Albanien habe prinzipiell grünes Licht von der Ratspräsidentschaft erhalten, der EU seinen Mitgliedsantrag zu präsentieren, sagte der albanische Premierminister in einem Interview mit AFP. Das Datum müsse allerdings noch entschieden werden.
Man habe sich darauf geeinigt, den Antrag zu stellen, sagte er und betonte, dass 96 Prozent der Albaner den EU-Beitritt des Landes unterstützten.
Die Europäische Kommission hat den korrekten Ablauf der Parlamentswahlen, die am 28. Juni 2009 in Albanien stattfinden werden, als eine Bedingung für einen Beitritt gestellt. Unterdessen hatte der IWF Tirana kürzlich gewarnt, vor den Wahlen gut auf die Staatsausgaben zu achten, um die makroökonomische Stabilität des Landes nicht zu untergraben.
Wahlen in Albanien wurden in der Vergangenheit oft von Betrug und anderen Zwischenfällen überschattet. Ein neues Wahlgesetz, das Betrug verhindern soll, war kürzlich im Parlament verabschiedet worden.
„Alles nur Wahlkampf“
Berishas Entscheidung, eine Bewerbung für die Mitgliedschaft einzureichen, wird in Brüssel als Wahlkampftrick gewertet. Die albanische Politik hofft außerdem, dass die NATO auf ihren Gipfel am 3. und 4. April 2009 ihre Türen für das ehemals kommunistische Land öffnet. Kroatien soll der NATO zur gleichen Zeit beitreten.
Auch Diplomaten deuteten an, dass der Wahlkampf eine große Rolle spiele und auch von anderen Wahlen beeinflusst werde, wie den Europawahlen im Juni und den Bundestagswahlen in Deutschland im September. Außerdem wird im Oktober 2009 in Irland vermutlich ein zweites Referendum zum Lissabon-Vertrag abgehalten werden.
Da in Westeuropa die öffentliche Unterstützung für neue EU-Erweiterungen abnehme, versuchen die großen politischen Parteien, kein Öl ins Feuer der Populisten zu gießen. Diese würden die Ängste vor dem EU-Beitritt eines armen Landes, wie Albanien, optimal für sich nutzen können, sagte ein Diplomat.



