EurActiv Logo
EU-Nachrichten & Politikdebatten
- durch Sprachenvielfalt -
Bulgaria News
Turkey News
Germany News
Spain News
France News
United Kingdom News
Poland News
Czech Republic News
Slovakia News
Hungary News
Romania News
Serbia News
Greece News
Italy News
Bulgaria Turkey Germany Spain France United Kingdom Poland Czech Republic Slovakia Hungary Romania Serbia Greece Italy
EurActiv.com Réseau

ALLE SEKTIONEN BROWSEN

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Auf Grund des großen Erfolgs von EurActiv Deutschland findet die komplette deutschsprachige EU-Berichterstattung des EurActiv-Netzwerkes nun über Euractiv.de statt.

Die deutschsprachige Fassung von EurActiv.com wird nicht mehr aktualisiert, alle bisherigen übersetzten Texte bleiben aber im Archiv für Sie verfügbar.

Wir freuen uns, Sie künftig auf EurActiv.de begrüßen zu dürfen!

Botschafter: Türkei könnte EU-Ambitionen in der Region unterstützen [DE]

Veröffentlicht 19. Januar 2010 - Aktualisiert 29. Januar 2010
Druckoptimierte VersionEinem Freund senden

Ohne die Brückenfunktion der Türkei zwischen Ost und West bei Angelegenheiten wie Energieversorgung, Außenpolitik und der Zusammenarbeit im Nahen Osten werde das EU-Ziel eines starken Einflusses in der Region vermindert. Dies sagte der türkische Botschafter in Deutschland, Ahmet Acet, in einem ausführlichen Interview mit EurActiv Deutschland.

Der türkische Botschafter betonte die Notwendigkeit für die europäischen Staats- und Regierungschefs eine Sichtweise hervorzubringen, in welcher die positive Rolle hervorgehoben wird, welche die Türkei als Stifter von Frieden und Stabilität in der Region des Nahen Ostens spielen könne.

Acet lobte und rechtfertige die „Null-Problempolitik“, die sein Land mit allen seinen Nachbarn wie Syrien, Irak, Iran und Armenien verfolgt. Dieser Ansatz schaffe wirtschaftliche Vorteile für das ganze Land, vor allem jedoch für die Regionen, die unter einst bestehenden Spannungen höchstens als peripher bezeichnet werden konnten.

Der Botschafter erklärte ebenfalls, dass die versöhnliche Strategie gegenüber dem Iran auf dem Willen basiert, alle diplomatischen Mittel vor der Einführung von Sanktionen auszuschöpfen (EurActiv vom 17. November 2009). Harte Maßnahmen sollten als letztes Mittel angesehen werden.

Acet betonte ebenso die zentrale Rolle der Türkei bei der europäischen Energieversorgung und -unabhängigheit. Zur möglichen Konkurrenz zwischen der Pipeline Nabucco und der South Stream-Pipeline (EurActiv vom 6. Oktober 2009) behauptete er, dass die beiden Pipelines zwar in gewisser Hinsicht konkurrierten, zugleich jedoch demselben Interesse dienten: der Energiediversifikation.

Er äußerte sich positiv zum Zustand der türkischen Wirtschaft und zitierte OECD-Schätzungen, die ein Wachstum von 3,75% für das Jahr 2010 vorhersagen. Wenn dies eintrifft, würde sich die türkische Wirtschaft vollständig vom Einbruch während der Wirtschaftskrise erholt haben. Der internationale Währungsfonds (IWF) gab kürzlich bekannt, dass das türkische BIP im Jahr 2009 um 5,1% eingebrochen sei.

Obwohl die stark exportabhängige türkische Wirtschaft hart von der Wirtschaftskrise getroffen wurde, blieb sie dank der nach der Bankenkrise 2001 umgesetzten Reformen von einem schlimmeren Wirtschaftseinbruch verschont.

Zum Stand des Beitrittsprozesses betonte Acet, dass bei der Bewertung, ob die Türkei reif für einen EU-Beitritt bereit sei, keine anderen Themen außer dem Fortschritt der Türkei auf dem Reformweg eine Rolle spielen dürften. Er bezog sich insbesondere auf den Stillstand bei Zypern (EurActiv vom 7. Januar 2010), das derzeit mehrere Verhandlungskapitel blockiert.

Der Botschafter erwähnte ebenfalls die Haltung europäischer Politiker, die oft das Thema Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nutzten, um ihre Popularität in Wahlzeiten zu steigern (EurActiv vom 11. Mai 2009). Dies geschehe oft zum Nachteil einer nüchternen und realistischen Darstellung der heutigen Türkei.

Acet behauptete, dass pauschale Urteile über mangelnde Vorbereitung der Türkei bei den Beitrittsverhandlungen ungerecht seien, da die Bereitschaft des Landes für einen EU-Beitritt am Ende und nicht in der Mitte des Prozesses bewertet werden solle.

„Wenn Sie heute sagen, die Türkei sei nicht europäisch oder sollte nicht Mitglied sein oder sollte eher ein ‚privilegierter Partner’ sein, dann ist das so, als ob man mitten in einem Fußballspiel die Regeln ändert und der einen Mannschaft erlaubt, mit zwei Bällen zu spielen”, schloss er.

Advertising