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Europäische Patentorganisation soll grüne Innovation untersuchen [DE]

Veröffentlicht 06. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Die Europäische Patentorganisation (EPO) hat eine detaillierte Studie begonnen, um den Wachstum im Bereich der Öko-Innovation seit Einführung des Kyoto-Protokolls zur Erderwärmung zu untersuchen. Der Schritt kommt vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen nächsten Monat und zu einem Zeitpunkt, wo Hauptakteure der Industrie sich für umweltfreundliche Technologien aussprechen.

Wirtschaftsvertreter setzen ihre Hoffnungen auf umweltfreundliche Innovationen als Lösung für das doppelte Problem des Klimawandels und der Finanzkrise. Jedoch sind in diesem Bereich kaum konkrete Daten vorhanden, sodass Schätzungen über das wahre Ausmaß des europäischen Öko-Innovationssektors schwierig bleiben.

Dies wird sich im April nächsten Jahres ändern, wenn die EPO die ersten Ergebnisse eines Großprojekts veröffentlicht, welches das Wachstum von Patenten für umweltschonende Technologien untersucht.

Die Studie wird auch untersuchen, wie sich die Landschaft für grüne Patente seit dem Kyoto-Protokoll von 1997 entwickelt hat und wie Firmen auf Anreize und Signale aus der Politik reagiert haben.

Ein EPO-Sprecher sagte, dass der Bericht ursprünglich mit der Kopenhagener Konferenz zusammenfallen sollte, nun aber rechtzeitig für eine 2010 stattfindende Konferenz zu Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien erwartet wird, die vom spanischen EU-Vorsitz ausgerichtet wird.

Rohdaten der EPO deuten auf ein schnelles Wachstum bei den Patentanträgen für Umwelttechnologien hin. In den zehn Jahren seit 1998 stiegen die Patentanträge für neue Energieinnovationen um durchschnittlich 6% jährlich.

Windenergie, Brennstoffzellen, solarthermische und photovoltaische Energietechnologien haben seit Ende der 1990er das stärkste Wachstum gezeigt.

Die USA, Deutschland, Japan und die Niederlande sind dabei die Länder mit der höchsten Zahl von Innovationen im Sektor der neuen Energien, wobei Firmen wie General ElectricSiemens und Nissan die meisten Patentanträge gestellt haben.

Zentrale Rolle für PPPs bei ‘Öko-Innovation’

Größere Verbindungen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor könnten ein Markenzeichen der aufkommenden grünen Industrie in Europa sein, sagten hohe Vertreter aus Politik and Industrie, die sich in Brüssel zu einem Seminar über Öko-Innovation trafen, das vom Lisbon Council organisiert wurde.

Marcel Haag, Referatsleiter mit dem strategischen Ziel der Solidarität beim Generalsekretariat der Europäischen Kommission, sagte, dass der öffentliche und der private Sektor Hand in Hand arbeiten müssten, um Innovationen zu ermöglichen. „Dies kann nicht vom öffentlichen oder vom privaten Sektor allein geleistet werden“, sagte er.

Haag sagte, Klimawandel und Innovation würden die wichtigsten Prioritäten der neuen Europäischen Kommission sein. Er verwies auf die Rolle des Emissionshandelssystems der Union (EU ETS), das den CO2-Ausstoß mit einem Preis versieht, als möglicher Wegbereiter zukünftiger Innovationen. Jedoch dämpfte Haag allzu hohe Erwartungen, indem er hinzufügte, dass die EU nur handeln könne, wo Eingriffe der Gemeinschaft zu einem wirklichen Mehrwert beitragen.

Das System zum Schutz des geistigen Eigentums sei ein wesentlicher Engpass, der die Ermutigung von Innovation verhindere, sagte er und fügte hinzu, dass Fortschritte bei diesem ständigen Problem für die EU Priorität habe.

Öffentlich-private Partnerschaften (PPPs) würden auch dabei helfen, die grünen Technologien der Zukunft voranzutreiben, sagte er und verwies auf die Gemeinsamen Technologieinitiativen (GTIs) und das Europäische Konjunkturprogramm, das einige PPPs etwa beim elektrischen Verkehrswesen vorsieht.

„Wir untersuchen gerade, wie wir durch eine bessere Abstimmung zwischen den Beteiligten und eine Vereinfachung der sehr komplexen GTIs mehr aus den PPPs gewinnen können”, so Haag.

Jedoch warnte Tom Barrett von der Europäischen Investitionsbank (EIB), dass PPPs nicht immer die richtige Lösung seien. Er sagte, diese könnten komplexe Instrumente sein und sogar ein Hindernis für die Sicherstellung von öffentlicher Unterstützung für Großprojekte darstellen.

Barrett betonte, es sei wichtig zu verstehen, warum einige PPPs gut funktionierten, während sich andere als weniger erfolgreich herausgestellt hätten.

Industriegrößen für grüne Technologie

Hochrangige Industrieriesen, unter ihnen GooglePhilips und IBM, haben sich – und ihre finanziellen Mittel – für die Bemühungen um grünere Technologien eingesetzt.

Harry Verhaar, Abteilungsleiter für Klimawandel und Energie bei Philips, sagte, dass Energieeinsparungen durch Beleuchtung und eine verbesserte Wärmedämmung dabei helfen würden, Europas CO2-Emissionen zu senken und gleichzeitig eine große Anzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen.

„Energietechnologien sind die nächste wirtschaftliche Welle”, sagte er und fügte hinzu, dass die USA, China und Südkorea bereits stark in umweltfreundliche Energien investierten.

Verhaar sagte, dass Beleuchtung 19% des weltweiten Effizienzkonsums darstelle und dass die in diesem Bereich genutzte Technologie extrem ineffizient sei.

120 Milliarden Euro können durch effizientere Beleuchtung eingespart werden und dies würde bedeuten, das weniger Kraftwerke benötigt werden. Weitere Einsparungen könnten gemacht werden, indem man Europas Bausubstanz verbessert, da 99% aller Gebäude laut Verhaar renoviert werden müssten. Er sagte, dass Frankreich zum Beispiel bis 2050 1,000 Häuser am Tag renovieren müsste, um seine Zielsetzungen zur Reduktion von Treibhausgasen zu erfüllen.

„Dies ist kein Opfer. Es wird zu mehr Arbeitsplätzen, höherem Komfort und niedrigeren Rechnungen beitragen”, sagte er.

Stellungnahmen: 

Benjamin Kott, Manager von grünen Unternehmen Europa bei Google, sagte, der Öffentlichkeit Informationen zur Verfügung zu stellen, werde zu einer Änderung ihres Verhalten führen. Google und das International Panel on Climate Change (IPCC) arbeiten daran, vor dem Kopenhagener Gipfel Klimadaten auf Google Earth zu visualisieren. 

„Wir müssen den Verbrauchern Informationen über ihren CO2-Haushalt liefern, ebenso wie Einzelheiten, wie sie ihren CO2-Ausstoß reduzieren können, und Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten in ihrer Gegend“, sagte er.

Kott fügte hinzu, dass Google seinen eigenen CO2-Ausstoß radikal reduziert habe, und behauptete, dass ihre Datenzentren jetzt die effizientesten der Welt seien. Die Firma investiere 50 Milliarden Euro in erneuerbare Energien der nächsten Generation, sagte er.

Antonio Pires Santos, Geschäftsführer für Energie and Versorgung bei IBM Europe, sagte, seine Firma habe ihren C02-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40% gesenkt und erwarte einen weiteren Rückgang um 12%.

„Als Unternehmen müssen wir ein Beispiel geben”, sagte er.

IBM schätzt, dass es für jeden für Energieeffizienz ausgegebenen Euro zwei Euro zurückerhält. Pires Santos sagte, dass verbesserte Technologien und mehr Informationen bedeuteten, dass die Werkzeuge für Emissionskürzungen vorhanden seien, fügte aber hinzu, dass „die Schlacht in den Städten gewonnen oder verloren werden wird“.

IBM arbeitet mit mehreren öffentlichen Einrichtungen zusammen um Öko-Effizienzen zu steigern, einschließlich einer Zusammenarbeit mit der Rotterdamer Hafenbehörde und der Regierung von Malta über intelligentere Wassernutzung.

Er sagte, dass sich aus dieser Phase der wirtschaftlichen Turbulenzen eine Öko-Wirtschaft herauskristallisieren werde, und fügte hinzu, dass Innovationen im Umweltbereich einen wirklichen zusätzlichen Wert schaffen müssten, um Veränderungen zu bewirken.

David Wortmann, Vizepräsident und Direktor für Strategische Planung Europa bei First Solar, warnte, dass die Gesellschaft sich „auf einen Systemkonflikt zu bewegt” und sich für einen Weg entscheiden müsse. Er sagte, dass politische Entscheidungsträger gebraucht würden, um die Unsicherheiten zu reduzieren.

Nächste Schritte: 
  • Bis Frühjahr 2010: Europäische Kommission veröffentlicht Europäisches Innovationsgesetz. 
  • April 2010: EPO veröffentlicht erste Ergebnisse eines Großprojekts über Wachstum bei neuen Patenten für umweltschondende Technologien.
Hintergrund : 

Das Europäische Jahr der Kreativität und Innovation  2009 fällt mit einem wachsenden politischen Interesse an Innovationsfragen zusammen. Die Europäische Kommission wird bis zum Frühjahr 2010 ein Europäisches Innovationsgesetz veröffentlichen (EurActiv vom 24. September 2009).

Jedoch hat die Wirtschaftskrise die Zahl der Patentanträge stark getroffen. So erlebt die Europäische Patentorganisation einen Rückgang bei neuen Patenten, was auf harte Zeiten für Europas innovative Industrien hindeutet (EurActiv vom 28. Oktober 2009).

Zusammen mit dem wachsenden Interesse an Innovation ist Europa dabei, vor dem Kopenhagener  Klimagipfel seine Wirtschaft auf einen grüneren Pfad zu lenken. Der europäische Plan zur Wirtschaftserholung beinhaltete eine Reihe von Maßnahmen, die die Wirtschaft ankurbeln sollten.

Nichtsdestotrotz gibt es Befürchtungen, dass Europa nur mühsam mit den erheblichen Investitionen in grüne Innovationen, die von China, Japan und Südkorea getätigt werden, mithalten kann (EurActiv vom 2. November 2009).

 

 

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