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Neue Biotechnologiefirmen wollen US-Finanzierung

Veröffentlicht 25. Mai 2010 - Aktualisiert 23. Dezember 2011
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Ehrgeizige europäische Biotechnologieunternehmen würden sich nach wie vor an die USA wenden, wenn sie große Summen an Risikokapital brauchen, so EU-Beamte. Sie befürchten, dass das heimische Talent den Atlantik überquert.

Es ist nicht nur einfacher für neue Wachstumsunternehmen, Finanzierung in den USA zu erhalten – was junge, forschungsgerichtete Unternehmen dazu bringt, Europa zu verlassen – sondern Europas eigene Risikokapitalindustrie verliert weiterhin die Expertise von talentierten Fondsmanagern.

Bei einer Konferenz zu Innovation in der Gesundheitspflege, sagte Guilia Del Brenna der Abteilung für Unternehmen in der Europäischen Kommission, dass Biotech-KMU eine Hauptquelle von Dynamik seien, doch dass diese in Europa einen schweren Stand hätten.

Sie sagte, dass die wirtschaftlichen Aussichten sich in den USA bereits erholten, doch dass Europa weiterhin durch strukturelle Probleme, die der aktuellen Krise vorausgingen, gelähmt sei.

„Wir haben eine Finanzierungslücke. Es wird gesagt, dass es einfach sei, die ersten drei Millionen Euro zu finden, und dass es harte Arbeit sei, auf 25 Millionen Euro zu kommen – doch danach gehe man besser in die USA. Und das ist genau das, was wir nicht wollen.“

Neben strukturellen Problemen in der Risikokapitalindustrie sprach Del Brenna das Thema an, dass einige von Europas besten Risikokapitalanlegern momentan in den USA arbeiteten.

„Wir müssen die benötigten Fähigkeiten und Expertise entwickeln, um Risiken zu kalkulieren und zu investieren. Um diese Art Risiken einzugehen, muss man den Sektor kennen – das bedeutet, die Wissenschaft, den Regulierungsweg und sogar die Rückerstattungsstrategien in 27 Mitgliedsstaaten zu verstehen.“

Del Brenna sagte, dass die Kommission versuche, Investitionen in frühe Biopharmazeutische Unternehmen für Mikro-Fonds-Unternehmensgründungen attraktiver zu gestalten und Hürden in transnationalen Operationen von Risikokapitalfonds abzubauen.

Etwa 6 Milliarden Euro sind für Gesundheitsforschung im Rahmenprogramm der EU (FP7) vorgesehen, davon sollen etwa 15 Prozent an KMU gehen. Davon unabhängig wurden 2 Milliarden Euro in die Innovative Medikamentinitiative (IMI) investiert – eine öffentlich-private Partnerschaft, die Unternehmen und Experten zusammenführen soll, um bei Forschungsprojekten im Stadium vor dem Wettbewerb zu kollaborieren.

Stellungnahmen: 

Bei einer Grundsatzrede der Konferenz sagte Innovationskommissarin Máire Geoghegan-Quinn, dass die Gesundheitsindustrie ein Schlüsselsektor der EU-Wirtschaft sei und dass die Kommission engagiert sei, Engpässe im Innovationssystem anzugehen.

Sie sagte, dass die Entwicklung von personalisierten und effizienteren Produkten helfen würde, europäische Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Geoghegan-Quinn sagte, dass KMU die „Motoren“ der Innovation seien, doch sah ein, dass die eskalierenden Kosten von klinischen Tests und lange Zeiträume von Produktentwicklung es schwierig für kleinere Akteure machten, erfolgreich zu sein.

Ludo Lauwers, Vize-Präsident bei Johnson & Johnson Pharmaceuticals R&D, sagte, dass das aktuelle Modell für die Entwicklung neuer Produkte nicht haltbar sei. Er spreche sich für „offene Innovation“ aus, um der Pharmaindustrie zu helfen, sich in neuen Bereichen wie Genomen und Proteomik zu positionieren.

Er sagte, dass es sieben Jahre dauere, um ein Produkt auf den Markt zu bringen, doch 14 Jahre, um klinische Tests zu vervollständigen und Regulierungshürden zu überwinden – „etwas, das kein Unternehmen, kein Biotech, kein Wissenszentrum alleine tun kann.“

„Die meisten unserer Wissenschaftler müssen ebenfalls ihren Horizont erweitern. Wir arbeiten an einem kulturellen Wandel.“

Gegenseitiges Vertrauen wird zentral sein im neuen offenen Innovationsmodell und Anreize wie Marktexklusivität werden wesentlich sein, um Investitionen anzuziehen.

Claes Post, Unternehmensentwickler im Innovationsbüro der Linköping University in Schweden sagte, dass das schwedische Modell des Technologietransfers einen dynamischen Biotechsektor ermöglicht habe. Schwedische Universitätsprofessoren sind Inhaber ihrer Erfindungen und dürfen neue Medikamente und Medizinprodukte kommerzialisieren.

Dennoch sollten Wissenschaftler sich auf die Wissenschaft konzentrieren und es Unternehmern überlassen, Innovationen auf den Markt zu bringen.

Michel Goldman, Direktor der Innovation Medicines Initiative sagte, dass die IMI eine einmalige Politik des geistigen Eigentums beinhalte, die die Schaffung von Wissen fördere und Enthüllungen vereinfache.

Bisher sind 24 KMU in den ersten 15 Projekten involviert, die unter der neuen Initiative bekannt gegeben wurden.

„Unternehmen sagen uns, dass diese Projekte eine einmalige Gelegenheit für Networking und Deals bieten. Dennoch sind sie sich der Diffusion kommerziell sensibler Informationen und der Verwaltungslast bewusst, so Goldman.

Die Investition von öffentlichen Geldern wird langfristige Erfolge bringen, wenn neue Krebsdiagnosen entwickelt werden können, die es Ärzten ermöglichen, spezifischere Behandlungen zu verschreiben.

Goldman betonte auch Projekte, die Nebenwirkungen von Medikamenten erforschten – die eine grundlegende Last für den Steuerzahler darstellen.

Ruxandra Draghia-Akli, Direktorin des Gesundheitsdirektorats der Europäischen Kommission, sagte, dass die Investitionen in Forschung und Entwicklung im Gesundheitssektor weiterhin sinken, obwohl die Kosten, die heutzutage mit der Einführung eines neuen Medikaments auf dem Markt verbunden sind, bei etwa 1,3 Milliarden Euro liegen.

Etwa die Hälfte der kleinen europäischen Biopharma-Firmen fühlte sich bedroht.

Personalisierte Medizin, Immunologie, Impfungen und Epigenomik seien einige der viel versprechenden Bereiche, in denen Investitionen gebraucht werden, doch sei in diesen Bereichen Zusammenarbeit notwendig.

„Gesundheitspolitik ist ein Bereich, der auf nationaler Ebene nicht mehr ausreichend behandelt wird. Die Pandemie [der H1N1-Grippe] hat gezeigt, dass solche Probleme grenzüberschreitend auftauchen.“

Jacques Viseur, leitender Geschäftsführer bei Euro Top Cooperation Partners, sagte, dass 93 Prozent der KMU, die an dem Rahmenprogramm teilgenommen haben, es für erfolgreich befanden. Die Teilnahme könne eine Herausforderung sein, doch würden die meisten kleinen Firmen nach dem Ende der EU-Finanzierung dauerhafte Partnerschaften formen.

„Normalerweise sind die KMU, die an FP7-Projekten teilnehmen, neu gegründete Geschäfte, größtenteils von öffentlichen Geldern finanziert und in Technologieparks ansässig. Forschungen zeigen, dass 43 Prozent Hochschulausgründungen sind.“

Cristina Glad, stellvertretende Generaldirektorin von BioInvent International, sagte, ihre Firma habe in einem FP7-Projekt eine koordinierende Rolle gespielt. Dieses sei erfolgreich gewesen, weil es gut strukturiert war. Jedoch warnte sie KMU davor, Zusammenschlüssen beizutreten, nur um die Teilnehmerzahl zu erhöhen.

„Kleine Unternehmen werden manchmal von einem Zusammenschluss angesprochen, nur um ein KMU auf dem Teilnehmerformular zu haben. Mein Ratschlag ist es, nur dann einzusteigen, wenn es dem Kerngeschäft entspricht. „Projekte, an denen KMU aus den falschen Gründen teilnehmen, haben weniger gute Erfolgschancen.“

Peter Trill, Finanzleiter bei TTP Global Development, einer in Großbritannien ansässigen Pharmaentwicklungsfirma, sagte im Gespräch mit EurActiv, der Erfolg von Biotech-Zusammenballungen sei ein wichtiger Teil des Erfolgs der US-Industrie gewesen.

TPP Global Development hat 9,6 Millionen Pfund (11,8 Millionen Euro) aufgebracht, um sie in die Umwandlung neuer, viel versprechender Moleküle in neue Medikamente zu investieren. Trill sagte, wissenschaftliches und regulatorisches Wissen seien ebenfalls entscheidend, um die richtigen Investitionsgelegenheiten zu finden.

Jedoch war die Erbringung neuer Gelder keine einfache Sache in Zeiten der finanziellen Krise. „Dies sind ohne Zweifel die schwierigsten Rahmenbedingungen zur Erhebung von Geldern seit 25 Jahren – aber es ist deswegen nicht unmöglich.“

Er hieß die Anstrengungen der Regierungen zur Unterstützung von Firmen willkommen und fügte hinzu, dass EU-Gelder, insbesondere FP7, wichtiger denn je zuvor sind.

Nächste Schritte: 
  • Herbst 2010: Die Europäische Kommission soll Forschungs & Innovationsstrategie veröffentlichen.
Hintergrund : 

Europas Risikokapitalsektor wurde von der Wirtschaftskrise hart getroffen, doch die Industrie sah sich bereits lange vor der Krise strukturellen Schwierigkeiten gegenüber.

Der finanzielle Aufruhr hat das Problem noch verschärft, indem innovative Industrien, wie der biopharmazeutische Sektor Europas, unter starken Druck gesetzt wurden, so ein EU-finanzierter Bericht (EurActiv 03.12.09).  Die OEZD hat ebenfalls gewarnt, dass ein Mangel an Finanzierung langfristiges Wachstum ersticken werde (EurActiv 17.06.09). 

Die Europäische Kommission hat die Verbesserung der Umwelt für Risikokapital als eine der essentiellen Komponenten ihres Plans für ein innovativeres Europa angegeben.

Die Europäische Investmentbank (EIB) hat versprochen, die Unterstützung für die Risikokapitalindustrie zu stärken (EurActiv 23.03.10), während Innovationskommissarin Máire Geoghegan-Quinn Frustration zum Ausdruck gebracht hat, darüber, dass Europa es verfehlt, seine akademischen Stärken aufgrund von Finanzierungsmängeln in kommerziellen Erfolg umzusetzen. (EurActiv 18.02.10).

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