EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Microsoft warnt vor mangelnden IKT-Fähigkeiten [DE]

Veröffentlicht 02. Dezember 2009 - Aktualisiert 14. Februar 2012
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Millionen von Europäern könnten in etwa fünf Jahren wegen fehlender IKT-Kenntnisse vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sein, so ein neuer Bericht, nach dem 90% aller Arbeitsplätze Computerkenntnisse voraussetzen werden.

Die große Mehrheit der freien Stellen in fast allen Sektoren wird bis spätestens 2015 EDV-Kenntnisse als Minimalanforderung verlangen. Dies führt zu Befürchtungen, dass diejenigen, die in der jetzigen Rezession ihre Arbeit verlieren, dauerhaft nicht beschäftigungsfähig sein werden.

Die gestern (1. Dezember) veröffentlichte Studie 13 europäischer Länder, von Microsoft finanziell unterstützt und vom Marktforschungsunternehmen IDC ausgeführt, stellte fest, dass 58% der Angestellten glauben, der Bildungssektor tue nicht genug, um junge Menschen auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten.

Fortbildungen für fortgeschrittene IKT-Kenntnisse werden in den nächsten drei bis fünf Jahren laut Bericht stark steigen. Der Bericht betont ebenfalls die Wichtigkeit von Abschlüssen für IKT-Fachkräfte.

Außerdem wird laut Bericht die Mehrheit der Arbeitnehmer ihre Fähigkeiten verbessern und auf den neuesten Stand bringen müssen, wenn sie Technologie zur Produktivitätssteigerung nutzen sollen.

Betriebliche Ausbildung möglicherweise nicht ausreichend

Laut Marianne Kolding, IDC-Vizepräsidentin für Forschungen zu europäischen Dienstleistungen, erfordert ein hoher Anteil der Arbeitsplätze in Mittel- und Osteuropa zurzeit überhaupt keine IKT-Fähigkeiten. Jedoch würden diese Länder innerhalb der nächsten fünf Jahre zu Westeuropa aufschließen.

Dies zeigt laut Kolding die Notwendigkeit für eine Weiterbildung der Arbeitnehmer auf. Allerdings sei sie über den wahren Wert von Weiterbildung vor Ort und in den Betrieben selbst skeptisch. Professionelle Pädagogen seien besser aufgestellt, um neue Fertigkeiten zu lehren.

Sie fügte hinzu, dass die jüngere Generation zwar im Umgang mit benutzerfreundlichen Geräten versiert sei, dass sie aber kein grundlegendes Verständnis über die Funktionsweise dieser Technologien habe.

Es gibt auch bedeutende Befürchtungen, dass der Wettbewerb durch asiatische Schwellenländer den hoch qualifizierten Bereich des europäischen IKT-Sektors ernstlichem Druck aussetzen wird, da Indien und China ein hohes Volumen an Ingenieurabsolventen produzieren.

„IKT-Absolventen müssen mit einem stärkeren Wirtschaftsverständnis und stärkeren Soft Skills in die Arbeitswelt eintreten sowie über Kenntnisse über führende Technologien wie Cloud Computing und Web 2.0 verfügen”, so Kolding.

Die Untersuchung beruht auf Interviews mit Unternehmensleitern in mehreren Sektoren und einer internetbasierten Umfrage von fast 1.400 Arbeitgebern in Europa. Die Teilnehmer stammten vor allem aus Organisationen mit weniger als 500 Mitarbeitern.

Stellungnahmen: 

Laut Eva Uddén Sonnegård, Staatssekretärin im schwedischen Arbeitsministerium, ist die größte Gefahr des Wirtschaftsabschwungs, dass diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, für immer aus dem Pool der Erwerbstätigen ausscheiden. Sie sagte, dass die Sicherstellung von Beschäftigungsfähigkeit wichtiger als die Rettung bestimmter Industriezweige sei, und rief zu verstärkten Anstrengungen zur Förderung von Weiterbildungen auf.

„Wir müssen jetzt Maßnahmen beschließen, um gegen die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Erwerbstätigkeit vorzugehen, indem wir die Struktur unserer Arbeitsmärkte stärken, den Zugang zu Arbeit erhöhen und die Aus- und Fortbildung von Arbeitskräften fördern“, sagte sie.

Laut Jan Muehlfeit, Vorsitzender von Microsoft Europe, sind IKT-Kenntnisse für die nächste Generation von Arbeitskräften und den Aufbau einer europäischen Innovationsgesellschaft unumgänglich.

„Wir wissen, dass die technologischen Trends bessere IKT-Fähigkeiten von Arbeitnehmern nötig machen werden. Regierungen müssen weiterhin in Aus- und Fortbildung investieren, damit Arbeitnehmer für eine sinnvolle Beschäftigung gerüstet sind“, sagte er.

Bei einem von Microsoft ausgerichteten Arbeitsessen in Brüssel am 30. November sagte die französische sozialistische Europaabgeordnete Pervenche Berès, Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Beschäftigung und Soziales, dass die Krise die Arbeitsplätze vernichtet habe, die während des Technologiebooms im Jahr 2000 geschaffen worden seien.

Beschäftigung sollte zwar die oberste Priorität der EU sein, doch sie drängte auf einen ganzheitlichen Ansatz, um neue nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Praktische Fragen wie Verkehr und Wohnungswesen würden für den Aufbau neuer Industrien und für realisierbare Umschulungen von großer Bedeutung sein, so Berès.

Nach Ansicht von Bruno Lanvin, Geschäftsführer von E-Lab bei INSEAD, hat Europa große Nachteile beim Ziel, eine Innovationsgesellschaft zu werden. Dazu gehörten seine mangelnde Risikobereitschaft und sein Umgang mit Scheitern. Er drückte auch seine Besorgnis darüber aus, dass sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei IKT-Fähigkeiten auftun könnten, da sich weniger junge Frauen für eine IKT-Karriere interessierten.

Frans De Bruïne, Sonderberater der niederländischen Regierung, sah die größte Gefahr für 2010 in der Tatsache, dass viele qualifizierte Arbeitskräfte ihren Arbeitsplatz verlieren würden und dann ihren Wert verlieren könnten, weil ihre Fähigkeiten veraltet seien. Er kündigte an, dass die niederländische Regierung eine Arbeitsgruppe zu IKT-Fertigkeiten einrichten wird.

Jonathan Liebenau von der London School of Economics führte Südkorea als Paradebeispiel dafür an, wie man ein IKT-Programm fördern könne. Er lobte die Einstellung koreanischer Manager, sich die Kenntnisse ihrer Arbeitskräfte zunutze zu machen, und sagte, dass Arbeitnehmer in Korea verstünden, dass eine Stärkung ihres Qualifikationsniveaus ihre Beschäftigungsmöglichkeiten verbessere.

Der tschechische konservative MdEP Milan Cabrnoch sagte, Europa tendiere dazu, „auf die alte Art“ mit Beschäftigungsfragen umzugehen. Europa versuche Arbeitsplätze und Arbeitnehmer zu schützen, obwohl es eigentlich Umschulungen fördern sollte. Cabrnoch sagte, Gesundheit werde ein wesentlicher Bereich für die Ausweitung von IKT-Fähigkeiten sein.

„Wir haben oftmals hoch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal, das in Bezug auf Informationstechnologie nicht gut geschult ist”, sagte er.

Maria João Rodrigues, eine Hauptverantwortliche bei der Gestaltung der Lissabon-Agenda, sagte, grünes Wachstum sei zu einem populären Schlagwort in Europa geworden, aber es sei ein Fehler, IKT zu vernachlässigen.

„Manchmal können wir Opfer bestimmter Mode-Ideen werden mit dem Risiko, IKT und innovative Fähigkeiten zu marginalisieren. Ein Mangel an diesen Kompetenzen könne die Gefahr von Dauerarbeitslosigkeit mit sich bringen“, warnte sie.

Bridget Cosgrave von der IKT-Gruppe Digital Europe sagte, die Erde sei von „digitalen Eingeborenen, digitalen Neuankömmlingen und digitalen Waisen” bevölkert, und erläuterte große Unterschiede bei der digitalen Kompetenz der Gruppen. Sie meinte, Lehrpläne seien immer noch auf eine Agrargesellschaft bezogen, anstatt junge Menschen mit technologischen Kompetenzen auszustatten.

Cosgrave sagte auch, dass Breitband-Zugang für alle Bürger in Europa ein notwendiges Instrument für die Motivierung der Bevölkerung sei. Hans van der Loo, Leiter der EU-Verbindungsbeamten bei Shell International, betonte die Notwendigkeit, die Zahl der Absolventen mathematischer, ingenieur- und naturwissenschaftlicher Fächer zu erhöhen. Er sagte, Öko-Innovationen würden einfach nicht geschehen, wenn nicht mehr mathematisch gebildete Arbeitskräfte von den Universitäten in Europa ausgebildet würden.

Ben Butters von Eurochambres sagte, KMU beklagten sich ständig darüber, keinen Zugang zu den richtigen Facharbeitern zu haben. Das Problem bestehe darin, dass junge Menschen von den traditionellen Berufen nicht mehr angezogen würden. Butters bestätigte jedoch auch, dass Kleinunternehmen bei Investitionen in Fortbildungen zurückhaltend seien – aus Furcht, Angestellte an Konkurrenten zu verlieren.

Marius Wanders von der NGO Caritas Europa, sagte, die E-Learning-Agenda müsse zu „E-Klusion verändert werden“ und wies auf die Schwierigkeit hin, Bauern vom Pflügen zu IKT-Fähigkeiten umzuschulen.

Nächste Schritte: 
  • 2.-5. März 2010: Europäische 'E-Skills Woche'. 
  • Frühjahr 2010: Veröffentlichung des Europäischen Innovationsgesetzes und von EU 2020.
Hintergrund : 

Mitarbeiter mit den richtigen Qualifikationen zu finden, ist zu einem Hauptthema für Unternehmer in Europa geworden. Führungskräfte haben auf eine wachsende Kluft zwischen Fähigkeiten der Arbeitnehmer einerseits und Beschäftigungserfordernisse der Unternehmen andererseits hingewiesen. So blieben letztes Jahr vier Millionen Stellen unbesetzt, da die 18 Millionen arbeitslosen Europäer nicht über die erforderlichen Qualifikationen für die relevanten Stellen verfügten (EurActiv vom 3.März 2009).

Sprachen und IT-Kompetenzen werden als Bereiche angesehen, in denen sich die europäischen Arbeitnehmer verbessern müssen. Auf dem europäischen Wirtschaftsgipfel im März 2009 in Brüssel forderten Unternehmenslobbyisten einen ‚europäischen Kompetenz-Vertrag’, um Arbeitslose umzuschulen und sie für die zukünftigen Arbeitsplätze zu rüsten (EurActiv vom 27. März 2009).

Ein Bericht der Business School INSEAD bezeichnet die Fähigkeiten der Europäer, in einer globalen, wissensbasierten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben, aufgrund mangelnder Kompetenzen und Mobilität als eingeschränkt. Der INSEAD-Bericht wurde von Shell und Microsoft gefördert, zwei Unternehmen, die auf eine stärkere Unterstützung von Umschulungen drängen.

More in this section

Advertising