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Wirtschaftsvertreter: Regierungen verzögern Small Business Act [DE]

Veröffentlicht 03. Dezember 2009 - Aktualisiert 23. Dezember 2011
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Ein Zusammenschluss von Interessenvertretern der Wirtschaft hat Vorwürfe gegen nationale Parlamente erhoben, weil sie den Small Business Act (SBA) der EU ein Jahr nach seiner Annahme seitens der Wirtschaftsminister immer noch nicht umgesetzt haben. Die EU-Exekutive sieht dies jedoch gelassener.

Drei Wirtschaftsverbände – BusinessEurope, Eurochambres und UEAPME – kamen gestern (2. Dezember) auf einer Konferenz des Wirtschafts- und Sozialausschusses zusammen, um konkrete Maßnahmen von nationalen und regionalen Spitzenpolitikern zu fordern.

Der Erfolg ist bisher begrenzt und ein wachsendes Gefühl der Enttäuschung macht sich gemäß Industriegruppen breit, welche die Regierungen beschuldigen. 

Ben Butters, Leiter der EU-Angelegenheiten bei Eurochambres sagte, dass in Brüssel viel unternommen worden sei, aber „in den Mitgliedsstaaten mangelndes Engagement herrsche.“

„Es ist erstaunlich, dass im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise Verfahren wie die Reduktion bürokratischen Aufwands sowie die Beschleunigung von Zahlungen nicht unternommen wurden. Einfache Maßnahmen in diesem Bereich wären eine schnelle Lösung für Unternehmen, aber es wurde nur sehr wenig getan“, sagte er.

Butters forderte die europäischen Institutionen auf, Druck auf die nationalen Regierungen auszuüben, den SBA ernster zu nehmen.

Diese Einschätzung wurde von Eric Sonntag geteilt, Berater für Unternehmertum und KMU bei BusinessEurope. Er sagte, in Brüssel seien KMU ins Zentrum der Politikgestaltung gekommen, jedoch nicht auf nationaler und regionaler Ebene, auf denen KMU operieren.

Er betonte die Notwendigkeit eines besseren Zugangs zu Finanzmitteln, insbesondere zur Finanzierung von Innovation und Forschung. „Die Banken bleiben risikoscheu und es existieren wenig Gelder für F&E. Steueranreize könnten dabei helfen, Investitionen attraktiver zu gestalten, aber noch einmal: Dies ist die Aufgabe nationaler Behörden“, sagte Sonntag.

Andrea Benassi, Generalsekretär von UEAPME, der Lobby für Kleinunternehmen, sagte, das Gesetz habe nicht die erhofften Änderungen gebracht. 

„Einige der Gesetzesvorschläge im SBA-Paket, wie etwa die Reform der staatlichen Beihilfen und ermäßigte Mehrwertsteuersätze, wurden abgeschlossen und gebilligt. Jedoch müssen diese vollständig von den Mitgliedsstaaten angewendet werden, um konkrete Verbesserungen zu bewirken“, sagte er.

Benassi sagte, der größte Mangel sei „fehlender Respekt“ für das im Gesetz enthaltene ‚Think Small First’-Prinzip  Kommission nimmt gelassenere Haltung ein

Françoise Le Bail, die Gesandte der Europäischen Kommission für KMU, nimmt eine versöhnliche Sichtweise ein.

Sie sagte, dass nur ein Jahr nach der Verabschiedung des SBA viel erreicht worden sei. Sie wies auf die Umsetzung des ‚KMU-Test’ hin, der eine wirtschaftsfreundliche EU-Gesetzgebung sicherstellt, und auf die Modernisierungen der Richtlinie über den Zahlungsverzug und die Anstrengungen zum Bürokratieabbau.

Le Bail gab zu, dass die Maßnahmen in Europa unterschiedlich sind und einige nationale und regionale Regierungen besser sind als andere. Nichtsdestotrotz gebe es einen bedeutenden „Mentalitätswandel“ hin zu KMU.

„Die Umsetzung ist nicht abgeschlossen, es gibt jedoch ein wachsendes Bewusstsein für KMU und der Trend geht in die richtige Richtung“, sagte sie.

Die Kommission wird ihre eigene Einschätzung über die Umsetzung des SBA in Europa geben. 

Dieses Dokument wird die entscheidende Rolle der Europäischen Investitionsbank (EIB) beim verbesserten Zugang zu Finanzmitteln hervorheben und die Länder und Regionen mit den größten Fortschritten benennen.

Bisher sind Italien und Belgien die beiden einzigen EU-Staaten, die den SBA in nationale Politikprogramme eingeführt haben, während die irische Regierung eine Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Umsetzung eingerichtet hat. Die spanische Region Katalonien und Nordrhein-Westfalen in Deutschland stehen ebenfalls vor der Einführung des Gesetzes.

Die Kommission ist der Meinung, dass die Umsetzung des SBA Fortschritte macht, sie wird jedoch auch weiterhin auf eine konsequente Umsetzung auf nationaler Ebene drängen.

Stellungnahmen: 

Die ungarische sozialdemokratische Europaabgeordnete Edit Herczog sagte, das Europäische Parlament stehe der KMU-Frage deutlich positiver als noch vor fünf Jahren gegenüber. Wirtschaftsvertreter stellten die von Kommission und Parlament beschlossenen Rahmenbedingungen nicht in Frage, sondern erwarteten ein Handeln der nationalen Regierungen.

„MdEPs hoffen darauf, den Lissabon-Vertrag nutzen zu können, um enger mit nationalen Parlamenten zusammenzuarbeiten und dadurch auf lokaler Ebene Erfolge zu feiern”, sagte sie.

Herczog fügte hinzu, dass KMU Zugang zu Mitarbeitern mit den richtigen Kenntnissen bräuchten, um sich auf die Wirtschaft der Zukunft vorzubereiten, die auf IKT und kohlenstoffarmen Industrien basieren werde.

Henri Malosse, Präsident der Arbeitgebergruppe beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, sieht es als unabdingbar an, dass der Rat der Wettbewerbsminister das Statut für eine Europäische Privatgesellschaft annimmt, um KMU Zugang zum gesamteuropäischen Markt zu ermöglichen.

Hintergrund : 

Im Juni 2008 schlug die Europäische Kommission den Text des Small Business Act (SBA) vor. Er wurde im Dezember desselben Jahres vom Europäischen Rat angenommen  (EurActiv vom 2. Dezember 2008).

Die ursprüngliche Idee sah vor, KMU bei Entscheidungen in den Vordergrund zu stellen und das Gewicht der EU-Beschäftigungsstrategien von Groß- auf Kleinunternehmen zu verlagern. Diese Überlegungen spiegelten Befürchtungen wider, dass der Wettbewerb aus Niedriglohnländern in Asien zu einem riesigen Arbeitsplatzabbau führen könnte.

Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise hat jedoch das Gewicht auf Maßnahmen verlagert, die das Überleben von Kleinunternehmen gewährleisten sollen, die vom Zusammenbruch der Banken und den abnehmenden Finanzierungsmöglichkeiten am Markt besonders schwer betroffen sind.

Geschätzte 99% der Unternehmen der EU sind KMU. Diese machen etwa 70% der europäischen Arbeitsplätze und des europäischen BIP aus, und ihre Flexibilität wird als wichtige Treibkraft für zukünftige Innovation und die Schaffung von Arbeitsplätzen gesehen.

Die EU-Exekutive hat bereits die Richtlinie über den Zahlungsverzug gemäß den Verpflichtungen aus dem SBA überarbeitet (EurActiv vom 9. April 2009), obwohl Wirtschaftsvertreter immer noch über Verzögerungen klagen.

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