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Qualifikationsmangel verstärkt EU-Arbeitslosigkeit

Veröffentlicht 05. Februar 2010
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Ein Sachverständigenbericht fordert dringliche Maßnahmen, um den chronischen Mangel an qualifizierten Fachkräften auf dem europäischen Arbeitsmarkt anzugehen. Indessen ist die Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf 10% angestiegen.

Den von der Sachverständigengruppe zusammengestellten Daten zufolge verfügt jeder dritte Europäer im erwerbsfähigen Alter über einen niedrigern oder gar keinen Abschluss, wodurch ihre Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein, im Vergleich zu denjenigen mit mittleren Qualifikationen um 40% höher ausfällt.

Dem Bericht "Neue Qualifikationen für Neue Arbeitsplätze" zufolge besitzt fast ein Drittel der europäischen Bevölkerung zwischen 25-64 einen niedrigen oder keinen Abschluss und nur ein Viertel verfügt über einen hochwertigen Abschluss.

Der Bericht wurde von einem von der Europäischen Kommission bestellten unabhängigen Gremium verfasst und gestern (4. Februar) veröffentlicht. Er soll in eine neue Qualifikationsstrategie einfließen, die von der EU-Exekutive im Laufe des Jahres vorgesehen ist.

Unqualifizierte Arbeitskräfte haben nicht immer die von Arbeitgebern geforderten Kenntnisse, sodass Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt entstehen können.

Die Arbeitslosigkeit hat in der EU-27 inzwischen 9,6% erreicht, aber Arbeitslosigkeit ist für qualifizierte Arbeitskräfte deutlich weniger wahrscheinlich. Die zusammen mit dem Bericht veröffentlichten Zahlen verdeutlichen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen pleite gehen, die in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, 2,5 mal kleiner ist als die Wahrscheinlichkeit für Firmen, die dies nicht tun.

Experten warnten jedoch, dass der Anstieg von befristeter und Auftragsarbeit dazu führen könnte, dass Arbeitgeber weniger in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren würden.

Anreize zur Fortbildung

Der Bericht fordert die Verantwortlichen innerhalb der EU dazu auf, die richtige Mischung aus Anreizen zu finden, damit sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber durch den Erwerb neuer Fähigkeiten auf die Zukunft vorbereiten.

Experten, die sich in Brüssel für eine Konferenz zu Aus- und Weiterbildung versammelt hatten, zählten IT- sowie fremdsprachliche Kenntnisse zu den wichtigen Fähigkeiten, nannten aber auch die Vorbereitung auf "grüne Arbeitsplätze", von denen viele bis vor kurzem gar nicht existierten.

Energiegutachter und Architekten, die sich auf umweltverträgliche Gebäude spezialisiert haben, stellen oft eine Mischung herkömmlicher Berufe dar, bieten für umschulungswillige Arbeitnehmer jedoch neue Möglichkeiten.

Die Autoren des Berichts forderten eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem Bildungssektor und der Industrie, um die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragten Qualifikationen besser vorhersagen zu können. Initiativen in diesem Bereich sollten ihnen zufolge auf Lernergebnisse und relevantere Qualifikationen abzielen.

Trotz der schwächelnden Konjunktur gehen neue Prognosen des European Centre for Development and Vocational Training (CEDEFOP) von 80 Millionen neuer Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des nächsten Jahrzehnts aus.

In Brüssel sagten Vertreter von CEDEFOP gestern, dass fast sieben Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen würden, für die höher qualifizierte Arbeitskräfte benötigt würden. Ihnen zufolge werden die meisten freien Stellen im Bereich wissensintensiver Arbeitsplätze geschaffen werden.

Stellungnahmen: 

Der EU-Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla sagte, verbesserte Qualifikationen stellten auf kurze Sicht den Weg aus der Krise dar und dienten langfristig dem nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

Der EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend Maroš Šefčovič fügte hinzu, dass man den Unterschied zwischen "allgemeiner und beruflicher Bildung" und "Beschäftigung" aufheben müsse, damit Menschen sicherstellen könnten, dass sich ihre Qualifikationen im Laufe ihres Lebens zusammen mit den veränderten Bedürfnissen des Arbeitsmarkts weiterentwickelten.

Hintergrund : 

Unternehmer haben vor einer wachsenden Kluft auf dem europäischen Arbeitsmarkt gewarnt, bei der Millionen von Stellen unbesetzt blieben, weil Arbeitnehmer nicht über die von modernen Unternehmen benötigten Fähigkeiten und Kenntnisse verfügten (EurActiv vom 3. März 2009).

Die Initiative "Neue Qualifikationen für Neue Arbeitsplätze" wurde im Dezember 2008 auf EU-Ebene gestartet, um Brücken zwischen dem Bildungsbereich und der Arbeitswelt zu schlagen.

Im Frühjahr 2009 ernannte die Europäische Kommission eine Expertengruppe zu Ausbildung, Fertigkeiten und Beschäftigung, um unabhängigen Sachverstand über die Weiterentwicklung der Initiative im Kontext der "EU-2020"-Strategie zu liefern.

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