Lokalwährungen werden historisch gesehen mit kleinen Marktstädtchen in Verbindung gebracht, aber im September startete Brixton die erste städtische Währung Großbritanniens und die irische Stadt Kilkenny will nächstes Jahr nachziehen.
Das Brixton Pfund (B£) ist die vierte neue Währung, die seit 2007 in Großbritannien eingeführt wurde, und wird nun von mehr als 60 Läden angenommen. Ein Kaufhaus im Familienbesitz in Brixton gibt die neuen Geldscheine aus, die Bilder von örtlichen Helden zeigen, und Händler sagen, der Schritt habe zur Stärkung der örtlichen Wirtschaft beigetragen.
Kilkenny, eine kleine mittelalterliche Stadt im Südosten Irlands, hält einen Wettbewerb über die Gestaltung ihrer geplanten Währung ‚Cat’ ab. Als absolute Favoriten für die neuen Geldscheine gelten die früheren Spieler und Trainer von Kilkennys Hurling-Mannschaft, auch als The Cats bekannt.
Für Kilkenny, einem beliebten Touristenzentrum, liegt ein Teil des Reizes darin, Besucher dazu zu ermutigen, ihr Geld vor dem Verlassen der Stadt vor Ort auszugeben.
Als Anreiz zur Nutzung der Währung können Kilkenny Cats für 95 Cent erworben werden, sind aber in den Geschäften der Stadt einen Euro wert. Dies entspricht einem Rabatt von 5% auf lokale Produkte. Laut Brian Dillon von Future Proof Kilkenny, der Bürgerinitiative hinter dem Plan, wird eine bargeldlose Variante der Währung inklusive Chip- und PIN-Karten ebenfalls in Erwägung gezogen.
Der Bürgermeister von Kilkenny, Malcolm Noonan, hofft, dass einige Touristen ihre Cats als Souvenirs behalten werden, anstatt sie vor dem Verlassen der Stadt in Euros umzutauschen.
Als die Kleinstadt Lewes in Südengland im September 2008 das Lewes Pfund einführte, wurde der erste Satz von Geldscheinen auf der Internetseite Ebay zu höheren Preisen als dem eigentlichen Geldwert verkauft.
Das Lewes Pfund, das ein britisches Pfund wert ist, war Teil einer Anstrengung von örtlichen Unternehmen, Umsatz in der Stadt zu erhalten. Für jedes in Umlauf gebrachte Lewes Pfund wird ein britisches Pfund aus dem Verkehr gezogen und in einer Bank gehalten, um jegliche Gefahr einer örtlichen Inflation zu vermeiden.
Die bayerische Gemeinde Prien am Chiemsee wird oft als Inspiration für die modernen Gemeindewährungen genannt. Ihre Chiemgauer-Währung wurde 2003 eingeführt und entwickelte sich aus einem Projekt eines Schullehrers und seiner Schüler heraus.
Weitere Beispiele können in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Italien und Lettland gefunden werden. Das System ist auch in den USA ausprobiert worden, wo die Region Berkshires in Massachusetts die BerkShares eingeführt hat, die von 370 Geschäften angenommen werden.
Im Jahr 1987 führte das Unternehmen Walt Disney Disneydollar in seinen Vergnügungsparks ein. Die Geldscheine ähneln dem US-Dollar, zeigen aber Comicfiguren statt ehemaliger US-Präsidenten.
Örtliche Währungen sind aber auch nicht vor Kritik gefeit. So argumentieren Skeptiker, dass sie nichts weiter als Gutscheinsysteme seien, die von örtlichen Unternehmen zu ihrem eigenen Nutzen entwickelt wurden.
Händler in Regionen, die an Orte mit lokalen Währungen angrenzen, beschweren sich, dass sie dadurch im Nachteil sind.
Nichtsdestotrotz sagen Orte, in denen neue Währungen eingeführt wurden, dass das System zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie zu einem gewissen Lokalpatriotismus beitrage.




