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Regionen fürchten weitere Auswirkungen der Krise [DE]

Veröffentlicht 18. November 2009 - Aktualisiert 29. Januar 2010
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Europas lokale und regionale Behörden befürchten, dass das wirtschaftliche Klima nächstes Jahr noch schlechter als 2009 sein könnte, so eine neue Umfrage. Diese Befürchtung kommt trotz einer Rückkehr zu Wachstum in den Wirtschaften der Eurozone und offizieller Vorhersagen, nach denen sich die weltweite Finanzsituation 2010 aufhellen wird.

Eine neue Studie des Internationalen Rates der Gemeinden und Regionen Europas (CEMR) kommt zu dem Schluss, dass Behörden fürchten, ihre Dienste nächstes Jahr aufgrund von Haushaltskürzungen zurückfahren zu müssen.

Nach den Aussichten für 2010 gefragt, drückten sich nur Zypern, Norwegen, Portugal und Schweden – insgesamt 6% der von der Studie erfassten Bevölkerung – optimistisch aus, wohingegen 44% dem Jahr 2010 pessimistisch entgegensehen und 50% keine Änderungen vorhersehen.

Dies widerspricht den Prognosen aus Brüssel, wo die wesentlichen Institutionen relativ zuversichtlich über die Wachstumsaussichten nächstes Jahr sind.

Die neue Studie folgt einer Studie vom April 2009 und zeigt auf, dass drei Viertel aller öffentlichen Behörden glauben, die Situation habe sich seit dem ersten Jahresquartal verschlechtert.

Befragte, die 90% der europäischen Bevölkerung repräsentieren, sagten, dass sich der Zugang zu Krediten für Investitionen seit April dieses Jahres nicht verbessert habe. Der CEMR warnt, dass dies die Investitionen in Infrastrukturprojekte bremsen wird.

Örtliche Behörden seien zwischen einer wachsenden Nachfrage nach ihren Diensten und dem Druck zur Umsetzung von Haushaltskürzungen gefangen, so der Bericht.

Soziale Krise am Horizont

CEMR-Generalsekretär Jeremy Smyth schrieb in dem Bericht, dass selbst bei einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung das Ausmaß der öffentlichen Verschuldung Bürger treffen werde, die auf Dienste von lokalen und regionalen Behörden angewiesen sind.

„Während die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und andere internationale Körperschaften glauben, dass 2010 von einer wirtschaftlichen und finanziellen Verbesserung in Europa geprägt sein wird, erwartet die große Mehrheit unserer lokalen und regionalen Behörden, dass 2010 entweder genauso schwierig wie 2009 oder noch schlimmer wird“, sagte Smyth.

Er sagte, die Auswirkungen einer möglichen Kürzung von Dienstleistungen wäre für Europäer auf einer „direkten und täglichen” Basis spürbar.

Während staatliche Eingriffe die Öffentlichkeit vor den schlimmsten Auswirkungen des Finanzsturms schützte, der 2008 und 2009 die Weltwirtschaft durcheinander wirbelte, scheint 2010 das Jahr zu sein, in dem die sozialen Auswirkungen spürbar werden.

Der MdEP Wolf Klinz, Vorsitzender des Sonderparlamentsausschusses zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise, warnte, dass die Nachwirkungen der Krise noch lange nach einer Wiederherstellung des Vertrauens in die Finanzmärkte spürbar bleiben werden.

„Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft waren bereits erheblich, als die Rezession verschiedene Länder traf, aber die wirklichen Herausforderungen werden erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. Eine soziale Krise steht unmittelbar bevor“, sagte er.

Stellungnahmen: 

Laut Robert Manchin, Geschäftsführer und Vorsitzender von Gallup Europe, zeigen Studien, dass die Auswirkungen der Rezession innerhalb Europas variieren und dass Bürger erst jetzt die wirklichen Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren bekommen.

„Im Allgemeinen hat die Krise eine viel weniger schädliche Wirkung auf die nordeuropäischen Bürger gehabt. Zudem hatte die Krise unterschiedliche Auswirkungen auf die ländliche und städtische Bevölkerung; das Verhältnis zwischen dem Grad der persönlich erlebten Not und dem Grad der Urbanisierung war je nach Region unterschiedlich. In einigen Ländern waren Städte stärker betroffen, während in anderen die ländlichen Gegenden stärker litten“, sagt er.

Manchin warnt, dass die Erfahrung der Bürger nicht zu dem passt, was politische Führungskräfte in Brüssel sagen. Sollten örtliche Behörden 2010 Dienstleistungen wegen eines Mangels an Ressourcen nicht anbieten können, während Experten weiterhin von einem Ende der Krise sprechen, „ist eine wachsende Kluft zwischen der Wahrnehmung von Bürgern und Experten zu erwarten.“ Dies könnte von einem Gefühl der Ungerechtigkeit darüber begleitet werden, dass die Ansätze der wirtschaftlichen Erholung so ungleichmäßig verteilt seien, fügt er hinzu.

Hintergrund : 

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Finanzkrise, die 2008 die Weltwirtschaft traf, langsam nachlässt. So haben sich die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten leicht erholt. Frankreich und Deutschland sind bereits zum Wachstum zurückgekehrt und es wird erwartet, dass Großbritannien ihnen bis Ende des Jahres folgt.

Jedoch gibt es Befürchtungen, dass sich die Rezession zwar formal dem Ende nähert, ihre Auswirkungen auf die Normalbürger jedoch bei weitem noch nicht vorbei sein könnten. Regierungen untersuchen jetzt Möglichkeiten, Ausgaben zu kürzen und Einnahmen zu erhöhen, um die während der Krise eingegangene hohe öffentliche Verschuldung zu reduzieren.

Anfang des Monats warnte ein Eurofound-Bericht, dass der Arbeitsplatzabbau bis in das Jahr 2010 hinein andauern werde, da Regierungen kurzfristige Maßnahmen zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit auslaufen lassen (EurActiv vom 4. November 2009).

Ermüdung mit der Rezession hat zu einer Vielzahl von Medienartikeln über die ‚grünen Triebe’ der Erholung geführt, aber Kritiker warnen, dass es verfrüht wäre, während der nächsten Jahre starkes Wachstum in Europa zu erwarten.

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