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Ökonomen sagen Aufschwung ohne Arbeitsplätze vorher [DE]

Veröffentlicht 15. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Europa könnte im Jahr 2010 zu moderatem Wachstum zurückkehren, doch Ökonomen warnen vor einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit inmitten von Befürchtungen über eine schwache Erholung.

Bei einer gestrigen (14. Januar) Konferenz in Brüssel sagten Analytiker ein weiteres schwieriges Jahr vorher. Die Gefahr einer W-förmigen Erholung mit zwei Tälern könne nicht ausgeschlossen werden.

Die vom European Policy Centre (EPC) ausgerichtete Veranstaltung setzte den Schwerpunkt auf Wachstum und Beschäftigung. Ökonomen machten jedoch ebenfalls deutlich, dass ein Anstieg des BIP keine Verbesserung der Arbeitslosenzahlen bedeuten müsse. 

Jørgen Elmeskov, stellvertretender Chefökonom der OECD, erwartete „eine anhaltende, doch sehr langsame Erholung” in den OECD-Staaten. Die Situation in Europa sei weniger ermutigend als in den USA, wo die Arbeitslosigkeit fast ihren Höchststand erreicht habe.

Jedoch wies er auf einige vorsichtige Signale hin, dass das Vertrauen in die Märkte wieder hergestellt sei. So hätten sich die Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen erholt, wodurch sich größere Unternehmen leichter Kapital beschaffen könnten.

Der Welthandel erhole sich ebenfalls, angetrieben von einer starken Leistung der so genannten ‚BRIC’-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China –, die alle wirksame Politiken zur Krisenbewältigung umgesetzt hätten. Elmeskov wies dabei insbesondere auf die von der Politik eingeleitete Erholung in China hin, die er als „erstaunlich“ beschrieb. Er erwarte nun ein Wachstum von über 10%.

Elmeskov zufolge könnten die Immobilienpreise in einer Reihe von Ländern ebenfalls die Talsohle durchschritten haben. Jedoch gebe es weiterhin „bohrende Zweifel“, ob die Grundstückspreise tatsächlich ihren Tiefststand erreicht hätten. Eine zweite Phase des Wertverfalls sei möglich.

Rückzahlungen zum Ende der Rezession

Wacklige Finanzinstitutionen und ausufernde Staatsschulden stellen den Ökonomen zufolge die größte Gefahr für die wirtschaftliche Erholung dar. Bei der Senkung von Ausgaben müssten Regierungen einen schmalen finanzpolitischen Grat wandern, da solche Maßnahmen negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft – insbesondere auf die Verbraucherausgaben und das Geschäftsklima – haben könnten. 

Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen sah Fabian Zuleeg, Chefökonom beim EPC, „wenig Platz für Optimismus“, da die Entwicklung der Arbeitslosigkeit dem Wirtschaftswachstum meistens hinterherhinke.

Er wies auch auf unterschiedliche Auswirkungen des sinkenden BIP auf die Arbeitsmärkte innerhalb Europas hin. So sei das BIP in Spanien zum Beispiel entsprechend dem EU-Durchschnitt zurückgegangen, die dortige Arbeitslosigkeit sei jedoch stark angestiegen und gehe auf 20% zu – doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt.

Zu den langfristigeren Aussichten für den europäischen Arbeitsmarkt sagte er, die Beschäftigung werde nicht anziehen, bis das träge Wachstum einen Wert von etwa 1,5% überschreitet.

„Wir bewegen uns aus der Krise heraus – jedoch nicht in eine Phase der Erholung, sondern in die Stagnation. Werden die europäischen Volkswirtschaften jemals wieder den Punkt erreichen, an dem sie vor der Krise waren? Das ist äußerst zweifelhaft. Die Arbeitsmärkte werden noch lange Zeit davon betroffen sein“, so Zuleeg.

Demographische Entwicklungen und die notwendige Bekämpfung des Klimawandels würden das Problem sogar noch verstärken.

EU-Exekutive signalisiert Optimismus

Der einzige Optimist unter den versammelten, düster gestimmten Wissenschaftlern war István Székely, Direktor für wirtschaftliche Studien und Forschung bei der Generaldirektion für Wirtschaft und Finanzen (ECFIN) in der Europäischen Kommission.

Seiner Auffassung nach sei der Markt erheblich optimistischer als einige auswärtige Analytiker. Auch die weltweite Produktion habe fast wieder dasselbe Niveau wie vor Ausbruch der Krise erreicht.

Székely verglich die Erfahrungen aus Japan und Finnland miteinander, die in der Vergangenheit beide mit verheerenden Finanzkrisen zu kämpfen hatten. Im Falle Japans hätten Politiker es versäumt, das Finanzsystem zu reformieren und die Probleme beherzt und direkt anzugehen. Dies habe zu einem „verlorenen Jahrzehnt“ der Stagnation geführt.

Der finnische Fall sei andererseits Grund zu Optimismus, fuhr Székely fort und erklärte: „Es hatte gerade eine schlimme Rezession hinter sich und holte auf. Es dauerte zwar 15 Jahre, bis es wieder auf den Wachstumspfad von vor der Krise zurückkehrte, aber Finnland hat sich – dank technologisch angetriebener Effizienzen und einer Gesellschaft, die Innovationen offen gegenüberstand – letztendlich erholt.“

Dennoch musste auch er zugeben, dass es um die kurzfristigen Aussichten für Beschäftigungswachstum in Europa nicht besonders gut stehe. So werde die Arbeitslosigkeit bis 2011 weiterhin ansteigen – und selbst dann werde die Erholung nur minimal sein.

Stellungnahmen: 

Göran Hultin, der die Arbeitsvermittlung Manpower in EU-Fragen berät, zitierte eine Untersuchung von 71.000 Arbeitgebern in 35 Ländern, die ein verbessertes Vertrauen im Vergleich zum Vorjahr zeigt.

Arbeitgeber erwarteten der Studie zufolge im Jahr 2010 geringere Entlassungen, obwohl dies seiner Einschätzung nach eher ein Plateau beim Arbeitsplatzabbau statt vermehrter Einstellungen bedeute. Sein Fazit: „Ja, es gibt eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts, aber sie ist sehr anfällig, sehr schwach.“

Jørgen Elmeskov von der OECD hielt die während der Finanzkrise angehäuften Staatsdefizite zwar für unhaltbar, sah jedoch ein, dass die Geschwindigkeit, mit der diese Entwicklung rückgängig gemacht werden könne, begrenzt sei. Regierungen müssten die Rentenmärkte davon überzeugen, dass sie es mit der Rückkehr zum Pfad der Tugend ernst meinten.

„Nur die Hälfte der OECD-Länder haben dafür einen Plan. Sie müssen nachweisen, dass sie einen Plan haben, und sie müssen unverzüglich handeln“, sagte er.

Hintergrund : 

Die weltweiten Finanzmärkte erlebten nach der US-amerikanischen Hypothekenkrise im August 2007 einen Abschwung. Zentralbanken waren dazu gezwungen, große Kapitaleinspritzungen vorzunehmen, um das System aufrechtzuerhalten und eine Liquiditätskrise abzuwenden. 

Im September 2008 erreichte die Krise Europa. Mitgliedstaaten sahen sich dazu genötigt, Banken zu retten und der Wirtschaft dabei zu helfen, sich von der schwerwiegendsten Krise seit Jahrzehnten zu erholen.

Die Reaktion der europäischen Regierungen auf die Krise hat die Auswirkungen der Rezession abgemildert. So beschloss eine Reihe von Regierungen Programme zur Kurzzeitarbeit, um den Arbeitsplatzabbau zu begrenzen. Andere pumpten Konjunkturausgaben in Milliardenhöhe in ihre Volkswirtschaften.

Frankreich und Deutschland haben die Rezession im zweiten Quartal 2009 offiziell überwunden und mehrere weitere Länder der Eurozone sollen bis Ende des Jahres folgen. Jedoch liegt die Arbeitslosigkeit in den meisten Ländern der EU immer noch im zweistelligen Bereich und das Geschäftsklima ist bestenfalls gemischt.

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