihre eigenen Unternehmen gründen.

Das Pilotprojekt im Volumen von 5 Millionen Euro wurde für ein zweites Jahr verlängert. Zudem hat ein Beamter der Europäischen Kommission Pläne bekannt gegeben, die Initiative fest etablieren zu wollen. Bisher sind 60 Austausche abgeschlossen worden. Die Zahl könnte bis Juni 2010 auf 500 ansteigen.

Das Mobilitätsprogramm ist besonders in Italien und Spanien erfolgreich: Fast die Hälfte aller Bewerbungen stammen aus diesen beiden Ländern. Das bei weitem am häufigsten nachgefragte Zielland ist Großbritannien, vor allem aus sprachlichen Gründen. Dies teilte der Dachverband der europäischen Handelskammern Eurochambres mit, der das Programm koordiniert.

Die aktivsten Wirtschaftszweige sind Medien und Werbung, Informationstechnologien und Bildung. Die Unternehmer verbringen durchschnittlich zwei bis drei Monate mit einem gastgebenden Unternehmer.

Poli, der während seines Medizinstudiums bereits vom Erasmus-Programm für Studenten Gebrauch gemacht hat, nutzte das Programm, um Francine Huaman bei ihrer Arbeit zu begleiten, die in Spanien ein Wellness-Zentrum leitet.

Seine Pläne für die Eröffnung einer Klinik in Mailand waren bereits fortgeschritten, aber er brauchte Einsichten von jemandem mit Erfahrung in der Leitung eines eigenen Unternehmens.

"Meiner Erfahrung nach sind Ärzte bei der Behandlung von Patienten gut, nicht aber so sehr auf der wirtschaftlichen Seite. Ich wollte einen erfahrenen Unternehmer, der mir die Fehler in meinem Geschäftsplan aufzeigen konnte und der seine Erfahrungen über das Leiten eines Unternehmens mit mir teilen würde", sagte Poli.

Vor dem Austausch verfügte der italienische Chirurg lediglich über begrenztes Wissen in den Bereichen Marketing und Kommunikation. Doch seine Zeit in Spanien half ihm bei der Planung einer Medienstrategie, die letztendlich zu Fernsehauftritten führte und die Sichtbarkeit seines neuen Unternehmens erhöhte.

Poli zufolge lag die größte Schwierigkeit bei der Gründung seines Unternehmens in der Sicherung ausreichender finanzieller Unterstützung für sein Projekt.

"Ich musste medizinische Geräte kaufen und eine Klinik renovieren, also brauchte ich etwa 200.000 Euro. Letztendlich habe ich mich um europäische Förderung beworben, die von meiner Regionalbehörde verteilt wurde. Das Unternehmen hat sich zu einem wirklichen Erfolg entwickelt: Die Nachfrage ist groß und wir haben wirklich viel zu tun. Den Kredit werden wir nächstes Jahr bereits zurückzahlen können", sagte Poli gegenüber EurActiv.

Für das Programm Erasmus für Jungunternehmer waren ursprünglich 3 Millionen Euro vorgesehen. Im zweiten Jahr werden dem Programm nun 5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wodurch deutlich mehr Unternehmen eine Chance auf Förderung erhalten.

Pünktlich zum ersten Jahrestag des Programms bestätigte Christian Weinberger, der bei der Europäischen Kommission die Abteilung für Unternehmertum leitet, die Ausdehnung des Programms auf fünf neue Länder: Dänemark, die Tschechische Republik, die Niederlande, Lettland und Slowenien. Damit steigt die Zahl der beteiligten Länder auf 24 an.

Positions

Joanna Drake, Direktorin für die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU bei der Direktion der Europäischen Kommission für Unternehmen und Industrie, zeigte sich zuversichtlich, dass Erasmus für Jungunternehmer zu Neugründungen beitragen wird.

Das Programm werde die Grenzen der Geschäftstätigkeiten von KMU erweitern; sie würden internationaler, kreativer, dynamischer und innovativer werden.

Laut Ben Butters, Direktor für europäische Angelegenheiten bei Eurochambres, das das Programm unterstützend begleitet, ist das Pilotprojekt bei den Teilnehmern gut angekommen. Das Feedback von den Unternehmern, die sich an dieser ersten Austauschphase als Vorkämpfer beteiligten, habe den Nutzen sowohl für die Neuunternehmer als auch für die gastgebenden Unternehmer bestätigt. Eine Teilnahme stelle für beide Parteien eindeutig eine tolle Gelegenheit für eine künftige Zusammenarbeit dar und biete beiden eine neue Sicht über ihre bestehenden bzw. zukünftigen Aktivitäten.

Die spanische gastgebende Unternehmerin Francine Huaman drückte die Hoffnung aus, dass die Zusammenarbeit mit dem jungen italienischen Unternehmer zu einer weiteren Zusammenarbeit führen werde. "Es hat mich sehr gefreut, Luca in meinem Wellness-Zentrum begrüßen zu dürfen. Die Erfahrung war so gut, dass ich mich auch in Zukunft wieder als gastgebende Unternehmerin zur Verfügung stellen werde", sagte sie.

Janina Arsenjeva & Aurélien Daydé, European Disability Forum
Brook Riley, Catherine Pierce, Erica Hope / Friends of the Earth Europe, European Environmental Bureau, Climate Action Network Europe
Anna Pullinger, Private citizen